176
Kai
— Majeſtät, Sie haben das Unglaubliche bewirkt? rief Sidonie, tief aufathmend.
— Ja, es iſt mir gelungen, antwortete der Kaiſer mit freudeſtrahlendem Geſicht. Und es iſt jetzt an Ihnen, denjenigen Gebrauch von Ihrer Freiheit zu machen, der Ihnen gut dünkt. Doch habe ich auch noch Einiges für Walther gethan. Ganz zufällig hörte ich nämlich vor einigen Tagen, daß der Graf Werner von Bilſenburg ſein Gut zu verkaufen und ins Ausland zu ge⸗ hen beabſichtige. Ich kaufte es füͤr einen ziem⸗
¹lich geringen Preis, und da der Baron Eſchen⸗ urg als ſolcher wohl füglich ein Gut beſitzen muß, ſo erlaube ich mir, ihm dieſe Kauf⸗ Urkunde, die auf ſeinen Namen ausgeſtellt iſt und die ihn zum Herrn von Bilſenburg macht, zu überreichen, um ſo mehr— ich bringe dies damit in Verbindung, obgleich ich nicht recht weiß, weshalb— ich ſage um ſo mehr deshalb, weil die Baroneſſe Sidonie bei ihrem Eintritt in das Kloſter auf ihr Vermögen verzichtet hat. Vielleicht läßt ſich ſpäter in dieſer Beziehung noch Einiges abändern. Für jetzt muß das ge⸗ nügen. Und nun, meine Damen und Herren, laſſen Sie uns etwas von Mozart hören! Damit drückte der Kaiſer die beiden Urkun⸗ den in die Hand Sidoniens und Walthers und verließ eiligſt das Zimmer, gefolgt von der gan⸗ zen Geſellſchaft, mit Ausnahme des glücklichen Paares, das eine Zeit lang wie verſteinert ſtand. Indeſſen auch ſie fanden Worte, während die kieblichen Klänge, die Mozart dem Flügel im be⸗ nachbarten Zimmer zu entlocken wußte, freundlich herüberklangen. Auch in ihren Seelen war jetzt die Harmonie wieder hergeſtellt, und Hand in Hand knieeten ſie nieder, die Augen zum Himmel WPerhebend, und aus ihren Seelen ſtieg ein Gebet euyor um Segen für den Kaiſer, der in würdig⸗ ſter Weiſe beſtrebt war, auf Erden der Vertreter der götnichen Macht und Gerechtigkeit zu ſein.
Dieſes Gebet, vereinigt mit dem von Millio⸗
ger, ging in Erfüllung, obwohl die
4 5
nen Oeſterrei
Kaiſer Joſeph und der Fekretär. ————:ꝛ/—— ö
Vorſehung dem edlen Monarchen fungen nicht erſparte. Sein als das des beſten und ede eines der größten Herrſcher.
Die Gräfin Kinsky ward nicht die Gattin des Kaiſers, auch dann nicht, als der Segen der Kirche Walther und Sidonie bereits vereint hatte. Sie wollte nichts, als die Freundin Joſephs bleiben. Ihre Ehe mit dem Grafen Kinsfy wurde bald getrennt, auf Grund jenes unver⸗ ſtändlichen„Ja's“ bei der Trauung, und ſie hatte nun ganz freie Hand. Eine Schaar von Bewerbern ſuchte jetzt das Herz und die Hand der Gräfin zu erringen. Aber erſt nach langem Zögern, als ſie fühlte, eine wie traurige Rolle das Weib ſpiele, wenn es einſam daſtehe, wählte ſte den Grafen Meerweldt, gleich ausgezeichnet durch geiſtige und körperliche Vorzüge und vor Allem durch ſein gutes und edles Herz, zu ihrem Gatten, ohne daß ſie deshalb aufgehört hätte, die Freundin des Kaiſers zu ſein.
Auch Walther und ſeine Gattin blieben die beſten Freunde der Gräfin, die ſich in der Nähe von Bilſenburg ein Landgut kaufte, auf dem ſie den größeren Theil des Jahres zubrachte. Man ſah den Kaiſer oft zu Pferde oder in einem leichten Wagen auf der Straße nach Bilſenburg, und er gehörte ſo ſehr zu der Familie Eſchen⸗ burg, daß man gar nicht überraſcht war, wenn er manchmal unerwartet eintrat. Er war auch zugegen, als Walther ſeinen Einzug in Bilſen⸗ burg hielt, wo ihn die Bauern mit dem Jubel der Begeiſterung empfingen. Aber als ihnen Walther ſagte, wer derjenige geweſen, der da— mals in der Stunde der Waſſersnoth ſo thätig mitten unter ihnen geweſen, und als ſie denſel— ben Freund im ſchlichten Bürgerkleide unter den verſammelten Gäſten bemerkten, da brach ein neuer Sturm des Jubels los, und niemals mag ein Ruf aufrichtiger und donnernder durch die Luft gedröhnt haben, als damals der Ruf der Bilſenburger:„Es lebe Kaiſer Joſeph!“
ſchwere Pru⸗ Andenken lebt fort, lſten Menſchen und


