5
—— ————
—
—————— —— 5 5
— —
—10
„Ihre Anweſenheit iſt auf kürzere Zeit in Anſpruch genommen, als ich ſelbſt vermuthete, ſo bitte ich denn, dieſes für Ihre Mühe als Erinnerung an uns zu betrachten. Und nun“, fuhr Burton fort, als ſich das junge Mädchen dankend und erröthend verbeugte— in⸗ dem er die Klingelſchnur zog„mag der Hausknecht Ihr Gepäck hinunterſchaffen. Eine Droſchke wartet ſchon auf uns, und ich will ſelber recht von Herzen froh ſein, wenn wir erſt unterwegs ſind.“
Draußen wurden Schritte laut— es klopfte an.
„Herein!“ rief Burton— die Thür öffnete ſich und auf der Schwelle, ſeinen Hut in der Hand, ſtand— Hamilton und warf einen ruhigen, forſchenden Blick über die Gruppe.
Er ſah den Ausdruck der Ueberraſchung in Burtons Zügen, aber ſein Auge haftete jetzt feſt auf der jungen Dame an ſeiner Seite, deren Antlitz eine Aſchfarbe überzog.
„Sie entſchuldigen, meine Herrſchaften“, ſagte der Poliziſt mit eiſiger Kälte,„wenn ich hier vielleicht ungerufen oder ungewünſcht erſcheinen ſollte, aber meine Pflicht ſchreibt es mir ſo vor. Mein Herr— Sie ſind mein Gefangener, im Namen der Königin!“
„Ihr Gefangener?“ lachte Burton trotzig auf, aber Hamilton trat zur Seite und drei Polizeidiener ſtanden hinter ihm, während er auf Burton zeigend, zu dieſen gewandt, fortfuhr:
„Den Herrn da verhaften Sie und führen ihn auf ſein Zim⸗ mer oder bewachen ihn hier, bis Ihr Commiſſär kommt. Er wird ſich nicht widerſetzen, denn er weiß, daß er der Gewalt weichen muß — im ſchlimmſten Fall aber brauchen Sie Gewalt, und jene Dame dort—“.
Die junge Fremde hatte mit ſtarrem Entſetzen den Eintritt des nur zu raſch wiedererkannten Reiſegefährten bemerkt, und im erſten Moment war es wirklich, als ob der Schreck ſie gelähmt und zu jeder Bewegung unfähig gemacht hätte. Wie aber des Furchtbaren Blicke auf ſie fielen, ſchien es auch, als ob ſie erſt dadurch wieder Leben gewönne, und ehe ſie jemand daran verhindern konnte, glitt ſie in das Nebenzimmer, neben deſſen Thür ſie ſtand, warf dieſe zu und ſchob den Riegel vor.
„Einer von Ihnen auf Poſten draußen, daß ſie uns nicht ent⸗ wiſcht“, rief Hamilton raſch, indem er nach der Thür ſprang, aber ſie ſchon nicht mehr öffnen konnte—„und alarmiren Sie die Leute unten, daß ſie vor den Fenſtern von Nr. 6 Wache halten.“
„Mr. Hamilton, Sie werden mir für dies Betragen Rede ſtehen!“ rief Burton außer ſich„wer gibt Ihnen ein Recht, mich zu verhaften?“
„Mein beſter Herr“, rief Hamilton, indem er vergebens ver⸗ ſuchte, die Thür aufzudrücken—„von einem Recht iſt hier vor⸗ läufig gar keine Rede. Sie weichen nur der Gewalt. Alles andere machen wir ſpäter ab.“
„Aber ich dulde nicht—“ rief Burton und wollte ſich zwiſchen ihn und die Thüre werfen, um die Geliebte zu ſchützen.
„Halt, mein Herzchen!“ riefen aber die Polizeidiener, ein Paar baumſtarke Burſchen, indem ſie ihn in ihren Fäuſten packten— „nicht von der Stelle, oder es ſetzt was.“
„Um Gottes Willen“, rief Eliſe, zum Tod erſchreckt,„was geht hier vor?“
„Mein liebes Fräulein“, ſagte Hamilton, ſich an ſie wendend in deutſcher Sprache—„beunruhigen Sie ſich nicht— gar nichts, was Sie betreffen könnte. Gehen Sie ruhig nach Hauſe, Sie haben nicht die geringſte Beläſtigung zu fürchten. Soviel kann ich
der Herr Commiſſär— Sie kommen wie gerufen, verehrter Herr— das hier“ fuhr er fort, indem er auf James Burton zeigte„iſt jener Kornik, von dem ich Ihnen ſagte, und ſeine Dulcinea hat ſich eben in dies Zimmer geflüchtet, von wo aus ſie uns aber ebenfalls nicht mehr entwiſchen kann.“
„Kornik?— ich?“ rief Burton, indem er ſich wie raſend unter dem Griff der Polizeidiener wand—„Schuft Du— ich ſelber bin hergekommen, jenen Kornik zu verhaften.“
engliſcher Sprache.
„In Deiner eigenen Taſche ſind ſie“, ſchrie Burton wie außer ſich—„das Papier, das ich Dir vor die Füße warf.“
Hamilton achtete gar nicht auf ihn.
