quemes, ſoldatiſches Zweigeſpann, der gelbkragige Roſſelenker ſchwang die Peitſche und ſauſend ging's mit den muthigen, ſtarkknochigen Rappen zur Stadt hinaus. Auf dem Wege nun, wenngleich bei beginnendem Regen, erſchloß die liebliche Inſel mir ihre ganze Fülle von Schönheit. Auf trefflich gebahnten, mit Erlengebüſch beſetzten Wegen fliegen wir dahin, Häslein und rothhärige Rehe ſetzen, von friedlicher Aeſung geſcheucht, flüchtig davon und in buntem, harmo⸗ niſchem Tanz wirbeln die wechſelnden Landſchaftsbilder bei dem ge⸗ feſſelten Auge vorüber, jetzt durch anmuthige Thäler, drin freundlich⸗ wohlhäbige Dörfer, üppig wogende Aehrenfelder, ernſt umkränzt vom mächtigſten Buchwald, jetzt über freie, von der friſchen Seeluft um⸗
ſpielte Höhen, von denen herab, fern, wie Nebelſtreif, die Küſte Fünens zu ſchauen. So geht die Fahrt weiter, über den Auguſten⸗ burger Schloßhof, durchs gleichnamige Städtchen raſſelnd, weiter durch Ketting bei ſinkendem Tageslicht und jetzt in Schwenstrup, bei völliger Dunkelheit und in ſtrömendem Regen, halten die dampfenden Gäule und wir treten ein unter das gaſtlich ſchützende Dach des wackern Paſtors A. und ſeiner liebenswürdigen Familie, um an der wohlbeſetzten Abendtafel bei heißem Grog die nach ſo reichem Schauen des Tages etwas geſunkenen Lebensgeiſter wieder aufzufriſchen.
(Schluß folgt.)
Am Jamilientiſche.
O du lieber Anguſtin,— wer kennt nicht dieſe unverwelkliche Melodie mit ihrem unverwelklichen Texte? Wer hätte ſich noch nie dabei betroffen, daß er ſelbſt einmal, faſt ohne es zu wiſſen, jene bekannten Töne vor ſich her pfiff? Die Welt iſt undankbar; den Humor von Lied und Text hat ſie ſeit nun 200 Jahren fröhlich genoſſen, aber nach Dichter und Componiſten hat ſie nicht gefragt. Auch wir würden davon ſo wenig etwas wiſſen, wie irgend einer unſerer Leſer, wenn nicht Otto Beneke in ſeinem hübſchen Buche von den„unehrlichen Leuten“ uns die Hiſtorie erzählt hätte. Dichter und Componiſt jener Arie iſt nämlich eine und dieſelbe Perſon und zwar keine andere, als der luſtige Muſikmeiſter Auguſtin, der vor 200 Jahren in Wien die Geige ſtrich und die tanzluſtigen Füße der Wiener und Wienerinnen derzeit gerade ſo flink in Bewegung ſetzte, wie neuerdings ein Strauß oder Lanner. Ein echter Spielmann war es, mit unverwüſtlicher Heiterkeit und mit einer Kehle, die das Trinken nicht minder gut verſtand, wie das Singen, und die Sorge um die Peſt, welche damals die Kaiſerſtadt in Schrecken ſetzte, allabendlich bei leichtſinnigem Gläſerklang erſäufte. So hatte Herr Auguſtin wieder einen Abend mit guten oder ſchlim⸗ men Freunden verjubelt, und als die Mitternacht kam und der Wirth ans Nachhauſegehen mahnte, da ſollte er die Zeche bezahlen, und— ſein Beutel war ſo gut wie leer. Er langte den letzten Heller hervor, und auf des Wir⸗ thes Murren und Schnauben blieb ihm nichts übrig, als ſeinen Rock dem⸗ ſelben zum Pfande zu laſſen. Es iſt ja Nacht! dachte der Muſikant, und zu Hauſe hatte er noch einen. So machte er ſich mit ſchwankenden Schritten auf den Weg, mit dem Stock fühlend und taſtend und die Geige, ſeine treue Begleiterin, feſt unter den Arm drückend. Aber die Nacht war rabenſchwarz, ein kalter Wind ging, und es regnete wie auf den Hund. Was Wunder, daß unſer Orpheus des Weges fehlte, und daß, ehe noch eine Viertelſtunde verging, der Stock verloren und der Hut ihm vom Kopfe geblaſen war. Was kümmerte ihn das aber in ſeiner roſigen Laune? Hatte er doch ſeine Geige noch, und mit dem Bogen fuhr er durch die Finſterniß, als ſchlüge er Takt zu der Windesmuſik, die durch die Gaſſen fegte. Aber das Schlimmſte ſollte noch kommen. In der Dunkelheit war der arme Auguſtin, der wie ein Odyſſeus ſein Ithaka ſuchte, auf Abwege gerathen und der Rieſengrube nahe gekommen, in der Wiens Gaſſenſchmutz dermalen ſeine Ruheſtätte zu finden pflegte. Arglos nähert ſich der joviale Sänger in emſigem Zickzackſchritte dieſem ſchauderhaften Abgrunde, kein erleuchtender Strahl fällt durchs düſtere Gewölk auf ſeinen Irrpfad, er taumelt heiteren Sinnes über den Rand und— ſtürzt in die Tiefe! Ein Herz von Stein müßte man haben, wenn man den armen Muſtkanten, ob er gleich dem Weine mehr ergeben war, als von einem rechtſchaffenen Manne verantwortet werden kann, ob ſeines Mißgeſchickes nicht aufrichtig bemitleidete. Aber Herr Auguſtin hatte in ſeiner Noth weder Zeit noch Luſt, den Kopf hängen zu laſſen. Nachdem er die tröſtliche Entdeckung gemacht, daß der Wiener Gaſſenſchmutz weich und daß die Zahl ſeiner Gebeine noch richtig und keines zerbrochen ſei, ſuchte er einen Ausweg, aber vergebens. Der Abhang war allzu ſteil, und jeder Schritt, den er mühſelig zu machen ſuchte, brachte ihn immer tiefer in die unſaubere Troſtloſigkeit; keine Menſchenſeele war in der Nähe, und ſo blieb ihm nichts übrig, als Geduld, das edle Kraut, von dem ſonſt die Muſikanten nicht eben viel wiſſen wollen. Aber eine Beruhigung hatte er doch: ſeine Geige
B
——
riefe und Sendungen ſind zu richten an die R
edaction des
war gerettet, und wenn Herr Auguſtin nur ſeine Geige hatte, ſo meinte er alles zu haben. Da überkam ihn ſeine Künſtlerlaune; bis an den Leib im Sumpfe ſteckend, ſtimmte er die Saiten, als ſollte er im hellen Ballſaal zum Tanze aufſpielen. Er ſetzte den Bogen an, er präludirte und auf einmal ſang er und ſpielte dazu, ſein eigenes Mißgeſchick luſtig parodirend:
O du lieber Auguſtin, Auguſtin, Auguſtin,
O du lieber Auguſtin, alles iſt weg.
