ſchauerkreis mit donnerndem Hurrah gewaltigen Kartätſchſalven vom gröb⸗ ſten Kaliber, mit denen er unſre Co⸗ lonnen zu bewerfen ſtrebt, un— ſchädlich und meiſt zu kurz gehend in das Waſſer vor dem Ufer ein⸗ ſchlagen. Nach Berichten ſoll er faſt gar keinen Schaden gethan und nur ein Paar Mann bleſſirt haben. Etwa vierzig Minuten hat ſo dieſer intereſſante Geſchützkampf gedauert— krach!— da fährt ihm eine unſrer Gammelmarker ſo recht ſichtbar auf den Leib, da wo Verdeck und Dreh⸗ thurm ſich berühren!(Bekanntlich ging dieſer Treffer durchs Deck, ſetzte den einen Thurm außer Thätigkeit und tödtete und bleſſirte im ſcheint ihm denn doch außer Spaß;
gibt er darnach noch ab und zieht dann, pen gepeinigter Bulle, verdrießlich brummend und höchſt miß⸗
Sin Sonntagsmorgen an Bord Sr. NMaj
Innern
begrüßt
neun nur wenig
wie ein von
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Mann!) Das grimmige Schüſſe
es⸗
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ab von ſeiner Rhinozeroshaut, nichtsdeſtoweniger von unſerm Zu- vergnügt über
ſein ſchlechtes Geſchäft, langſam ab und dampft
„ebenſo, wenn ſeine aus der Schußweite.
Ein anderes großes feindliches Kriegsfahrzeug hatte natürlich gar nicht gewagt, heranzukommen und blieb müßiger Zuſchauer aus weiter Ferne. So endete das vielgefürchtete Eingreifen der pomphaft gerühmten däniſchen Seemacht, die den Wirths⸗ hauspolitikern des geſammten Deutſch⸗ lands ſo viel Kopfbrechens verurſacht hat.— Vor einem einzigen Treffer aus unſern gezogenen Kanonen ver— ſtummt der ganze Spektakel!
Für uns endete damit, wie geſagt, das ſichtbare Schauſpiel des glorrei— chen 18. April; jenſeits der Schan⸗
zen aber, nach Alſen zu, verrieth fortdauernd rollende Kleingewehrfeuer, wie einzelne Kano⸗ nenſchüſſe, den blutigen Fortgang des Kampfes, der mit der Beſetzung des dieſſeitigen Brückenkopfs vor Sonderburg gegen Dun⸗ kelwerden allmälig verſtummte.(Fortſetzung folgt.)
„Fregatte Chetis auf dem indiſchen Ocean.
Von einem Officier der Beſatzung.
Eine bange Nacht lag hinter uns. Eine Orkanbö der heftig⸗ ſten Art, wie ſie auf der Grenze der Tropen urplötzlich aus heiterem Himmel darniederfährt und den Ocean peitſcht, daß er brauſend und
ziſchend ſich gegen den Peiniger aufbäumt, hatte gatte mit Blitzesſchnelle durch die empörten Fluthen gejagt.
unſere ſchöne Fre⸗
Die
kräftigen Maſten bogen ſich wie ſchwankes Rohr unter der Gewalt des Sturmes, die Nacht lag ſchwarz und ſchwer auf den Waſſern und die in unheimlicher Glut ſchäumenden Wogen brachen ſich mit donnerndem Getöſe an den Wänden des Schiffes, daß es in den
innerſten Fugen erzitterte.
Was vermag die ſchwache Kraft und Kunſt Demüthig beugt er ſein Haupt
gegen ſolche Wuth der Elemente?
und harrt ſchweigend, was Gottes Hand über ihn verhängt. Zwei Stunden lang war das Schiff der Spielball der ſich bekämpfenden Naturkräfte, dann ließ der
Sie ſchwebte gnädig über uns.
Orkan plötzlich nach. ſchauten hernieder; immer
des Menſchen
Die finſtern Wolken zerriſſen, die Sterne ſchwächer wurde der Wind, die aufgeregte
See brach hohl und kraftlos in ſich zuſammen und die unheimliche
Bö verſchwand, wie ſie gekommen.
Jetzt, kurz vor Tagesanbruch, verrieth nichts mehr die Schrecken der Nacht. Tiefe Ruhe lagerte auf dem Meere, der leiſe Hauch des beginnenden Paſſatwindes vermochte kaum die Oberfläche des Waſſers zu kräuſeln, die Sterne ſpiegelten ihr Bild darin und die Sichel des Mondes zeichnete einen goldglänzenden Pfad auf den beſchwichtigten
Wogen.
Ermattet vom Kampfe ſchlummerte der Ocean; ſein Rieſenleib pulſirte kaum merkbar und die Wellen hoben und ſenkten ſich lang⸗ ſam und geräuſchlos, wie die Bruſt eines ſanft Schlafenden.
und gleichmäßig ſchaukelte ſich die Fregatte auf ihnen. nerte mehr an die Gefahr, in der ſie vor kurzem geſchwebt.