„Herr Commiſſär“, ſagte er, ſich an den Polizeibeamten wen⸗ dend—„jener Herr da, dem ich von England aus nachgeſetzt bin, hat ſich ſchon unter fremdem Namen in das hieſige Gaſthofsbuch ge⸗ ſchrieben. Sie haben meine Inſtruktionen und Vollmachten geleſen. Sie werden Sorge dafür tragen, daß er uns nicht entwiſcht, während ich jetzt die Dame herbeizuſchaffen ſuche.“ Und ohne weiter ein Wort zu verlieren nahm er den dicht neben ihm ſtehenden kleinen Koffer und ſtieß ihn mit ſolcher Kraft und Gewalt gegen die Füllung der Thür, daß dieſe vor dem ſchweren Stoß zuſammenbrach. Im nächſten Moment griff er durch die gemachte Oeffnung hindurch und ſchloß die Thür von innen auf.
Wie es ſchien, hatte aber die junge Fremde gar keinen Verſuch zur Flucht gemacht. Sie ſtand, ihre Mantille feſt um ſich her ge⸗ ſchlungen, mitten in der Stube, und den Verhaßten mit finſterem Trotz meſſend, ſagte ſie:
„Betragen Sie ſich wie ein Gentleman, daß Sie zu einer Lady auf ſolche Art ins Zimmer brechen?“
„Miſſ“, erwiederte der Polizeibeamte kalt,„ich bin noch nicht feſt überzeugt, ob ich es hier wirklich mit einer Lady zu thun habe. Vor der Hand ſind Sie meine Gefangene. Im Namen der Köni⸗ gin, Miſſ Lucy Fallow, verhafte ich Sie hier auf Anklage eines Juwelendiebſtahls.“
„Und welche Beweiſe haben Sie für eine ſo freche Lüge?“ rief das junge Mädchen verächtlich.
„Danach ſuchen wir eben“, lachte Hamilton, jetzt, da ihm der Ueberfall gelungen war, wieder ganz in ſeinem Element—„Herr Commiſſär, haben Sie die Güte gehabt, die Frauen mitzubringen?“
„Sie ſtehen draußen.“
„Bitte, rufen Sie die beiden herein— ich wünſche die Gefan⸗ gene genau durchſucht zu haben, ob ſie den bewußten Schmuck an ihrem Körper vielleicht verborgen hat. Wir beide werden indeß die Koffer revidiren.“
Eine handfeſte Frau— die Gattin eines der Polizeidiener, trat jetzt ein, von einem anderen jungen Mädchen, wahrſcheinlich ihrer
Tcochter, gefolgt, beide aber von einer Statur, die für einen ſolchen
Zweck nichts zu wünſchen übrig ließ, und Hamilton betrat jetzt wie⸗ der das Zimmer, in dem Burton dem engliſch ſprechenden Commiſſär ſeine eigene Stellung erklärte und ihn dringend aufforderte, nicht zu dulden, daß zwei unſchuldige Menſchen in ſo niederträchtiger Weiſe behandelt würden Seine Erklärung aber, die er dabei gab, daß er ſeine Vollmacht ſelber zerriſſen habe, der falſche Namen, unter dem er ſelber zugeſtand, ſich in das Fremdenbuch eingetragen zu haben, und die Thatſache, die er nicht läugnen konnte oder wollte, daß Hamilton wirklich ein hochgeſtellter Polizeibeamter in England ſei, ſprachen zu ſehr gegen ihn. Der Commiſſär zuckte die Achſeln, bedauerte, nur nach den Inſtruktionen handeln zu können, die er von oben empfinge, und erſuchte Mr. Burton dann in ſeinem eigenen Intereſſe, ſich ſei⸗ nen Anordnungen geduldig zu fügen, da ſonſt für ihn daraus die größten Unannehmlichkeiten entſtehen könnten.
Er wollte ihn jetzt auch auf ſein eigenes Zimmer führen laſſen, als Hamilton zurückkehrte und den Commiſſär erſuchte, dem Herrn zu erlauben, hier zu bleiben. Er wünſche, daß er Zeuge der Ver⸗
i handlung ſei. Ihnen aber ſagen, daß jene Dame keine Begleitung weiter nach England braucht, da ich das ſelber übernehmen werde.— Ah, da iſt
Ohne weiteres ging er jetzt daran, den Koffer der Dame auf das genaueſte zu revidiren; obgleich ſich aber, in einem geheimen Ge⸗
fach darin, eine Menge der verſchiedenſten Schmuck⸗ und Werth⸗
ſachen vorfanden, waren die geſuchten Brillanten doch nicht dabei. Auch in Korniks Koffer ließ ſich keine Spur davon entdecken. Fort⸗ gebracht konnte ſie dieſelben aber nicht haben, da ſie ja gerade im Begriff abzureiſen überraſcht war, alſo gewiß auch alles werthvolle Beſitzthum bei ſich trug. Außerdem wußte Hamilton genau, daß ſie— wenigſtens ſeitdem er zurückgekehrt war, kein Packet auf die
verſteckt. (Schluß folgt.)
Poſt, gegeben hatte, alſo trug ſie es wahrſcheinlich 5 „Und wo haben Sie die Beweiſe?“ ſagte Hamilton ruhig in 1 8 eſthnlsche ani Kürder


