Jahrgang 
1 (1867)
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des

7. Auslandes.

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Erſcheint alle 32

Tage in Lieferungen von 16 großen Quart⸗Bogen zum Preiſe von

Lady

V 1867.

Erſtes Capitel. Harry Dane.

In einer etwas wilden Gegend der Küſte von England, zwiſchen ein und zweihundert Meilen von der Hauptſtadt ent⸗ fernt, liegt ein Städtchen oder ein Dorf Namens Danesheld. Die Landſchaft zu beiden Seiten ſteigt hoch auf, hier mehr dort weniger, und beherrſcht die See, und die Felſen fallen ſtellenweiſe ſenkrecht zur Tiefe ab. Nicht überall. Es giehr Orte wo ſie ſo allmälig ſich niederſenken, daß ein ſiche⸗ Fuß mit Kichtigkeit daran hinunter kommen mag; und ſcheint die harte Natur der Felſen mit der Zeit- geſänftigt zu haben, denn Gras wächſt an d and ſelbſt wilde Blumen ſproſſen hervor. Ir Lagen war hier eine Niederlaſſung der Dänen, Name, der jetzt zu Danesheld geworden, lautete ohne Zweifel Danes' Hold oder Däͤnenhalt. wcen von dem Dorfe, nach der Seeſeite hin, iſt o wild und zerriſſen und ohne eine Spur men Anſiedlung; zur Linken, gegen Oſten, kebliit a7 erſtreute Häuſer von ſehr gutem Ausſehen, daroder drei hübſche Herrenſitze; weiter hinten ganze Colonie ärmlicher Bauern⸗ und Fiſcherhütten,

als jene Herrenſitze, älter ſelbſt als das Dorf. Es muß hier noch bemerkt werden, daß alle dieſe Häuſer mit ihrer Vorderſeite der See zugekehrt ſind, während die Landſtraße unmittelbar an einigen derſelben vorüber läuft und die grü⸗ nen Höhen oder ebenen Strecken ſich zwiſchen dieſer und den Felſen ausdehnen.

Darüber hinaus, immer noch gegen Oſten, und etwa eine Meile von dem Dorfe, erheben ſich die ſtattlichen Thürme von Dane Caſtle, einem langen aber nicht ſehr hohen Gebäude, deſſen rothe Steinwände vor Alter ſchwarz geworden ſind. Ein Thurm ſteht auf beiden Ecken; ein kleinerer, von vier⸗ eckiger Geſtalt, überragt den breiten Thorweg in der Mitte: von demſelben weht beſtändig eine Flagge, wenn der Herr des Schloſſes, Lord Dane, ſeinen Aufenthalt hier genommen hat. Gleich den übrigen Wohnungen ſchaut es auf die See hinaus; ein ſchmaler Raſenſtreifen zieht ſich zwiſchen dem Thor und der Straße hin. Jenſeits der Straße, welche weder von Hecke noch Mauerwerk begrenzt iſt, ſtreckt ſich das Grasland platt und flach bis zum Rande der Höhen aus, hier gerade ſo breit, daß die Entfernung des Schloſſes von der See faſt eine Viertelmeile beträgt. Gegenüber der äußerſten Ecke des Schloſſes und nahe dem glern Rande der Höhen zeigen ſich die Ruinen von einem Bauwerk, das in den Tagen der Mönche die Kapellen geweſen; die Mauern davon ſtehen noch, und die Fenſter, aus welchen das Glas längſt verſchwunden, ſind von wucherndem Epheu überwachſen, einem dunklern Schirm, als Glas je gewähren könnte. Die Lords von Dane

Roman⸗Magazin des Auslandes. 1867. Lief. 1.

Man abonnirt auf 3 Hefte für 1 Thlr. bei allen Buchhandlungen und Poſt⸗Anſtaſ gr.

Adelaide's Schwur. Roman von Mrs. Henry Wood. Aus dem Engliſchen überſetzt von Profeſſor

uchele.

laſſen wohl dieſen dennoch eine w und den eiy

gelegentlich beſchneiden, aber es bleibt orrene Maſſe. Spuren von dem Altar Inſchriften verſehenen Grabſteinen mögen

rmnter up bar ſein, aber vom Dach iſt nichts mehr übrig, u jindert ſchaut der Himmel heiter lächelnd oder in StyWetter hinein. Einen maleriſchen Anblik bietet diej⸗ cuine in den ſchief einfallenden Strahlen der auf⸗

4 cgehenden Sonne, noch mehr in der blaſſen miſtiſchen heit einer Mondſchein⸗Nacht. Hier ſind die Felſen ſenk⸗ und nicht ſehr hoch; etwas weiterhin treten ſie ſtark zu⸗ ack und einige rohe Stufen ſind bis zum Strande unten hineingehauen; die jungen Danes, des gegenwärtigen Lords zwei Söhne, liefen ungeſtraft dieſe Stufen auf und ab, um zu ihrem Boote zu gelangen, welches ſie unten vor Anker liegen hatten. Hinter dem Schloß iſt ein Garten nicht von ſonder⸗ licher Ausdehnung; Blumen und Früchte ſcheinen hier nicht zu gedeihen; und rückwärts, zwiſchen dem Schloß und dem Dorf liegeud, ſtellen ſich Zeichen ländlichen Anbau's dar gepflügte Felder, Grasboden, hie und da eine Farm, von ihren Schobern und Scheuern umgeben alle oder faſt alle Lord Dane zugehörig Dorf, Häuſer, Güterſtücke, deren ver⸗ ſchiedene Inhaber ihm für die Nutznießung Zinſen zahlen. Es war ein ſonniger Tag im Frühling. Neben einer Gitterthüre, die auf einen Kleeacker führte, mit der Ausſicht auf die äußerſten, nach Danesfeld gerichteten Schloßfenſter, deßgleichen auf die Landſtraße und die grüne Fläche vor der⸗ ſelben, ſaß ein Gentleman, der eben etwas an einer Angel⸗ ruthe zurecht machte. Er zählte etwa achtundzwanzig Jahre; ein dogepedchſene⸗ ſchlanker Mann, mit gefälligen, obwohl et⸗ was dünnen und ſcharfen Zügen und dunklen Augen. Sein ſammetner Jagdrock war von den Schultern zurückgeworfen, denn der Tag ließ ſich wirklich warm an; er pfiff leiſe zu ſeiner Arbeit. Als er Schritte vernahm, ſchaute er auf und ſah vom Dorfe her einen Mann mittleren Alters kommen, einen Fremden, der die Kleidung von Seeleuten trug. Als derſelbe ſich dem Gitterthore näherte, nahm er ſeinen lackirten Hut ab; ob dieß aus Höflichkeit, oder nur zu dem Zweck, ſeine Stirn mit dem Taſchentuch abzutrocknen, geſchah, ließ ſich nicht genau entſcheiden. Iſt dieß Dane⸗Caſtle? fragte der Fremde. Ja 44

Ich dachte mir's wohl, äußerte der Seemann, wie zur Erläuterung für ſich ſelbſt, in leiſem Tone.Iſt die Familie jetzt im Schloß? Der mit der Angelruthe deutete auf die Flagge.Dort iſt das Zeichen. Wenn Lord Dane da⸗

eim weilt, ſeht ihr die Flagge dort wehen; in ſeiner Abweſen⸗ hei iſt ſie nicht ſichtbar.

Aber warum das? 4

Der junge Mann zuckte die Achſel; ſeine Art zu ſprechen

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