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ſeinen Hut und ſingt mit dem Vogel um die Wette das Lied vom „Blümlein auf der Heide.“
Er wandert Stunden um Stunden,— ringsum bleibt die Land⸗ ſchaft dieſelbe; immer derſelbe enge Horizont, der kleine Kreis, aus deſſen Mitte er ſcheinbar nicht herauskommt. Immer dieſelben Tauſende blühender Heidebüſchchen, von denen eins gerade ſo aus⸗ ſieht wie das andere.— Die Sonne ſt Handbreit Schatten zu finden. Die wenigen Kiefern und Birken, die je einzeln über die Fläche zerſtreut ſind, haben zu niederen, dürf⸗ tigen Wuchs, viel zu weitläufig ſtehendes Laub, als daß ſie eine Er⸗ quickung gewähren könnten. Es wird Mittag. Die Sonnenſtrah⸗ len werden blendend vom weißen Sande zurückgeworfen. Der Ho⸗ niggeruch der Heide wird ſtärker und ſtärker. Die Umgebung bleibt immer dieſelbe. So geht es den ganzen Tag lang fort bis zum ſpäten Abend; bis die ſinkende Sonne die ganze Fläche noch einmal mit dunklem Purpur übergießt.
Ringsum einförmige Oede und Stille. Nur ſummende Bie⸗ nen, einige Sandkäfer und hie und da ein unanſehnlicher kleiner Schmetterling oder ein piepender Vogel, der, von dem Fußtritt des Wanderers aufgeſcheucht, emporſteigt, um raſch danach wieder zwi⸗ ſchen den kleinen Büſchen zu verſchwinden.
Die Heide iſt ein Ocean voll der lieblichſten Blumen, aber ſie hat nicht das Großartige des Weltmeeres. Sie entzückt nicht,—
ſie ermüdet in hohem Grade. Der Menſch bedarf des Wechſels! Die ſchönſte Form kann peinigend werden, wenn ſie immer und immer wieder ſich ausſchließlich darſtellt.
Von andern Pflanzen treten zwiſchen den Heideſträuchern nur wenige auf: eine unanſehnliche Flachsſeide umſpinnt wohl einmal mit dünnen fleiſchfarbigen Fäden und winzigen Blumenköpfen einige Heidebüſche, hie und da kommen einige hellblaue Jaſionen, auch wohl einige gelbe oder weißliche Immortellen zum Vorſchein; ein Büſchel brauner Flechten im Sande, ein verſchrumpfter Moosraſen oder einige Hälmchen dünnblättrigen Graſes. Sie vermögen aber kaum die Einförmigkeit zu unterbrechen. Am meiſten Abwechslung ge⸗ währt noch der Pflanzenwuchs, wenn in einer Senkung des Bodens durch die Feuchtigkeit, welche ſich dort ſammelte, Moor- und Torf⸗ bildung auftritt. Dort findet ſich dann auch ſtellenweiſe die zweite Form unſers Heidekrautes, die großblumige, noch ſchönere Moorheide(Erica Tetralix), neben ihr auch wohl Moosbeeren und hübſche Enzianen.
Die Heide iſt reich an Blumen und Honig und der Landmann ſchafft gern ſeine Bienenſtöcke dorthin, um ihnen reiche Nahrung zu gewähren. An andern nährenden Stoffen dagegen iſt ſie ſo arm wie der loſe Sandboden, dem ſie entſprießt. Das Thierleben, das ſich an ſie anklammert, iſt ſpärlich, dem Menſchen bietet ſie wenig. Die Heidſchnucken der Lüneburger Ebene bilden bei ihrer exemplari⸗ ſchen Genügſamkeit eine Ausnahme, die nicht im Stande iſt, den Ge⸗ ſammteindruck weſentlich zu ſchwächen. Die menſchlichen Bewohner der Heide, von ihrem Boden ſtiefmütterlich genährt, können haufig auch nux durch die möglichſte Anſpruchloſigkeit ihr Daſein friſten.
Da die Entfernung von hier bis an die Schanzen um den Wenningbund herum zu beträchtlich war, um heute noch zu Fuß und ſchon ermüdet das Schlachtfeld und am Abend wieder unſer Quartier zu erreichen, ſo mußten wir leider dieſes Unternehmen auf⸗ geben und ſo machten wir uns auf den Weg zu dem eine halbe Stunde weiter gelegenen Obſervatorium. Unterwegs von der Höhe herab ſpreugte der Kronprinz mit ſeinem Gefolge im Galopp uns entgegen, und rief uns zu:„Alle Schanzen genommen, jetzt geht’'s nach Sonder⸗ burg!“ was wir unſrerſeits mit freudigem Hurrah, die Mützen ſchwenkend, erwiderten. So ſtob die haſtige Schar bei uns vorüber; wir aber beſtiegen den genannten Punkt, wo ich meinen Berliner Freund K. fand, und durch ihn die Bekanntſchaft des trefflichen alten Artillerie⸗Obriſten Neumann, des eigentlichen Begründers unſres gezogenen Geſchütz⸗Syſtems, machte. Nach kurzer Raſt ſtiegen wir hinab zur Gammelmarker Batterie, die noch unausgeſetzt thätig war.
