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Knieen ruhenden Strohhut leicht gefaltet, ja, ſie muß auf den Betrachter einen faſt unwiderſtehlichen Zauber üben.
Man merkt, es iſt da ein Eigenartiges, eine auf ſich geſtellte Natur. Es geht von dieſer vornehm eleganten, nicht allein in Betreff der Toilette vornehm eleganten, Mädchengeſtalt ein Ton und Duft ſtolzer und herber Jungfräulichkeit aus, etwas Abwei⸗ ſendes, um nicht zu ſagen⸗Abſtoßendes, das aber auf wahlver⸗ wandte Seelen nur um ſo anziehender wirken wird. Ein über die Jahre der Empfänglichkeit oder wenigſtens der Entzündbarkeit hin⸗ ausgekommener Beobachter dürfte ſagen: Eine ungewöhnliche, eine merkwürdige Erſcheinung! Vielleicht eine Schönheit erſten Ranges, vielleicht einer jener weiblichen Dämonen, welche geſchaffen ſind, die Männer raſend zu machen; jedenfalls aber ein verzogenes Glückskind, welches„nie ſein Brod mit Thränen aß“ und demnach „die himmliſchen Mächte nicht kennt.“
Daran mag Etwas ſein. Nicht allein inſofern, als das Frei⸗ fräulein Brunhild von Hohenauf wirklich ein verzogenes Glücks⸗ kind iſt, ſondern auch in dem Betracht, daß, wenn ſie im Trium⸗ phalpomp ihrer Schönheit durch die Geſellſchaftsſäle der Reſidenz ſchreitet, auf ihrer ſtolz erhobenen Stirne für ſehende Augen in Fracturſchrift das Credo hoch⸗ und übermüthigen Selbſtbewußtſeins zu leſen iſt:„Ich glaube an mich!“
In Wahrheit, ſie glaubte an ſich und nur an ſich. Ihr Vater, ein Geburtsbaron und zugleich— rara avis!— ein Geld⸗ baron, hatte es durch äffiſche Zärtlichkeit einerſeits und durch Läſſigkeit andererſeits glücklich dahin gebracht, daß in der ſchönen Perſon ſeiner Tochter, die ſein einziges Kind, der Hochmuth des Feudalismus mit dem des Brozenthums vollſtändig ſich verſchmolz. So war aus Brunhild beim Mangel mütterlicher Erziehung— denn ſie hatte ihre Mutter frühzeitig durch den Tod verloren— eine vollkommene Dame der großen Welt geworden, ein Stück von einer Künſtlerin, ein Stück von einer„Emancipirten“, ein Stück auch— behaupteten wenigſtens häßliche alte Jungfern— von einer Kokette, ein Weſen, welches, hoch dahinſchwebend über der„gemeinen Wirklichkeit“ der Dinge, über des Lebens Arbeit, Noth und Sorge, ſich einbildete, das Daſein wie einen genialen Scherz nehmen und mit ſo ſouveräner Virtuoſität durchſpielen zu können, wie irgend ein modiſches Brillantbravourelavierſtück.
Und doch hatte dieſes Mädchen urſprünglich eine Seele voll Zartheit, Keuſchheit und Hoheit beſeſſen, ein Herz voll tiefen Ge⸗ fühls und inniger Gluth. Es lag in ihr, auch jetzt noch, ein Keim der edelſten Weiblichkeit, ein Etwas, das ſie gleichſehr be— fähigte, unter Umſtänden erhaben⸗heldiſch in die Geſchichte hinein⸗ zuſchreiten wie Jeanne d'Are, oder aber einem geliebten Manne ſein Haus zum Himmel zu machen. Sie hatte Stunden, oder wenigſtens Augenblicke enthuſiaſtiſcher Träumerei, wie nicht minder einer ſchwermüthigen Nachdenklichkeit, wo die primitive Innigkeit, Friſche und Kraft ihrer Empfindung ſich Bahn brachen durch alle die an⸗ und eingebildeten Schranken einer grenzenloſen Ueberhebung zund alle die gleißenden Phantasmen eines maßloſen Stolzes. In ſolchen Momenten empfand Brunhild eine Herzensöde, welche ihr das Gefühl aufzwang, als müßte ſie ſehnſuchtsvoll die Arme aus⸗ ſtrecken nach der Welt und nach den Menſchen, welche ſie verachten zu dürfen, verachten zu müſſen glaubte. Es war ihr unſelig Ge⸗ ſchick, daß dieſe Stimmung immer wieder zurücktreten mußte vor den Eingebungen eines Hochmuths, welchen die Schmeichler Brun⸗ hild's den Stolz einer Amazone, einer Heroine nannten, der aber im Grunde doch eben nur die Ueberhebung verwöhnter Glücks⸗ pilzigkeit war.
