zu feiern, der mit ſchwerer Zunge noch eine Flaſche mouſſirenden Rheinwein beſtellte. Um den Fremden bekümmerte ſich niemand.
Dieſer aß das ihm vorgeſetzte Beefſteak, trank ſeine Flaſche Wein dazu und wartete es ruhig ab, bis ihm der Kellner das Frem⸗ denbuch brachte. In daſſelbe ſchrieb er ſich ein als W. Hallinger, Particulier aus Breslau und blätterte dann die Seiten nach den dort eingetragenen Nameu durch.
Ganz zuletzt— dicht über ſeinem eigenen Autograph— ſtan⸗ den ſeine Reiſegefährten eingetragen:„Comte Kornikoff und Frau, Privatier aus Petersburg— von Hannover nach Frankfurt.“
Der Kellner hatte dabei bemerkt Nr. 6 und 7.
„Wollen Sie morgen früh geweckt ſein?“ frug ihn der Portier, als er ſeine Flaſche beendet und ſeine Cigarre ausgeraucht hatte, und eben im Begriff ſtand, zu Bett zu gehen.
„Wann geht der erſte Zug?“
„Wohin?“
„Nach Mainz oder Wiesbaden.“
„Sechs Uhr.“
„Gehen da noch mehrere Paſſagiere ab?“
„Jawohl,“ erwiederte der Portier, auf die für den Hausknecht beſtimmte Tafel zeigend—„Nr. 5, Nr. 17 und Nr. 37 laſſen ſich wecken. Soll ich Sie ebenfalls notiren?“
„Ach, ich weiß nicht; ich bin müde heut Abend. wohl erſt mit dem zweiten Zug fahren.“
„Sehr wohl, mein Herr— Kellner, Licht auf Nr. 8. nehme Ruhe.“
Der Fremde ſtieg auf ſein Zimmer hinauf und ſah vor Nr. 7 ein Paar Herrenſtiefeln und ein Paar lederne Damenſchuhe ſtehen. Im Hotel ſchlief aber ſchon alles; es war ſpät geworden, da ſich der Zug überhaupt verſpätet hatte und der„Particulier Hallinger“ ſuchte ebenfalls ſein Lager.
Ich werde
Ange⸗
II. Der Bundesgenoſſe.
Am nächſten Morgen war der Fremde, der ſich in dem Frem⸗ denbuche als Particulier Hallinger eingeſchrieben hatte, trotzdem daß er nicht geweckt wurde, ziemlich früh wieder munter, aber es ſchlug acht Uhr, und die Stiefel und die Damenſchuhe ſtanden noch immer vor Nr. 7, ohne hereingeholt zu ſein. Erſt gegen neun Uhr ſchienen die Inſaſſen jenes Zimmers ordentlich munter zu werden, und um halb zehn Uhr wurde Kaffee beſtellt. Aber erſt gegen zwölf Uhr ging der Herr aus, und zwar allein— die Dame blieb auf ihrem Zimmer. Wie der Kellner ausſagte, fühlte ſich die Dame nicht ganz wohl, und wollte heute ausruhen— er hatte wenigſtens nicht in das Zimmer gedurft, und das Stubenmädchen mußte den Kaffee hinein tragen. Wahrſcheinlich lag ſie noch im Bette.
So verging der Tag. Der Fremde ging ebenfalls nicht aus, ſondern ſchrieb auf ſeinem Zimmer, ſchickte aber nur einen Brief an Messrs. Burton& Burton, London, 12 Fleetstreet durch den Haus⸗ knecht auf die Poſt. Thatſache war übrigens, daß er ſich ungemein für ſeine Nachbarſchaft zu intereſſiren ſchien, denn als der Herr wieder nach Hauſe kam, rückte er ſich leiſe einen Stuhl an die ver⸗ ſchloſſene Verbindungsthür und horchte Stunden lang und mit einer merkwürdigen Ausdauer dem da drüben gehaltenen Geſpräch, jedoch ohne beſonderen Nutzen. Die laut geſprochenen Worte waren voll⸗ ſtändig gleichgültiger Natur, und das andere konnte er eben nicht verſtehen.
Zu Mittag aß er an der Table d'höte, aber von Nr. ſechs oder ſieben ließ ſich niemand dabei blicken. Die Dame ſchien ſich noch ange⸗ griffen von der Reiſe zu fühlen und beide ſpeiſten auf ihrem Zimmer.
Erſt Nachmittags begegnete er dem„Grafen Kornikoff“ auf der Treppe und dieſer ſah ihn etwas überraſcht durch ſeine blaue Brille an. Der Fremde heuchelte aber vollſtändige Gleichgültigkeit, nahm nicht die geringſte Notiz von ihm, und that wenigſtens ſo, als ob er ihn gar nicht wieder erkenne.
So verging der Tag, ohne daß die beiden Reiſenden Miene ge⸗ macht hätten, Frankfurt wieder zu verlaſſen. Der Oberkellner, mit dem ſich Herr Hallinger über die„bildſchöne junge Frau“ unterhielt, wußte wenigſtens nicht das Geringſte davon. Abends aber, als der Schnellzug von Hannover erwartet wurde, ging Hallinger hinaus auf den Bahnhof, und brauchte, als der Zug endlich einlief, auch
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nicht lange nach dem Erwarteten zu ſuchen. Dieſer hatte ihn ſchon von ſeinem Coupé aus bemerkt und kam raſch auf ihn zu.
