Jahrgang 
1 (1867)
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argwöhnte, daß ich Dich gern habe, oder Du mich, wir würden fliegend an die entgegengeſetzten Enden der Erde be⸗ fördert werden. 8

Adelaide, dieſe Täuſchung kann nicht immer dauern; eine Erklärung muß erfolgen.

Ich vermuthe es auch.

Und wenn ſie erfolgt?

Ei, quäle Dich doch nicht mit der Zukunft, Herbert! Wenn ſie kommt, ſo werde ich wohl, dünkt mich, es auf irgend eine Weiſe zurechtzulegen im Stande ſein. Weißt Du, was für eine Idee mir manchmal durch den Kopf fährt? Daß ich Harry die Wahrheit ſagen will, wie wir einander lieben, an ſeinen Edelmuth appelliren und ihn be⸗ ſtimmen, das Geheimmiß zu bewahren.

Sprich keinen Unſinn, Adelaide.

Warum biſt Du heute Nacht ſo verdrießlich?

Ich bin nicht verdrießlich, ſondern nur gequält. Mein Leben kommt mir jetzt wie ein langer Traum von Schmerz vor. In manchen Augenblicken glaube ich, in Wirklichkeit habeſt Du mich nicht gern.

Die Anklage war ungegründet, und Adelaide Errol ſah ihn vorwurfsvoll an, während ihre Augen ſich mit Thräneu füllten, die im Mondſchein ſichtbar waren. Er murmelte ein Wort von Zerknirſchung, beugte ſich nieder und drückte einen Kuß auf ihre Lippen. Mr. Richard Ravensbird in ſeinem Verſteck wünſchte lieber, es wäre ſtatt deſſen ein Blaſen⸗ pflaſter geweſen.

Einige Minuten hörte Ravensbird nichts weiter; ſie ſtanden auf dem Gipfel der Anhöhe neben einander und ſchauten in die See hinaus. Dann ſchien Lady Adelaide große Eile zu bekommen.

Nein, ſchreibe nicht, ſagte ſie, als ſie wieder in Ra⸗ vensbirds Gehörweite kamen,wir müſſen es darauf an⸗ kommen laſſen. Ich bin nicht ganz ſicher, ob wir Sophie ein Billet anvertrauen dürfen. Sie und der häßliche Diener Harrys, welcher ſo ſchwarz iſt wie ſein Name*), ſind große Freunde. Es iſt eine Schande, daß Du nicht im Schloſſe nach Belieben aus⸗ und eingehen kannſt, wie Du ſonſt thateſt; aber es iſt richtig, was Du ſagſt ſie Alle ſehen Dich kalt an. Ich muß jetzt aber wahrhaftig gehen, Herbert: ich fürchte, meine Tante möchte aufwachen und erfahren, daß ich hier bin! Was das für einen Lärm gäbe!

Was ſchadet's? erwiederte Herbert Dane hitzig.Du biſt ebenſo gut bei mir aufgehoben, hoffe ich, als da drinnen bei ihr.

Aber Du biſt gerade der Einzige, bei dem ich ihrer Meinung nach nicht ſein ſoll, ſiehſt Du! bemerkte das Mädchen lachend.Sie würde denken, es werde hier Ver⸗ rath gegen Harry geſchmiedet. Iſt Cäcilia auf ihren Beſuch gegangen?

Sie ging dieſen Nachmittag. zukommen! äußerte er in einem Ton, lautete.Du kommſt nicht oft hier heraus, weiß es.

Du haſt ſolche Eile fort der höchſt betrübt der Himmel Und ich habe Dir geſagt, daß ich morgen Nacht nicht hier ſein kann.

Nicht oft werden uns ſo liebliche Nächte zu Theil. Du würdeſt nicht haben wollen, daß ich herauskomme, wenn es finſter oder feucht iſt. Nicht durch die Kapelle, Herbert, ſetzte ſie hinzu, denn er ſchien auf die Eingangsthüre loszu⸗ ſteuern.Ich gehe nie hindurch, ohne an Geſpenſter zu denken. Du mußt eine Vorliebe für ſie haben.

Er lachte, und Ravensbird beobachtete dieſelben, wie ſie langſam an der Außenſeite vorübergingen, und konnte durch die Spalten der epheuüberwachſenen Fenſter ihre Züge deut⸗ lich erkennen.

Herbert Dane ging nicht weit; er fürchtete, möglicher Weiſe geſehen zu werden. Sie blieben einen Augenblick ſtehen, um ſich noch die Hand zu drücken; dann lief ſie ſchnell über den Raſen hinweg, und er kehrte zurück und lehnte ſich mit dem Rücken wieder an die Mauer wie früher, und ſah ihr zu, wie ſie in das Schloß trat. Dann nahm er ſchnellen Schrittes ſeinen Weg Danesheld zu; und Mr. Richard Ra⸗

vensbird tauchte aus den ſchirmenden Ruinen hervor und

*) Ravensbird,= Nabenvogel.

Lady Adelaide's Schwur. Roman von Mrs. Henry Wood.

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wartete müßig ab, bis ſich ſeine Entrüſtung durch einen Gang auf den Höhen etwas gelegt hatte; dann kehrte er heim.

