Jahrgang 
4 (1867)
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Kleines Roman⸗Magazin.

1480

230 2 8 t Mogador. Mogador iſt eine Stadt in Marocco. g⸗ rzahl beträgt gegen 10,000, ſie liegt ganz nahe am

aſt ſtark befeſtigt. Die Straßen beſtehen aus einem Ge⸗

a engen krummen Gaſſen und Gäßchen, zuweilen von kleinen Plätzen unterbrochen, auf denn man ſich kaum zurechtfinden kann; hohe, weißgetünchte Häuſer vne Fenſter, nur hier und da ſtatt der Fenſter kleine, viereckige Oeſnungen in den weißen Wänden, welche mit Eiſenſtäben vergittert und, gewölbte Thoren mit dem mauriſchen Edbogen, von gewundern Säulen getragen, zu denen man mittels einiger Steinſtufen hienſteigt. Der Hof iſt der Beſtandtheil jedes arabiſchen Hauſes. dient als Empfangszimmer und als Geſell⸗ ſchaftsſaal. Im efe werden Geſchäfte abgemacht, Beſuche ange⸗ nommen und erredungen geführt. Meubel findet man in den Zimmern nie, Tiſche und Stühle fehlen gänzlich. Eine Niſche in der Wand, Geräthe aufgeſtellt werden, ein Roſt zum Kochen, ein mit blen Teppichen belegter Divan das iſt die ganze Ein⸗ richtun Die Dächer aller arabiſcher Häuſer ſind flach und bilden mit Jernen Bruſtwehr umgebene Terraſſen. Sie dienen während

einer le des Abends als Aufenthalt und zum Spaziergang, be⸗

d ſorcs für die Frauen und Kinder. Ein Theil der Straßen des gbiſchen Quartiers von Mogador iſt, wie in allen nordafrikaniſchen

Ztädten, zu einem fortdauernden Bazar eingerichtet. Frauen ſind übrigens auf den Straßen in allen arabiſchen Städten eine Selten⸗ heit. Selbſt in den Läden der Bazars, wo Milch oder Blumen verkauft werden, iſt von Milchmädchen und Blumenverkäuſerinnen keine Rede. Nur Männer beſorgen das Geſchäft. Während ihres ganzen Lebens iſt der Wirkungskreis der Frau, wenigſtens in den Städten, lediglich auf das Innere des Hauſes beſchränkt. Wenn ſie auenahmsweiſe ihre Wohnung verläßt, ſo verhüllt ſie Geſtalt und Geſicht auf das Sorgſamſte. Nur die Augen bleiben frei. Das Weib iſt nach den muſelmänniſchen Begriffen nichts als eine Sache, um welche man ſich nur bekümmert, wenn es gar nicht anders geht. In ihrem ganzen trauugen und einförmigen Leben tritt nur einmal eine Veränderung ein, wenn ſie aus dem Eigenthum ihres Vaters in das Eigenthum ihres Nannes kommt. Die türkiſche und arabiſche Ehe iſt ein Kaufgeſchäft, wie jeder andere Kauf, nur mit dem Unterſchiede, daß dieſer Kauf unter Muſik und Tanz abge⸗ ſchloſſen wird.

Die Fans oder Fahuius. Dieſe Völker leben in den Aequa⸗ torialgegenden Weſtafrikas und ſind durch du Chaillu's, Burton's und Winwood Reedes Schilderungen allgemein bekannt geworden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ſie Menſchenfleiſch genießen. An Thatkraft ſind ſie den Negerſtämmen der Küſte entſchieden überlegen. Die Fans bringen viel Elfenbein in den Handel und unterhalten Handelsverbindungen weit nach dem Innern hin. Sie haben im verfloſſenen Sommer einen Handels⸗ und Freundſchaftsbund mit den Franzoſen am Gabon geſchloſſen unter der Bedingung, daß man ihnen erlaube, ihre Wohnſitze hart an der Seekante aufzu⸗ ſchlagen. Das iſt ihnen bewilligt worden. Zum Zeichen der Auf⸗ richtigkeit brachten die Wilden ſofort mehrere Kinder ihres Stammes mit, damit ſie die von den Miſſionaren gegründete Schule in der Factorei der Franzoſen beſuchen möchten.