„Hamilton! nun, was Neues?“
„Ich glaube, ich bin auf der richtigen Spur, Mr. Burton,“ ſagte dieſer, indem er achtungsvoll ſeinen Hut berührte.„Aber wo iſt Ihr Gepäck?“
„Nichts als die Reiſetaſche hier.“
„Deſto beſſer; auf der Jagd darf man nicht unnöthigen Plunder mitſchleppen. Kommen Sie, ich habe ſchon eine Droſchke.“
„Gehen wir nicht lieber zu Fuß?“
„Es iſt zu weit und— fahren iſt ſicherer.“
„Und was haben Sie nun entdeckt?“ frug der junge Eng⸗ länder, als beide eingeſtiegen waren und davon raſſelten— die Un⸗ terhaltung wurde auch in engliſcher Sprache geführt.
„Das will ich Ihnen mit kurzen Worten ſagen,“ berichtete der fälſchlich als deutſcher Particulier eingetragene Fremde.„Durch einen reinen Zufall war ich genöthigt, ein Paar Stationen in einem Packwagen zu fahren, und fand dort einen Koffer, deſſen Meſſing⸗ ſchild den Namen„Comte Kornikoff“ trug.“
„Und Sie glauben, daß jener Schuft Kornik dahinter ſtecke?“
„Durch den Namen allein wäre ich vielleicht nicht einmal darauf gefallen,“ fuhr Hamilton fort,„aber das franzöſiſche Wort Comte war jedenfalls ſpäter zu dem Namen gravirt, denn es nahm nicht den Raum ein, den ihm der Graveur gegeben hätte, wenn er es von Anfang an darauf geſetzt. Ebenſo ſchien das off hinzugefügt.“
„Und die Beſchreibung des Eigenthümers paßt?“ rief Mr. Burton raſch.
„Ja und nein. Wohl in der Geſtalt, aber ſonſt nicht ganz; der dunkelblonde Backenbart fehlt.“
„Der kann abraſirt ſein.“
„Das iſt möglich aber er trägt einen vollkommen ſchwarzen Schnurrbart und eine blaue Brille.“
„Der Schnurrbart iſt vielleicht gefärbt.“
„Das vermuthe ich ſelber.— Die Dame iſt bei ihm.“
„Miſſ Fallow?“
„Unter dem Namen der Gräfin Kornikoff natürlich,— wenn das nämlich der von uns Geſuchte iſt. Sie kennen ihn doch genau?“
„Als ob er mein leiblicher Bruder wäre. Er war ja ſieben Jahre in meines Vaters Haus und die beiden letzten als Hauptcaſ⸗ ſirer, wo er ſich wer weiß durch was, verleiten ließ, dieſen bedeu⸗ tenden Kaſſendiebſtahl zu begehen.“
„Wahrſcheinlich durch eben dieſe junge Dame,“ ſagte Hamilton, „von der ich ganz allerliebſte Sachen gehört habe. Ihr eigentlicher Name iſt Lucy Fallow, Tochter eines Schneidermeiſters in London, aber die Eltern ſind beide todt. Es ſollen ganz ordentliche Leute geweſen ſein. Das junge Mädchen hatte, ihres anſtändigen Beneh⸗ mens wegen und da ſie wirklich nicht ungebildet iſt, ein Paar Jahr mit einer vornehmen Familie reiſen können, und dann ſpäter auch noch hie und da Unterricht in Muſik gegeben. Dadurch kam ſie auch in Lady Clives Haus, von wo aus ſie jetzt beſchuldigt wird, einen ſehr werthvollen Schmuck entwendet zu haben.“
„Der ſich dann vielleicht in ihrem Koffer findet.“
„ Beinah hätte ich dieſe beiden Koffer erwiſcht,“ lächelte Hamil⸗ ton leiſe vor ſich hin,„aber ich durfte kein Aufſehen erregen, bis ich nicht durch Sie hier Gewißheit über die Perſönlichkeit erlangen konnte. Die Dame kennen Sie nicht ſelber?“
„Nein— ich habe ſie nie geſehen.“
„Und von einem Grafen Kornikoff in Hannover auch nichts gehört?“ .„Nicht das Geringſte. Kein Menſch wußte dort etwas von dhos. na er ſtand nicht einmal in einem Fremdenblatt. Er kann nur durchgereiſt ſein, und Sie werden gewiß die richtige Spur ge⸗ funden haben. Uebrigens müſſen wir vorher die nöthigen Schritte auf der Polizei thun.“ Berheftoden i nas dthyhm 4 bend Aailhe aüe den 5.. das Pärchen ſchon in der Taſche, und den Burſchen mit ſeiner Donna feſt, ſowie Sie mir nur beſtätigen können, daß er der Rechte iſt.“ ei endn an ewesſen Weeeh an Wunſch Apra 9 8 ie Spur kämen. Es geht alles nach h. Apropos, haben Sie denn die Dame auch zu ſehn bekommen?“ „Ich bin ja mit ihnen in einem Coupé gefahren,“ lachte
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