Jahrgang 
5 (1851)
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Somit war alſo ein Komplot fertig, durch welches die Baronin ſich rächen wollte; ſie hätte nicht nöthig gehabt, ſich zu bemühen, da das Schickſal es übernahm, für ſie zu handeln.

Der Winter war die Jahreszeit, welche be⸗ gann, als Nanny vom Schloſſe K. nach Jas⸗ mund überſiedelte, und die ungleich wildere Ge⸗ gend, in welcher Schloß B. lag, wirkte ungünſtig auf die Stimmung des jungen Mädchens.

Die Sinne und den Verſtand derſelben noch mehr zu verwirren, geſellte ſich der wild roman⸗ tiſchen Gegend, die der Winter ſchuf, noch ein anderer Umſtand hinzu.

Der Regierungsrath hatte für alle Bedürf⸗ niſſe ſeiner Töchter auf das Ausreichendſte ge ſorgt und namentlich nichts außer Acht gelaſſen, was zur Ausbildung des Geiſtes und Herzens beitragen konnte; ſo war nach und nach durch Ankauf neu erſchienener Werke in der Literatur eine förmliche Bibliothek entſtanden. Die Lektüre der Damen beſteht aber meiſtens nur in Ro⸗ manen, welche weniger dem Verſtande genügen, als das Gemüth feſſeln und auf daſſelbe ein⸗ wirken.

Nanny hatte ſich bemüht, die deutſche Sprache bald inne zu bekommen, und dies mußte ihr um ſo viel ſchneller gelingen, als ihr eiferſüchtiges Auge die Handlungen zweier Perſonen über⸗ wachte und ihr Ohr jede von denſelben ge ſprochene Silbe zu belauſchen bemüht war.

Auf Schloß B. aber hörte dieſer Zweck auf und ſtatt deſſen verſchlang ſie nun jene Romane, in denen ſie zuerſt einen Spiegel ihres Herzens, in denen ſie die Eiferſucht und die Leidenſchaft⸗ lichkeit derſelben mit den Handlungen, welche dieſelbe hervorruft, gezeichnet fand.

In ihrem Kopfe arbeiteten fortwährend die Scenen, welche ſie eingeſogen, um eigene Bil⸗ der nach ihnen zu ſchaffen, und die ſich mit der ganzen Lebhaftigkeit einer glühenden Phantaſie vor ihre Seele ſtellten. Das arme Mädchen lebte nur in ſeinen Träumen und ward dadurch der Wirklichkeit wie den Hausgenoſſen entfremdet.

So rückte der Winter immer mehr vor und das Weihnachtsfeſt kam heran. Die ungangbar gewordenen Wege ließen Roberts Beſuche ſel⸗ tener werden, doch um die Zeit des Weihnachts⸗ feſtes hatte der junge Mann ſich aufgemacht, um daſſelbe bei der Geliebten zuzubringen.

Nanny vermied es ſo viel wie möglich, die Liebenden zuſammen zu ſehen, denn jedes Mal bekam ſie dadurch einen Stich in ihr ſchon ſo ſchwer verwundetes Herz; dennoch konnte ſie ſich einem ſolchen Augenblicke nicht immer ent⸗ ziehen.

Fata morg. 5. Bd. 12. Lief. 36

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Durch Roberts Ankunft auf Schloß R. hatte die Freude dort ihren höchſten Grad erreicht, und Alle verſprachen ſich einen fröhlichen Ju⸗ laftan.

Dieſe in Schweden übliche und von dort nach dem ehemaligen Schwediſch⸗Pommern her⸗ übergekommene Vorfeier des Weihnachtsfeſtes dürfte wenig bekannt ſein. Sie beſteht haupt⸗ ſächlich darin, daß man ſich ungekannt Ge⸗ ſchenke macht und dieſe, verſiegelt und adreſſirt, ſogenannte Julklappen, einander am Weihnachts⸗ Heiligabend zukommen läßt, an welchem dieſel⸗ ben ſodann in Geſellſchaft ihrer Hüllen ent⸗ ledigt, gezeigt und bewundert werden.

Auch Robert und Conſtance hatten ſchon ſeit lange geſorgt, einander Ueberraſchungen zu bereiten.

Am Tage vor dem Weihnachtsfeſte trat. plötzlich Thauwetter ein, und ein hohler Sturm heulte über die weite Fläche der See daher, deren Dünſte als heftige Regenſchauer aus dü⸗ ſteren Wolkenſchichten ſich über Rügen ausleer⸗ ten und auch, mit nur kleinen Unterbrechungen, an die Fenſter des Schloſſes B. praſſelten.

Daſelbſt achtete man jedoch kaum darauf, ſo freudevoll ward der Abend erwartet.

Im Laufe des Nachmittags war der alte Ahnenſaal hergerichtet worden, und ein Feuer flackerte einladend in ſeinem Kamin, um wel⸗ chen ſich mit der bereits gegen drei Uhr eintre⸗ tenden Dunkelheit die ganze Familie und deren Gäſte verſammelten. Conſtance und deren Schweſtern hatten für Nanny einen Chriſtbaum ausgeputzt, und dieſer gab die erſte Veranlaſ⸗ ſung zur Freude; Alle waren glücklich, nur Nanny nicht.

Wie ſchade, ſagte die Baronin, daß der Onkel nicht mitgekommen; ich habe mir für ihn recht viel von dieſem Feſte verſprochen.

Ich bin ſelbſt dagegen geweſen, Frau Baronin, verſetzte Robert, denn dies Wetter würde ihm viel Pein verurſacht haben; er em⸗ pfand es ſchon längere Zeit vorher.

Nun wird der alte Herr aber gar keine Freude haben während der Feſttage! bedauerte Conſtance.

Gewiß ſehr wenig, und ich hätte keine geringere Urſache haben duͤrfen, als die ich hatte, um ihn zu verlaſſen; aber wer vermag zu wi⸗ derſtehen, wenn eine Conſtance winkt!

Schmeichler, ich werde Dich beſtrafen, wenn Du ſo fortfährſt!

Es iſt übrigens zu bewundern, meinte der Baron, daß er Dich fortgelaſſen, Robert!

Ich hätte ihn nicht darum zu bitten ge⸗

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