Jahrgang 
1865
Seite
44
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8 4 S 46†s ſ. ſie ſt fei d fürchten de V Nun, in der Stadt hält's ſchwer, ſie ſind feig und fürchten den.

Sicherheit verlangen, und iſt um ſo beſſer, daß Du noch nicht ganz

mündig biſt, ſagte der Müller;verfeinden kannſt Du Dich mit

Deiner Mutter und dem künftigen Stiefvater nicht wegen dem Geld,

zugereicht hätt's doch nicht, haſt um ſo nöthiger Dich tüchtig zu tum⸗

meln, daß Du Dein eigen Brod haſt; g'ſetzt den Fall, unſre Marie

käme einmal zu Dir ins Haus, ſo bringt ſie auch ſoviel mit, daß Du

ſie damit erhalten kannſt. Der Müller wollte nie die Verlobung

ſo recht ausdrücklich anerkennen, ein ſo lang dauerndes Verhältniß

woiderſprach nun einmal ſeinen ländlichen Anſtandsbegriffen; es ſchickte ſich nicht, ſo langeinander nachzulaufen.

Marie redete nicht viel darein, ihre Augen waren die beſten

Tröſter.Mutter, heute begleit' ich Georg bis zum Weidenbuſch,

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dicken Oberamtsarzt, wiewohl ich Dir ſage, der wird nicht alt, ſich an; der ſtirbt am Schlagfluß, dann würde Such Du vor der Haud V aus nach Grund⸗ 6

nur ſeinen kurzen Hals 1 Dich's ſchön reuen, daß Du nicht dageblieben. Su mehr Landpraxis; geh mir nur ein einzigmal hin 1 und lingen, da hab ich Dich kürzlich der Wirthin empfohlen und ſie mmeinte,. der Stadtarzt ſei ihr ſchon lang entleidet, auch glauben die Leute, der müſſe theurer ſein, weil er ſo viel eſſe und noch zwei ſtarke Gäule Wenn ein jüngerer und dünnerer Herr hinaus käme, ſo

erhalte. 5 würde er ge⸗

von ſelbſt, ohne daß man ihn beſonders rufen ließe, ſo er ge wiß Kundſchaft bekommen. Probir's einmal, ſpaziere hinaus, kanuſt gleich die Villa unterwegs betrachten, und kehr im Adler ein. Georg ging hinaus; es war ein herrlicher Morgen, duftig, 3

ſagte Marie ſehr beſtimmt, als ſich Georg am andern Morgen zur 1 1. 85 Abreiſe rüſtete. Sonſt hatte ſie ſchüchtern um Erlaubniß gebeten, thauig und friſch, ſo recht um fröhlichen Muth füiw den Tag anzu⸗ Wihn auch nur zwanzig Schritte weit zu begleiten. Als ſie aus dem regen, er empfand nichts davon. Er wollte ſich ſelbſt weiß 7 Geſicht der Mühle waren, gab er ihr ſeinen Arm; mit tiefgeſenktem machen, er gehe nur ſo hinaus für ſein Vergnügen, da er noch ſelten Haupt ging ſie ſtill und langſam an ſeiner Seite. dieſen Weg gemacht, und er wolle ſich die Villa beſehen, die unweit Nun, Marie, was haſt Du? warum ſo traurig? wir haben ja von Grundlingen neu hergeſtellt werden ſollte, er glaubte ſich S doch nicht und wurde den peinlichen Gedanken nicht los:Du gehſt

leider Gottes! oft genug ſchon Abſchied genommen!Du gehſ b b 8Ich weiß nicht, ſagte ſie und erhob ihre Augen zu ihm, die hinaus, um bei der Adlerwirthin von Grundlingen nach Kundſchaft 1 vooll Thränen ſtanden,es iſt mir, als ob das ein Abſchied wäre zum zu fiſchen..