teigt höher, nirgends iſt eine
Armuth des Bodens und Armuth der Pflanzenwelt, welche er zu tragen vermag, erzeugen Armuth des Menſchen! Muß auch das Heidekraut zum Einſtreuen in Viehſtälle dienen, werden auch aus ſeinen Zweigen Beſen gebunden, es iſt bis jetzt noch keinem geglückt, einen Induſtriezweig von Bedeutung auf die weitverbreitete Pflanze zu gründen. Sie wird wohl gelegentlich zum Viehfutter und ver⸗ ſuchsweiſe auch zum Gerben benutzt, reicht aber in keinem Falle allein aus. Das Bier, welches nach einer iriſchen Sage die Elfen von den Dänen aus Heide brauen lernten, möchte ſchwerlich jetzt noch Beifall finden. Aus der Heide iſt eben nichts Nützliches weiter zu machen, ſie iſt eben nur ſchön! 1 3
Die Heideſchenke, welche Abends den müden Wanderer auf⸗ nimmt, bietet ihm nur wenig Erquickung. Geht ſein Marſch am nächſten Tage, am folgenden und abermals am folgenden wiederum über die ſchattenloſe Heide,— immer durch den ermüdenden, weichen, blendendweißen Sand, ſo findet er ſchließlich die reizenden Blumen entſetzlich. Geiſt und Körper ſind gleichzeitig ermüdet..
Selbſt die Sage, die ſich doch ſo gern an die hervorſtechenden Pflanzengeſtalten unſerer Heimat anklammert, hat in der Heide nur dürftige Nahrung erhalten und die wenigen Züge, die ſie erfaßte, überſehen völlig das Liebliche des Blümchens. Es ſind aus ihnen nur geſpenſtiſch düſtere Bilder geformt.
Dort, wo das Schlangenmoos zwiſchen den Heidebüſchchen kreisrunde Plätze ausſchließlich bedeckt, halten bei nächtlicher Weile die Hexen ihre Tänze. An einer ſolchen Stelle erſchienen die Zau⸗ berſchweſtern dem Macbeth und Banco; dort treiben im Zwielicht oder bei Mondſchein die Heidegeſpenſter ihr unheimliches Weſen.
Ueber die öſtlichen Heiden trabt noch ab und zu ein Rudel Wölfe und wittert nach Beute. Da iſt ſelten ein Baum, auf den der Wanderer ſich retten,— ſelten eine Hütte, in die er flüchten könnte. In manchen Gegenden iſt's noch gebräuchlich, einen Strauß blühende Heide auf einen Baumaſt zu binden. Es ſoll eine Gabe ſein für die Elſter, die durch ihr lautes Geſchrei das Nahen des Wolfes anzeigt.
Nichts iſt leichter, als bei nebeligem Wetter auf der Heide ſich
zu verirren. Kein Hügel, kein Felſen oder ſonſt ein hervorſtechender Gegenſtand bietet ein Wegmal. Macht es der Wolkenſchleier un⸗ möglich nach den Geſtirnen des Himmels die Richtung zu beſtim⸗ men, ſo kann der Unkundige möglicherweiſe einen Kreislauf aus⸗ führen und nach ſtundenlangem Marſchieren wieder auf derſelben Stelle anlangen, von welcher er ausging. Selbſt das Echo ſchweigt auf der Heide. Der Schall erſtirbt bald, der Ruf wird raſch von der weichbewachſenen Fläche verſchluckt. Die Blumenſprache der Alten faßt ganz richtig dieſen Geſammtcharakter der Heide auf, indem ſie ſagte: „Wer heide ihm selber treit, mit laube und mit plüten, der zeugt dass er sin gemüde zur ungesellschaft habe, wann heide steht gerne inne der wilde, und hait ire wonnung nit gerne bei anderm Krude.“ 3
Lin Maler auf dem Kriegsfelde. Von W. Camphauſen.
(Fortſetzung.)
Ihr braver Commandant und Hauptmann Schmelzer empfing uns nebſt einigen andern Offizieren mit größter Artigkeit. Als ich meinen Wunſch, eine Skizze der Batterie im Feuer aufzunehmen, ausſprach, mußten ſofort eine Anzahl unthätiger Leute vom 3. Jäger⸗ bataillon, trotz alles Deprecirens meinerſeits, mir aus Schanzkörben Brettern ꝛc. einen improviſirten Sitz bauen, der zuletzt zu einer ganz bedenklichen Höhe geſtiegen, alle andern Vortheile, nur nicht den des Praktiſchen für meinen beſcheidenen Zweck erreichte. Dazu wurde noch aus irgend einer grade vorräthigen Plankenwand auf andern Schanzkörben eine Art Sonnenſchirm errichtet, der aber, frei in der Luſt ſtehend, von in Reren Leuten in ſeiner ſchwebenden Lage erhal⸗ en werden mußte. Ich beſtieg dann, mehr verbindli Trefflichkeit meines neuen Atelbers derzaunt mun dun ncr unter dem übergehaltnen großen Schir d dis die vene inee bse
großen Schirm, nicht ohne Beſorgniß, ein
tückiſcher Windſtoß könne mich plötzlich, wie die Maus in der Falle,
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erſch aber ſtänd


