Jahrgang 
4 (1867)
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Kleines Roman⸗Magazin.

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wieder berührten und ſeine Blicke ſtreiften zärtlich ihr Ant⸗ litz und ihre Locken.

Eſther, ich bin ein rauher, ſtrenger Burſche, wird es Dich nie gereuen? Wirſt Du mir niemals in Deinem Innern vorwerfen, daß ich nicht ein Mann war, der Deinen Reich⸗ thum hätte theilen können? Biſt Du Deiner ſelbſt ganz gewiß?

Ganz gewiß, ſagte Eſther mit einer betheuernden Kopfbewegung,ſonſt hätte ich Dich weniger hochgeſchätzt; ich bin nur ein ſchwaches Weſen, mein Gatte muß größer und edler ſein, als ich.

Das iſt freilich etwas Anders, ſagte Felix aufſprin⸗ gend, die Hände in die Taſche ſteckend und die Augenbrauen im Scherz drohend zuſammenziehend.Wenn Du mich ſo nimmſt, ſo zwingſt Du mich ja ein viel beſſrer Menſch zu werden, als ich jemals beabſichtigte.

Das nenne ich Vergeltung, erwiderte Eſther mit einem herzlichen Lachen, das ſo lieblich klang wie der Morgengeſang der Lerche.

Epilog.

Im nächſten Mai feierten Felix und Eſther ihre Hochzeit. In jenen Tagen wurden noch alle Leute ohne Ausnahme in der Kirche getraut, aber Lyon begnügte ſich nicht mit dieſer Feier, ſondern mußte noch eine beſondere Feier veranſtalten, die durch keine in ihrer Berechtigung zweifelhafte Formen be⸗ engt wäre und bei der er ſeiner Freude und ſeinem Gebet freien Lauf laſſen könnte.

Die Hochzeit war höchſt einfach, aber keine noch ſo glän⸗ zende Trauung hatte jemals ſo viel Aufſehen in Groß⸗Treby gemacht. Selbſt ſehr vornehme Leute, wie Sir Maximus und ſeine Familie, kamen in die Kirche, um dieſe Braut zu ſehen, die dem Reichthum entſagt und ſich entſchloſſen hatte, die Frau eines Mannes zu werden, der erklärt hatte, immer ein armer Mann bleiben zu wollen.

Einige Wenige ſchüttelten den Kopf dazu, wollten die Sache nicht recht glauben und meinten es müſſe noch etwas dahinterſtecken. Aber die überwiegende Mehrzahl der ehrlichen Trebianer empfand ähnlich wie der vergnügte Herr Wace, der zu ſeiner Frau ſagte, als ſie aus der Pirche kamen:Es iſt merkwürdig, wie man bisweilen ergriffen wird, man weiß nicht wie. Mir iſt zu Muth, als hätte ich mehr Glauben an alles Gute als ſonſt.

Frau Holt ſagte an jenem Tage,ſie fühle ſich nun doch ein wenig belohnt, indem ſie ſagen wollte, daß die Gerechtigkeit noch viel Lohn für ſie in Bereitſchaft halten müſſe. Der kleine Job Tudge bekam einen ganz neuen Anzug, an dem er die Meſ⸗ ſingknöpfe ſo oft zählte, daß man für einen arithmetiſchen Fa⸗ natismus bei ihm hätte fürchten können. Frau Holt nahm ihr beſtes Theegeſchirr wieder heraus und ließ voller Befriedigung darüber, daß die Jungen mit ihren ſchmutzigen Schuhen nun nicht mehr in's Haus kommen würden, ihren Teppich wieder legen.

Denn Felix und Eſther ließen ſich nicht in Groß⸗Treby

nieder und nach kurzer Zeit verließ auch Lyon die Stadt und folgte ihnen nach ihrem neuen Wohnort. Bei ſeinem Rücktritt wählte die Gemeinde im Brauhofe einen Nachfolger, deſſen

Dolktrin ſich der hochkirchlichen mehr näherte.

Noch andere Leute verließen Treby. Jermyn gab ſein Haus auf und zog, wie man hörte weit weg, wie Einige ſagten, in's Ausland, dieſer weiten Heimat ruinirter Extſten⸗ zen. Johnſon fuhr fort freundlich zu lächeln und zu gedeihen bis er grau wurde und noch beſſer gedieh. Einige Leute die keine ſehr hohe Meinung von ihm hatten, waren der Meinung, daß ſein Gedeihen eine Thatſache ſei, die man als gefährlich für die Moral der Jugend beſſer verberge, daß es der gött⸗ lichen Vorſehung nicht gerade zum Lobe gereiche, wenn noch etwas Anderes als Tugend mit eleganten Palons in Bedford⸗ Row gelehrt werde.