Der Morgen ſtieg ſo lieblich, wie die Nacht geweſen, herauf; nicht ganz ſo ruhig, denn ein leichter Wind ſchien ſich zu erheben.Um ſo beſſer für Moncton's Yacht, bemerkte Kapitän Harry Dane, als er mit ſeiner Mutter und Lady Adelaide beim Frühſtück ſaß, während die Sonnenſtrahlen ſchräg auf den Tiſch fielen und das weiße Tiſchtuch und das Silbergeſchirr in denſelben erglänzte.Der Wind iſt auch günſtig für dieſelbe; ſie wird im Fluge in See ſein.

Wann geht ſie ab? fragte Lady Dane.

Heute Nacht.

d biſt geſtern Abend lang' an Bord geblieben, nicht wahr?

Ja. Ich glaube, es war Zwölf vorüber, als ich von dort wegging. Ich und Moncton ſprachen von alten Zeiten. Er freut ſich zum Voraus auf das Vergnügen, Sie Adelaide in ſeinem Hauſe willkommen zu heißen; er hat eine rei⸗ zende Wohnung in Waſhington.

Lady Adelaide warf, als ſie antwortete, ihren Kopf etwas zurück, und es lag etwas von aufkommendem Trotz in ihrem Ton.

Es kann wohl ſein, daß ihm dieſes Vergnügen nicht zu Theil wird. Waſhington iſt gar weit weg, Kapitän Dane.

Kapitän Dane! wiederholte er, nicht ſehr erfreut über dieſen Titel.

Harry alſo, erwiederte ſie heiter, denn Lady Dane richtete ein mißbilligendes Auge auf ſie,wenn Sie ſich des andern Namens ſchämen.

Ich ſchäme mich deſſelben nicht, Adelaide, ſagte er ruhig,aber ein anderer iſt mir von Ihnen lieber.

O Himmel! ſeufzte Adelaide, indem ſie ſich muth⸗ willig in ihren Seſſel zurückwarf;wie krumm und konträr die Dinge in dieſer Welt gehen!

Was für Dinge gehen krumm und konträr? fragte Lady Dane.

Gar mancherlei, Tante. ſo verdroſſen und ſteif wie ein Stock, und der ſchöne Vogel, welchen mir Mr. Leſter gab, läßt die Flügel hängen. Ich glaube, er wird ſterben.

Als Kapitän Dane das Zimmer nach dem Frühſtück verließ, trat ihm ſein Diener Ravensbird in den Weg, welcher dringend auf fünf Minuten um Gehör bat. Sie ſtiegen in ein kleines Gemach in dem Thürmchen hinauf, welches der Kapitän zu ſeinem Wohnzimmer erkoren hatte, und ſchloſſen ſich dort ein. Lady Dane ließ das Frühſtücksgeräthe ab⸗ tragen und öffnete ihr Gebetbuch, um die Pſalmen für den Tag zu leſen. Sie war eine durch und durch gute Frau. Als Adelaide Errol anlangte, hatte ihre Tante ſie angehalten, dieſer Andachtsübung beizuwohnen; aber dies war mit Wider⸗ willen, in ungeduldiger Weiſe geſchehen; und Lady Dane erklärte ihr zuletzt in ſanftem Tone, ſie wolle warten, bis ihr Herz Inche dafür geſtimmt wäre. Die arme Adelaide, welche zu ſolchen Gewohnheiten nie erzogen worden war, er⸗ achtete ſie für eine läſtige Aufgabe und für Zeitverſchwendung; und Lady Dane war klug genug, um zu bedenken, daß Nie⸗ mand zur Religion gezwungen werden ſollte. Sie ſaß in ihrem Lehnſeſſel am Feuer; Adelaide, in ihrem pfirſichfarbigen Muſſelingewande, die hübſchen Hände unter den offenen Spitzen⸗ Manſchetten hervorſchauend, die Wangen ſo roth wie der Muſſelin, ſtand, innerlich etwas erregt, am Fenſter.

Das Zimmer befand ſich in der Nähe des Salons, am Ende des Hauſes, mit dem einen Fenſter nach der See, dem andern nach Danesheld. Es war ein herrlicher Früh⸗ lingsmorgen. Nur ein paar flockige Wölkchen zeigten ſich an dem blauen Himmel; die Sonne leuchtete in vollem Glanze; die Hecken trieben ihr zartes Grün hervor, und die Früh⸗ blumen öffneten allmälig ihre Kelche. Doch auf keinen dieſer Gegenſtände, ſo angenehm ſie für das Auge waren, ſchaute Adelaide: die belebende Sonne, der azurne Himmel, die grünen, ſproſſenden Hecken, die lächelnden Blumen waren nichts für ſie, nicht ein Gedanke galt der ſchönen Seefläche, welche in der Ferne ſich ausdehnte, oder den ſtattlichen Schiffen, welche langſam vorüberfuhren, deren weiße Segel im Sonnen⸗

Sophie war dieſen Morgen

17 ſchein blinkten in der Nähe, bei der Abe etwas anderen Rittlinge ſahen, ſaß 5 denn man he des Morgen lit, welches Angelrulhe derſelben e bald auf ganz in ſei daß Lady? dort war? ſie zum Vo Handlung n man erblickt Tante und es ſchi eine halbe Gebetbuch; lichkeit kaun dett ſei, ſ zugehen? Noch Laute erhoben ſi fuhr unruk der Thüre Kapi der Trep packt und ſchienen Naſerei. und dann Diener ko hinunter. Lady länder nac und ballte ſchien er n Neh die Worn Ich wer golten ha Go