Jahrgang 
5 (1851)
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An und auf der See.

Der Regierungsrath von B. erwachte zwar

wieder aus ſeiner Ohnmacht, aber er mußte ins Bett gebracht werden, und ſpäter ſah man un⸗ gefähr ein Jahr hindurch einen hohen, ſtatt⸗ lichen Mann auf dem Wege in der Nähe von Schloß B. entlang wandeln, welcher Menſchen, Thiere, Pflanzen und Steine, kurz jeden Gegen⸗ ſtand freundlich anlächelte und grüßte; begegnete er aber Jemand mit einem Schießgewehr, ſo rannte er laut ſchreiend davon. Es war der Herr von B., das Licht ſeines Verſtandes war erloſchen. Nach ungefähr einem Jahre ver⸗

einigte ihn der Tod mit ſeiner ſo ſchwer ge⸗

prüften Gattin. Der Major von Kamenz mußte ſich längere

Zeit nach jener Scene ſetzen, aber der alte Sol⸗

dat ertrug auch noch dieſen Schlag und war Derjenige, welcher Alle zur Gruft begleitete.

Zwei Jahre hindurch ſah man Tag für Tag einen alten Mann mit weißem Haupt und Barthaar, gebeugt und ſtumm, mit drei ſchwarz gekleideten Mädchen nach dem Park gehen, um einige Stunden erſt an vier, ſpäter an fünf Grabhügeln zu beten. Es war der Major und die drei andern Töchter Hedwigs.

Nach zwei Jahren ward auch der Herr von Kamenz zu ſeinen Vätern verſammelt; er war über achtzig Jahre alt geworden.

Der Major hatte ſeine Großnichten zu Er⸗ ben, Wendt aber zu ihrem Vormunde eingeſetzt. Dieſer verwaltete noch ein halbes Jahr die Be⸗ ſtützungen für die jungen Damen, ſtarb dann und nach dem Willen des Majors trat ſein aͤl⸗ teſter Sohn an ſeine Stelle.

Die übrigen Söhne Wendts waren von dem Major ſo bedacht, daß für ihr zeitliches Wohl geſorgt war, und auch Mutter Wendten konnte getroſt zu Grabe gehen, nachdem die im Laufe der Zeit ganz erblindete Martha ihr dahin vor⸗ angegangen.

Der Junker von Thal entzweite ſich in einer Anwandlung von übler Laune oder Reue mit ſeiner lieben Freundin, der Baronin von K., und wies derſelben die Thür, und dieſe doch wir haben genug an ihrem Ende.

Einige Jahre nach den zuletzt erzählten Er⸗ eigniſſen ſchritt im Winter bei heftigem Schnee⸗ geſtöber eine Frau in Lumpen über den Markt⸗ platz der Stadt Bergen nach dem daſelbſt belege⸗ nen erſten Gaſthofe. Nach wenigen Minuten trat ſie wieder heraus und beſah ein in ihrer Hand befindliches Geldſtück.

Nun, brummte das Weib unzufrieden, wenig genug; der hätte auch wohl mehr geben können! Dann kehrte ſie wieder über den Marktplatz zurück und ging in ein Haus, wel⸗ ches das Schild einer Schenke führte.

Spät am Abend, als es bereits finſter ge⸗ worden, taumelte dieſe Weibsperſon auf der ver⸗ laſſenen Straße umher, fiel endlich neben der Mauer des Teiches, ziemlich an der Stelle, wo Chriſtian Hausmann einſt in denſelben hinein⸗ ſprang, nieder und blieb dort liegen.

Hier fand ſie am nächſten Morgen ein Nacht⸗ wächter erfroren.

Na, ſprach er vor ſich hin, endlich iſt ſie aus der Welt!

Dies war die frühere Baronin von K.

Mit dem vorliegenden Hefte ſchließt der 5. Band der Fata Morgaua ab, und die Verlagshandlung fühlt ſich gedrungen, für die außerordentliche Theilnahme, welche dies Werk ſeit ſeinem Beſtehen, und ſelbſt in fernen

Landen gefunden, verbindlichſt zu danken.

Indem wir auf den Umſchlag dieſes Heftes verweiſen, fügen wir noch hinzu, daß der Preis für den 6. Band derſelbe bleibt, obgleich Inhalt und Prämien beſſer als bisher geliefert werden ſollen.

Die Verlagshandlung von A. Sacco in Berlin.