Freund Chriſtian hatte keine verwerthbaren Geheimniſſe mehr zu ſeiner Verfügung. Aber er bekam ſeine tauſend Pfund Sterling von Harold Tranſome.

Die Familie Tranſome verließ Tranſome⸗Court für einige Zeit. Das Etabliſſement wurde aber in Stand gehalten und Beſuchenden gezeigt, aber nicht von Denner, die ihre Herrin begleitete. Einige Zeit darauf kehrte die Familie nach Tranſome⸗Court zurück und Miß Tranſome ſtarb dort. Sir, Maximus war bei ihrem Leichenbegängniß zugegen und in der ganzen Gegend wurde das Vergangene der Vergeſſenheit übergeben.

Onkel Lingon fuhr fort, die Jagd auf dem Gut zu be⸗ aufſichtigen, bis das Ereigniß eintrat, das er mit derſelben Gewißheit wie die Reform der Kirche vorausgeſagt hatte. Klein⸗Treby bekam einen neuen Pfarrer; aber nicht die alten Jagdhunde allein trauerten um den Verſtorbenen.

Das ganze große Kirchſpiel von Groß⸗Treby hat ſich ſeitdem blühend entwickelt, wie das übrige England. Ohne Zweifel herrſcht dort jetzt größere Aufklärung. Ob die Pächter ſich alle für öffentliche Angelegenheiten intereſſiren, die Laden⸗ inhaber Alle eine edle Unabhängigkeit behaupten, die Arbeiter von Sproxton durchaus mäßig und urtheilsfähig, die Deſſen⸗ ters ganz vorurtheilsfrei und milde in Religion und Politik geworden und die Wirthe Alle wie Gajno würdig ſind die Freunde eines Apoſtels zu werden, das Alles weiß ich nicht, weil ich mit Niemanden in jener Gegend correſpondire. Ob ſich irgend ein Schluß aus der Thatſache ziehen läßt, daß North⸗Loamſhire noch immer keine radikalen Candidaten wählt, das zu beurtheilen überlaſſe ich den Allwiſſenden, ich meine den Zeitungen.

Die Stadt, in der Felix Holt jetzt wohnt, verſchweige ich, damit er nicht von Beſuchern beläſtigt werde, die nichts als leidige Neugier zu ihm führen würde.

Ich will nur noch ſo viel ſagen, daß Eſther ihren Ent⸗ ſchluß nie bereut hat. Felix aber brummte ein wenig, daß ſie ihm das Leben zu behaglich gemacht hat und daß, wenn er ſich nicht durch vieles Spazierengehen friſch erhalte, er ein träger Mops werden würde.

Sie haben einen kleinen Felix, der viel gelehrter iſt, als ſein Vater, aber nicht viel reicher.

Ende.

Pleines Roman-Mugazin.

Novelletten, Biographien und Skizzen.

Eheliches Leben. Nach dem Engliſchen bearbeitet von L. Du Bois. (Schluß.) V.

Nach langem Kampſe behielt Lorenz ſeinen Willen. Er ſetzte es durch, daß ein Ball gegeben und Alles dazu eingeladen werden ſollte, ſelbſt Marie Sefton, die er ſich eigentlich ſcheute in ſeinem Hauſe zu ſehen, und ſogar Mr.⸗Jones, der gemeine Advokat. Lorenz

Eine Novelle.

übernahm es, die Liſte der Gäſte aufzuſtellen, und that es, ohne

Rückſicht darauf, ob ſie ſeiner Frau recht waren oder nicht. Dagegen beſchloß Anna im Stillen, daß dieſes der erſte und der letzte Ball ſein ſollte. Sie nahm ſich vor, es unmöglich zu machen, daß irgend einer der geladenen Gäſte jemals wiederkomme. In dieſer Abſicht richtete ſie alle Vorbereitungen zu dem Feſte ſo dürftig und unzureichend ein, zeigte der verſammelten Geſellſchaft unverhohlen eine ſo üble Laune und betrug ſich öffentlich gegen ihren Gemahl ſo ungezogen, daß die erſtaunten Gäſte in Gruppen zuſam 4

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