Stock iſt weg, Rock iſt weg,
Auguſtin liegt im Dreck.
O du lieber Auguſtin, alles iſt weg! Und ſein Spiel, ſein Sang führte zur Rettung. Der Tag wollte faſt an⸗ brechen, und einige früh Vorübergehende hörten die wunderliche Melodie, die aus dem Orkus emporſtieg. Sie blieben lauſchend ſtehen, kamen näher und entdeckten endlich den wohlbekannten Bruder Auguſtin, der nun ſammt Geige und Bogen mit Stricken und Stangen zu Tage gefördert wurde. Hoffentlich hat der leichtſinnige Spielmann aus dieſem Erlebniß ſich eine Nutzanwendung gemacht und ſie bis an ſein Lebensende nicht wieder vergeſſen. Wer aber jenes Lied pfeift, der gedenke des Wiener Componiſten und hüte ſich vor dem Glaſe und vor dem Sumpfe! O.
Die Pflege der Eriken. Nachtrag zu dem Artikel in Nr. 5: Durch die Heide.
Daß die Pflege der Eriken nicht ſo ganz leicht iſt, wird manche Freundin hübſcher Topfblumen zu ihrem Leidweſen vielleicht ſchon aus eigner Er⸗ fahrung wiſſen. Sie kaufte eines jener üppig blühenden Sträuchlein, ſtellte es im Zimmer am geeignetſten Orte auf, ſchützte es ſorgſam vor dem verderblichen Strahl der Mittagsſonne, gab ihm auch öfters durch Oeffnen der Fenſter friſche Luft und doch ſtarb das kleine eigenſinnige Ding ſchon nach wenig Wochen ab, ohne daß eine Urſache zu bemerken geweſen wäre. Nicht ſelten führt das Waſſer, welches zum Begießen verwendet wird, den Tod der Eriken herbei. Sie wollen durchaus keinen Kalk leiden und die meiſten unſerer Brunnen enthalten ſogenanntes hartes Waſſer, d. h. ſolches, das kohl ſauern oder ſchwefelſauern Kalk(Gyps) aufgelöſt enthält. Waſſer, das beim Kochen Topfſtein abſetzt, das beim Verdunſten im Glaſe einen weißlichen Ueberzug zurückläßt, iſt für Heidekräuter untauglich.
Es gibt nicht zu viele Gärtner, welche die Zucht der Eriken mit Erfolg zu betreiben verſtehen. Schon die Miſchung der Topferde erfordert viel Vorſicht. Die ſchlechthin ſogenannte Heideerde, wie man ſie im Walde findet, iſt nicht ohne Weiteres dazu geeignet. Es währt nicht lange, ſo ſetzt ſie ſich feſter zuſammen, als den Wurzeln der eingepflanzten Eriken b
— 6 ehagt, und letztere beginnen zu kränkeln.
e Es muß der Erde ein guter Theil feiner Sand beigemiſcht werden. Durch Schlämmen entfernt man aus dem Sande vorher den Thon, der das Verhärten der Erde bewirkt. Dann miſcht der Gärtner noch etwa ein Viertheil faſerige, lockere Moorerde dazu außerdem einige zerſtoßene Holzkohlen und Feuerſteinſtückchen. Während des Winters müſſen die Eriken an einem möglichſt hellen, trockenen Orte aufgeſtellt werden und dürfen höchſtens 1 bis 5 Gr. R. Wärme erhalten Bei Thauwetter öffnet man Mittags die Fenſter und gib Im Auguſt und September ſetzt man ſie um und vermehrt ſie dann durch Stecklinge, Ableger und Samen. Herm. Wagner.
„Daheim“ in Leipzig, Poſtſtr. Nr. 2. 1
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig Leipzig.
Verlag der Daheim⸗-Expedition von Velhagen* Klaſing in Gielefeld und Berlin.— Druck von Fiſcher& Wittig in
Leipzig.
t ihnen friſche Luft.