Derartige verſchrobene Weſen kommen in unſeren Tagen eineswegs ſo ſelten vor, wie man ſich etwa einbilden möchte. Sie ſind naturgemäße Producte einer Zeit, welche durchweg den Schein dem Sein vorzieht, vergoldeten Schmutz höher ſchätzt als unpo⸗ lirtes Erz und ihre Gedanken⸗ und Grundſatzloſigkeit hinter einer weitbauſchigen Phraſendraperie verbirgt. Wenn die Yankees vom „allmächtigen Dollar“ reden, ſo könnten wir mit noch mehr Be⸗ rechtigung von der„allmächtigen Phraſe“ ſprechen. Sie beherrſcht, wie alles Uebrige, auch die weibliche Erziehung, und wenn man die Reſultate derſelben in's Auge faßt, muß es ſehr begreiflich und verzeihlich erſcheinen, daß die Wergen Männer mehr und mehr ſchaarenweiſe in's cölibatäriſche Lo SeWachen. Es würde lächerlich ſbeein, falls es nicht ſo traurig n⸗ dem Aſcügnuch der Mit⸗
bilden“ zu laſſen. Was ſollen daraus für Hausfrauen und was
für Mütter werden? Gerechter Himmel! Jagt die franzöſiſchen
Parlirmeiſter zum Henker; zerſchlagt die ewigen Klimperkaſten, die
nachgerade jedes Haus zu einer Clavierhölle machen; lehrt die
jungen Mädchen zeitig den Werth der Zeit und der Arbeit kennen
und woher das Brod komme; laßt ſie Hände und Finger ſtatt auf
den die Denkfähigkeit abſtumpfenden Taſten lieber in der Küche
rühren; bringt ihnen bei, daß die wahre Heimath der Frauen nicht der Ball⸗, Concert- und Opernſaal ſei, ſondern das Haus und
die Häuslichkeit; lehrt ſie denken, klar und folgerichtig denken, und
wär' es täglich nur eine Viertelſtunde, nur zehn Minuten lang;
entwickelt in eueren Töchtern ſtatt der Phraſe, ſtatt der Sucht, zu
ſcheinen und zu„brilliren“, den Eifer, etwas Beſſeres zu ſein
als die Toilettenpuppen an den Schaufenſtern der Modenmagazine;
gebt ihnen ſtatt elenden Verbildungskrams geſunden Menſchenver⸗
ſtand, Genügſamkeit, Arbeitsluſt und Sparſamkeit zur Ausſteuer,
und ihr werdet— bei allen Göttern!— endlich wieder eine Ge⸗
neration von Müttern erhalten, welche fähig ſind, tüchtige Jungen
zu gebären und ſie zu Männern zu erziehen, zu Männern, die
das Zeug haben, uns von der Tyrannei der Phraſe zu erlöſen..