1 aallerletztenmal, als ob wir uns gar, gar nicht mehr ſehen ſollten; ich Er ſah die neuhergeſtellte Villa etwa eine Viertelſtunde ab vom

4 habe auch heut Nacht ſo ſchwer geträumt..... 4 Weg, er ging nicht hinüber,deshalb biſt Du ja doch nicht da,

ſagte er ſich mit einer gewiſſen ſelbſtquäleriſchen Bosheit. Das Ge⸗

Ach, Kindskopf! ſagte er leicht hin; Marie redete nicht, ſie 1. ,, 7 4 88 4 6. 1 a:, RABoſitz einer fühlte, daß ſie hätte weinen müſſen.Nun, kein Wunder, fing bäude hatte früher das Schlößchen geheißen und war im Beſitz einer

,

Georg wieder an,wenn Du hernntergeſtimmt wirſt, es iſt freilich altadligen Familie geweſen. Der letzte des Geſchlechts, ein geiziger, eine miſerable Geſchichte, dieſes lange Herumziehen, und Dein Alter cyniſcher Hageſtolz, hatte es verfallen und verderben laſſen und war nun Dein Vater, brauchſt mir nicht ſo ängſtlich die Hand zu endlich darin geſtorben. Einer ſpaniſchen Gräfin von einer Sei⸗ 8 drücken, könnte wohl beſſer dazu helfen. Thäte bald Noth, ich tenlinie war nun das Schloß zugefallen, wie man ſagte; es war ein ſpränge jedem Kaffern, der ein bischen ein krummes Geſicht macht, Ba mmeiſter mit Arbeitsleuten gekommen, die das alte Fledermausneſt * mmit einem Arzneiglas nach und klopfte an die Thüren, ob kein von Grund aus reinigten, neu und glänzend herſtellten, obgleich noch G Kranker drin ſei, nur um Patienten zu gewinnen! Sei aber nur ganz ungewiß war, ob die neue Beſitzerin es je ſelbſt beziehen würde; 1 getroſt, Kind, gehts da nicht, ſo muß es wo anders gehen; gib Acht, ſeither hatten es die gebildeten Stadtbewohner die Villa getauft. V 4 ich komme doch noch in der Kutſche und hole Dich! Die landſchaftliche Umgebung des Schlößchens war nicht bedentend, b * Sie waren an dem Weidengebüſch angekommen, wo der Weg V aber es hob ſich anmuthig aus den alten hohen Bäumen, die es um⸗ 4 aauf die Landſtraße führte.Komm, bleib noch ein wenig! bat gaben, in den neueingefügten gothiſchen Fenſtern ſpiegelte ſich die Marie, und ſetzte ſich mit ihm auf die hölzerne Ruhbank, die bei den Morgenſonne, vom Eckthurm wehte eine Flagge.Nun ja, das iſt Buüſchen ſtand. Zum erſtenmal ſeit jenem Abende in der Penſion nun Einem im Schlaf zugefallen, dachte Georg in höchſt unberech⸗ G lehnte ſie ihr Köpfchen an ſeine Bruſt und ſah ihn voll an mit den tigtem Aerger, undich kann noch zehn Jahre umherſtiefeln um das treuen, klaren Augen, die ganz in Thränen ſtanden. tägliche Brod. 4Aber Kind, was haſt Du? fragte er, ſeltſam bewegt. Die Wirthin zu Grundlingen erkannte ihn, ſie hatte ihn ſchon .O nichts, ich möchte Dich nur noch einmal ſo recht anſehen; mit ſeinem Freund geſehen.Sie kommen ja wie gerufen, Herr lach mich nur nicht aus! Und recht tief und innig ſah ſie ihn an; Doktor, ſagte ſie freundlich, indem ſie ihm den verlangten Schoppen ihre Augen ſagten ſo viel mehr, als je ihre Lippen hatten ſagen einſchenkte,mein Karlchen liegt ſeit geſtern in Einer Hitze, ich weiß können. nicht, was an dem Buben iſt, und hätte gern ſchon einen Doktor* G 5 Georg theilte ihre bangen Ahnungen nicht, er hatte