Leiſe
Nichts erin⸗ Sämmt⸗
liche Segel waren an den Raaen entfaltet, um den ſchwachen Wind aufzufangen, der jedoch noch nicht die Kraft hatte, ſie zu füllen, und tiefe Ruhe herrſchte im ganzen Schiff. Die Freiwache wiegte ſich in ihren Hängematten im Zwiſchendeck und die Wache lagerte auf
dem Deck, um ſich für die geſtörte Nachtruhe auf der Mit
entſchädigen.
telwache zu
Glückliches, ſorgloſes Volk! Mit dem Weichen der Gefahr iſt ‚daß ſie wiederkehren könne, und das harte Lager dünkt den geſunden kräftigen Naturen ein wei⸗ cher Flaum, auf dem ſie von der Heimath träumen.
Der Officier der Wache ſchreitet einſam auf dem Hinterdeck auf und ab. Mechaniſch wirft er bei jeder Rückkehr zum Steuerrade einen Blick auf den Compaß oder auch auf die Segelfläche nach oben;
ſie auch vergeſſen; niemand denkt daran
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doch beides erfordert bei dem ſchönen Wetter keine wirkliche Aufmerk⸗ ſamkeit und ſeine Gedanken ſchweifen in weite Ferne, zur Heimath,
en hat, um ſie lange, lange nicht
zu alle den Lieben, die er verlaſſ wiederzuſehen.
Der Klang der Schiffsglocke weckt ihn aus ſeinen Träumen. Es ſchlägt„drei Glas“— halb ſechs,— das„Alles wohl“ der Poſten tönt von den Krahnbalken, von der Rettungsboje und aus den Marſen und unterbricht die Ruhe der Nacht. Es iſt Zeit zum Deckwaſchen, und die Pflichten des Dienſtes mahnen den Officier, ſeinen Gedanken eine andere Richtung zu geben. Sonſt beginnt dieſe tägliche Arbeit ſchon eine Stunde früher, aber heute iſt Sonn⸗ tag. Die ſonnabendliche Reinigung wird ſo gründlich betrieben, daß ſie jeden Nichtſeemann zur Verzweiflung bringt; dafür beanſprucht aber auch die ſonntägliche um ſo weniger Zeit.
Der Officier ruft nach den wachehabenden Kadetten, aber ver⸗ gebens. Jugend will ihr Recht haben und der Schlaf auf See iſt gar zu ſüß. Lange hat das Pflichtgefühl der Knaben gegen die For⸗ derung der Natur gekämpft, aber die ſchweren Augenlider ſind im Gehen zugefallen und ein Bund Tauwerk im Schatten des Groß⸗ maſtes dient als Schlummerkiſſen für das ermüdete Haupt.
Endlich erweckt ſie der Ruf und ſie eilen beſtürzt zu dem Vor⸗ geſetzten. Doch dieſer iſt milde geſtimmt, er gedenkt der eigenen Jugend und zürnt ihnen nicht. Es iſt ja Sonntag; der erſte Offi⸗ cier iſt noch nicht auf dem Deck erſchienen und da darf er wohl nach⸗ ſichtig ſein. Er ertheilt nur den Befehl zum Deckwaſchen und die Kadetten fliegen nach Mittſchiffs, um die Ordre dem dort befindlichen Bootsmannsmaat zu überbringen.
Dem Aermſten kommt das Commando ſehr ungelegen. eben hat ihm ſein Freund, der Koch, eine heimliche Taſſe Kaffee ge⸗ ſandt, deren Stammbaum in der Officiersmeſſe wurzelt und die mit geſpartem Zucker geſüßt iſt. Leider iſt ſie ſo heiß, daß ſie ſich noch nicht trinken läßt und nun muß auch gerade dieſe unglückliche Glocke„drei Glas“ ſchlagen. Wehmüthig reicht der Unterofficier den Labetrunk zurück, der ihm verloren geht, weil in dieſem Augen⸗ blicke der erſte Officier das Deck betritt. Mit einem ſehnſüchtigen Blicke hinter der entſchwindenden Taſſe ſetzt er die ſilberne Pfeife an den Mund, aber ihr ſchrillender Ton ſchließt heute nicht mit einem luſtigen Triller, ſondern mit einer kläglichen Diſſonanz.
„Alle Mann, klar zum Deckwaſchen!“ folgt in tiefen Baß⸗ tönen dem Signal und ſchreckt die Schläfer auf. Das bis dahin ſo öde Deck belebt ſich wie mit einem Zauberſchlage; aus allen heimlichen Ecken und Lauſchplätzchen, unter den Booten und aus den Hänge⸗ mattenkaſten tauchen Geſtalten auf; die Pumpen raſſeln, die Eimer
So
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