Auf Fräulein Brunhild freilich würde dieſe Philippika kaum
anwendbar ſein. Sie gehört ja durch Geburt und Reichthum zu
den Erdengöttern, welche nicht wiſſen, daß das Meuſchenleben „Sorg' und viel Arbeit“ iſt, ſondern vielmehr vom Daſein nur
die Ambroſia naſchen und den Nektar ſchlürfen. Trotzdem iſt mit gutem Grund anzunehmen, daß der Herr Baron von Hohenauf, welcher, ſagte man, mittelſt ſeines ſpeeulativen Genies Millionen
auf Millionen gehäuft hatte, für das Glück ſeiner Tochter beſſer geſorgt haben würde, ſo er ſie bedeutend viel weniger zu einer „Göttin“ und bedeutend viel mehr zu einer verſtändigen Frau hätte erziehen laſſen. Das Sprüchwort vom„Müßiggang, welcher alles Verkehrten und Schlechten Anfang“, iſt freilich eine ſehr triviale Wahrheit; aber im Grunde ſind ja alle die Wahrheiten, auf welchen die Geſellſchaft als auf ihren Fundamenten ruht, Nichts als Trivialitäten. Allerdings hat Einer geſagt:„Den Vorneh⸗ men iſt der Genuß Arbeit, den Armen die Arbeit Genuß“; aber der das ſagte, war notoriſch einer der ärgſten Wirr⸗, Schwirr⸗ und Schwarbelköpfe, die jemals„philoſophiſchen“ Nonſens von ſich gaben....
Die junge Schöne hatte in der heutigen Sommermorgenfrühe eine ihrer nachdenklichen, träumeriſchen Stunden. Die Einſamkeit der Stelle, wo ſie ſaß, der balſamiſche Morgenlufthauch, der Blick in die wunderbare Alpenſchönheit hinein hatten ſie gut und weich
geſtimmt. Mit etwas vorgeneigtem Oberkörper ſaß ſie da und nie vielleicht war ihr Antlitz ſchöner geweſen als jetzt, Augen von dem lichthellen Fleck inmitten des kleinen Hochſees er⸗ hob und wie ſelbſtverloren mit klangvoller Altſtimme ſagte:„Ein Lichtſtrahl auf trügeriſcher Fluth— das ſoll ja das Glück ſein.“ Aber als wollte ſie ſich dafür beſtrafen, daß ſie einer„altſränkiſch
—
zuſammengezogenen Brauen laut hinzu:„Bah, das Glück iſt, was man ſelbſt daraus macht!“
Sie fiel aber doch wieder in den Gedankengang oder beſſer in die Gefühlsſchwingung von vorhin zurück. Wieder haftete ihr Blick auf dem Lichtpunkt im See drunten und nach einer Weile murmelte ſie:„Es iſt recht eigen, recht wunderlich! Das Waſſer da ſieht mich an wie ein lockendes Auge, das bittend ſagt: Komm! her!“ Dann machte ſie eine raſche, unmuthige Bewegung, als fühlte ſie ſich plötzlich angefröſtelt, erhob ſich, als wollte ſie weggehen. Aber ſie that es nicht. Ihr weitbauſchendes Seidenkleid rauſchte heftig, als ſtampfte ſie mit dem zierlichen Fuß auf den Raſen, und mit den wie un Zorn geſprochenen Worten:„Was das für Albernheiten ſind!“ nahm
da ſie ihre
empfindſamen“ Stimmung ſich überlaſſen habe, fügte ſie mit leicht
zog ihre Mantille hinauf und
ſie ihren Platz auf der Bank wieder ein. Sie ahnte nicht, daß ſie ihr Schickſal erwartete. Aber
die Stolze es geahnt, ja gewußt hätte, würde ſie, wie ſie u
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einmal war, kaum davor geflohen ſein, ſondern es nur um . Sö 4
trotziger erwartet haben.
2.
Sigfrid.
n 3.. 5A. ad allüberall immer mehr Ihn der Je Stelete zwe⸗Phraſe ſich ſeuen läßt, ſeine Töchter zu müßiggänden. Anderswſen„aus⸗ eine Grupe 3 Xee, ineinande
hinaufthürmenden Bergwand vor
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Während droben die ſchöne Brunhild von der Höhe des Burgruinenhügels, welcher wie eine Art Warze aus der hoch ſich ſpringt, auf den kleinen Hochſee l
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