den Druck gefragt, aber wiſſen Sie, zu einem Doktor mit Kutſch und Pferden uud die Verſtimmung von all der letzten Zeit her noch nicht ganz ſchickt man nicht gern zwei Stunden weit wegen ſo einem Buben,* 1 überwinden können, ſo wußte er kaum, was er thun ſollte ſie zu nun ſtärfen Sie ſich nur und ſind dann ſo gut und ſehen Sie nach. 1 beruhigen, denn viel Zärtlichkeit, was man ſo nennt, mit Küſſen und V ihm; in der Küche haben ſie auch allerlei Anliegen, meine Bäbel 3 Umarmungen, hatte Marie nie geliebt, ſie mochte gern neben ihm und der Hausbub, wenn ſie doch ſchon da ſind, ſo ſchauen Sie nach⸗ 8 ſittzen, ihre Hand in der ſeinen ruhen laſſen, ihn herzlich aunſehen; wo her vielleicht auch nach ihnen. er ungeſtümer ward in ſeiner Zärtlichkeit, da ſchob ſie ihn leiſe zurück Das Karlchen lag ſehr betäubt und ei der junge Doktor 4 und bat ſo dringend, ſo demüthig: nicht ſo! nicht wahr? Du fühlte ihm den Puls, betrachtete die Zunge, ſchloß auf ein nahendes 8 V weißt ja doch, daß ich Dich lieb habe, daß er nicht widerſtehen Scharlachfieber und, da die Wirthin durchaus eineMixtur für Wconnte, und das einfache Kind aus der Mühle hatte ihn ſeither in das Büblein wollte, bat er um Feder und Papier, um zunächſtzein 1 NReeſſpekt gehalten wie eine Königin. ſchweißbeförderndes Mittel aufzuſchreiben. 8 Nun ſtand ſie auf;es wird ſpät, Du mußt gehen, behüt Dich Kaum war er fertig, als die Magd höchſt aufgeregt herein⸗ 3 Gott.Behüt dich Gott uund behait mich lieb Donren ſonſt ſtürzte:Frau, was fangen wir an! Der Dick' iſt drunten ang' 8 immer ihre Abſchirdeworle in den kurzen Briefchen, die ſie nur fahren, da der recht Doktor aus der Stadt, der unſern Herrn ſelig ſchrieb, wenn es beſondre Veranlaſſung gab; den Nachſatz ließ ſie kurirt hat, bis er g'ſtorben iſt, und jetzt iſt ein andrer da! was fangen diesmal weg; warum? Georg beſann ſich nicht darüber, aber ſpäter, wir aber an? er ſchnauft ſchon d' Stieg'rauf? Auch die Wirthin 1 lange nach dieſem Morgen, fiel es ihm wieder ein. ſchien in großer Verlegenheit;Herr Doktor, bat ſie eilig und ängſtlich,wenn Sie vielleicht nichts dagegen hätten, da . 3 neben hinein, iſt zwar nur unſer Nauchkämmerlein, aber Kurz nach ſeiner Rückkehr hatte Georg den Freund geſprochen, man wird nicht rußig darin, es könnte doch Verdruß geben der ihm den erfolgloſen Rath gegeben, ſich in Pulverdingen nieder⸗Danke, ich werde bleiben, ſagte Georg ſehr beſtimmt. Angeſteckt 1.* zulaſſen, und ihm erklärt, daß er keine Woche mehr in dem Neſt blei⸗ von der allgemeinen Haſt wäre er beinah einen Augenblick in Ber⸗ ben wolle. ſuchung gekommen, in das Rauchkämmerlein zu flüchten. Ei was, meinte der.Du biſt zu obenhinaus und zu vor⸗ Sehr vornehm, ſehr dick und ſehr ſchnaufend trat in dieſem naehm, das darf einmal ein Anfänger nicht ſein. Augenblick der gefürchtete Oberamtsarzt herein ich höre, Sie Vornehm, lachte Georg bitter,habe, weiß Gott, dieſen Phi⸗ haben einen Patienten; ah, ſagte er mit vornehmem Lächeln da liſtern nur zu viel den Hof gemacht! ſind der Herr Kollega! Bitte, will ja nicht ſtören, haben ja bereits 6