Das Klima in Süd⸗-Afrika. Das Klima würde geſund ſein, wenn das Land hinlänglich bevölkert wäre, um mit Erfolg

gegen die Natur zu kämpfen; da aber der Regenfall zehn Monate des Jahres, vom Februar bis Ende November dauert, und der Boden äußerſt fruchtbar iſt, ſo vermehrt ſich die Vegetation zu raſch und die ſpärliche Bevölkerung wird in ein überreiches Kräuterwerk eingeſchloſſen und von demſelben überwältigt. Dieſe Maſſe von Laubwerk und zehn Fuß hohen Gräſern, die mit Schlingflanzen und wilden Weinreben durchflochten ſind, iſt für den Menſchen voll⸗ kommen undurchdringlich und bildet einen ungeheuren Dſchungel, welcher von Elephanten, Nashörnern und Büffeln bewohnt wird, deren gewichtige Kraft allein denſelben zu überwinden vermag. Antilopen giebt es wenige, weil dieſe Thiere die Grasdſchungel nicht lieben, in welchen ſie keinen Schutz gegen den Löwen oder den Leoparden haben, da ſolche Ranbthiere ſich nähern können, ohne ge⸗ ſehen zu werden. Im Monat Januar iſt das Gras dürr genug, um zu brennen, aber ſelbſt in dieſer Zeit wächſt eine Menge friſches, grünes Gras zwiſchen den verwelkten Stengeln; das Anzünden der Prairien reinigt daher das Land nicht ganz, ſondern das Feuer ver⸗ zehrt nur den dürren Stoff und läßt einen Trümmerhaufen ver⸗ kohlter Kräuter zurück, die durch den Brand ſo zähe geworden ſind, daß es ganz unmöglich iſt hindurchzureiten, ohne von den Schien⸗ beinen und Schultern des Pferdes die Haut abzuſtreifen. Im Ganzen iſt es ein höchſt unintereſſantes Land.

Die Zulu⸗Kaffern. Dieſe Völker in Süd⸗Oſt⸗Afrika ſind ehrlich, geſellig, ſehr geſprächig und gaſtfrei. Männer und Weiber gehen faſt ganz nackt; letztere tragen um die Hüften herum eine ſchmale Perlenſchnur, die Männer Streifen von zerſchnittenen Thier⸗ fellen.é Als Jäger ſind die Zulus unermüdlich, unglaublich iſt ihre Ausdauer bei Strapazen. Ihre Lieblingswaffe iſt der Speer. Der Feldbau fällt den Weibern zu. Die Zulu⸗Mädchen ſind keuſch und zurückhaltend. Die Zulus halten ſich für die größten Krieger von Süd⸗Oſtafrika, was ſie auch ohne Zweifel ſind; ſie haben indeß, namentlich ſeit dem Baſuto⸗Krieg, einen heilſamen Reſpect vor euro⸗ päiſchen Feuerwaffen. Die religiöſen Begriffe dieſes Volkes ſind im höchſten Grade dunkel. Sie glauben, daß nach ihrem Tode ihre Geiſter tief unten in der Erde fortleben, alle glauben an Hexen und böſe Geiſter, gegen die ſie ſich durch einen Talisman zu ſchützen hoffen. Sie ſehen dem Tod mit anſcheinend großer Gelaſſenheit ent⸗ gegen. Auch dieſer Negerſtamm hat ein ausgeprägtes Talent für Muſik.

Auſtralien.

Ein nener Baumrieſe⸗ Nach einer Beſchreibung, welche das Melbourner WochenblattAuſtralaſian mittheilt, iſt in dem Wal⸗ desdickicht bei Dandenong(in der ſüdauſtraliſchen Colonie Victoria) ein Rieſenbaum entdeckt worden, welcher eine Höhe von 392 Fuß oder mit Hinzurechnung der abgebrochenen Krone, die ſich nach an⸗ deren unverſehrten Exemplaren jener Wildniß auf 30 Fuß veran⸗ ſchlagen läßt, von 420 Fuß beſitzt. Es iſt eine Pucalyptus amyg- dalina(der Pfeffermünzbaum oder auch der hängende Gummibaum von Vandiemensland). Nur noch die californiſche Wellingtonia gigantea, von welcher ein Exemplar in der Höhe von 450 Fuß be⸗ kannt iſt, macht den auſtraliſchen Baumrieſen den Rang ſtreitig. Um ſich die Dimenſionen zu verſinnlichen, erinnere man ſich, daß die Thurmſpitze des Straßburger Münſters, die höchſte in Europa, ſich nicht mehr als 466 Fuß über die Erde erhebt.

Den verehrlichen Abonnenten desRoman-Magazin diene zur Nachricht, daß mit dieſem dritten Hefte des zweiten Quartals pro 1867 der erſte Semeſterband ſchließt und das Abonnnement auf das neue(dritte) Quartal bei Buchhandlungen und Poſt⸗Anſtalten mit 1 Thlr. Ein⸗

zahlung erneuert werden muß.

Das neue Ouartal beginnt mit einem höchſt intereſſanten, überaus ſpannenden Roman des beliebten

amerikaniſchen Autors:

Lascelles, Die ſchwarze Bande

und enthält ferner:Zwei Heirathen, Roman vom Verf. des John Halifax und andere berühmte

Novitäten.

Die Redaction und Verlags-Buchhandlung.

N DieVerantwortlicher Herausgeber: Otto Janke in Berlin.

Druck und Verlas von Otto Janke in Berlin.