Inſtinctmäßig berührte er das glänzende überzeugen, ob er auch nicht träume, und erſt der helle Klang, den der Schlag des Berghammers den Adern des edeln Metalls ent⸗ lockte, bewies ihm, daß das, was er vor ſich ſah, volle Wirklich⸗ keit war. Erſt als die Fackel nahe am Verlöſchen war und die Rückkehr deshalb nothwendig wurde, dachte er daran, Proben des reichen Geſteins mitzunehmen und ſchlug in aller Eile ſo viele Stücke von den Wandungen der Höhle ab, wie er tragen konnte. Ta⸗ wanka half ihm anfangs dabei, dann aber, als der letzte Reſt des Kienſpans ihm die Hand zu verſengen drohte, faßte er ſeinen auf⸗ geregten Freund am Arme und zog den Widerſtrebenden in den Gang hinein, durch welchen Beide ohne Unfall an die oben er⸗ wähnte Oeffnung gelangten, durch die der Mond' ſein mildes Licht fallen ließ. Die kühle Nachtluft that dem Deutſchen wohl und es gelang ihm, ſeine Aufregung gewaltſam zu bemeiſtern. Tawanka mahnte zur Rückkehr nach dem Lager. Werner warf raſch noch einmal prüfende Blicke auf die Umgebungen, damit er, falls er ohne des Indianers Begleitung die Stelle wieder auf⸗ ſuchen wolle, dieſelbe auch allein wiederfinden könne. Dann belud ſich der Häuptling mit dem ledernen Sacke, welcher die Silber⸗ proben enthielt, winkte dem Deutſchen ihm zu folgen und ſchlug denſelben unwegſamen Pfad nach der Küſte ein, auf welchem ſie gekommen waren. Zwei Stunden ſpäter langten Beide am Bi⸗ vouac an, wo ſie die Indianer ſämmtlich ſchlafend antrafen, bis auf einen, der die Flamme des Feuers zu unterhalten hatte, und ſtreckten ſich ermüdet bald ſelbſt zur Ruhe hin.
Vierzehn Tage ſpäter finden wir Werner auf ſeinem Bureau wieder, wo er bei verſchloſſenen Thüren die reichen Silbererze, welche er von jener gefahrvollen Expedition, ohne Aufſehen zu er⸗ regen, glücklich nach den Toltec⸗diggings gebracht hatte, einer ge⸗ nauern Prüfung unterwarf. Tawanka ſtand neben ihm und ſah mit dem Ausdruck innerer Zufriedenheit, wie der deutſche Berg⸗ mann die ſchönen Kryſtalle im Lichte der untergehenden Sonne betrachtete. Er war gekommen, um Abſchied zu nehmen, denn die unerbittlichen Feldmeſſer waren dieſes Frühjahr angelangt und hatten ihm angekündigt, daß er mit ſeinen Stammgenoſſen die Jagdgründe an dem kleinen See verlaſſen und ſich eine andere Heimath im fernen Weſten ſuchen müſſe. In Folge dieſer Auf⸗ forderung, die einem Befehle gleichkam, hatten die Indianer ihre Wigwams abgebrochen und ſich Canoes am Ontonagonfluſſe ge⸗ baut, um auf ihnen irgend einen Punkt des britiſchen Territo⸗
Geſtein, um ſich zu de e
riums auf der Nordküſte des Oberen Sees zu erreichen, wo ſie
von den Behörden Schutz und Aufnahme zu finden hofften. Nur der Häuptling war noch zurückgeblieben, um ſeinem deutſchen Freunde gegenüber, den er allein von allen Weißen nicht haßte, ſein Herz auszuſchütten.
„Ihr ſollt bald von uns hören,“ ſagte er zu Werner beim Abſchied, „und wenn wir erſt in Canada unſere Wigwams aufgebaut und unſern Mais gepflanzt haben, ſollen meine Leute Euch zu Dienſten ſein. Wir werden dann ein Lager auf der Inſel aufſchlagen und ſo viel Silbererz aus der Höhle ſchaffen, als Ihr verlangt. Alſo bis dahin wartet und behaltet Geheimniß für Euch, denn wenn die Yankees etwas davon wittern, ſo werden ſie Euch, den Aus⸗
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Das
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länder, eher kalt machen, als Euch die Ausbeute gönnen, denn ſie ſind die Kinder des Teufels.“ Dann ſchüttelte er ſeinem Freunde herzlich die dargebotene Hand, ſchulterte ſeine Büchſe und ver⸗ ſchwand bald in dem düſtern Schatten der Wälder, welche die Toltec⸗diggings umgeben, ohne die weißen Arbeiter, die ihm begegneten, eines Blickes zu würdigen.
Werner, der ſich der Erfüllung ſeiner Wünſche ſo nahe ſah, dachte nunmehr an Nichts weiter, als ſich die Mittel zu verſchaffen, um die auf der Inſel verborgenen Schätze realiſiren zu können. Zwar theilte er in etwas das Mißtrauen des Indianers gegen die HYaukees, aber er ſah auf der andern Seite ein, daß ohne die Hülfe von tüchtigen Geſchäftsmännern und Capitaliſten die Silbermine nur ein todtes Gut für ihn ſein würde. Als praktiſchem Bergmanne war es ihm klar, daß der flüchtige Beiſtand von ein Dutzend un⸗ erfahrenen Rothhäuten, die ohnedem zur regelmäßigen Arbeit ſelbſt bei dem beſten Willen untauglich waren, la tnen würde, um die ſeinen geſteigerten Wünſchen entſpr das Tageslicht zu ſchaffen. Seine eigenen wrrree beſchränkt, um einen Dampfer zu unterhalten, welcher doch un⸗ umgänglich nothwendig war, um den Proviant für die Arbeiter, das Sprengpulver, die verſchiedenen Maſchinerien und das ſonſtige Material für den regelmäßigen Bergbau nach der wüſten Inſel von den Häfen des Sees herbeizuſchleppen. Eine oberflächliche Ausbeute, obgleich eine ſolche ihn ebenfalls zu einem unabhängigen Manne gemacht haben würde, da das edle Metall in leicht zu löſenden Maſſen vorhanden war, genügte ihm nicht mehr, weil er, von dem allgemeinen Minenfieber angeſteckt, nun einmal ſei⸗ nen Kopf daran geſetzt hatte, ein ſchwerreicher Mann zu werden. Deshalb fing er an, die wohlgemeinten Warnungen Tawanka's, von ſeiner Entdeckung nichts verlauten zu laſſen, zu vergeſſen, und ſann nur darüber nach, auf welche Weiſe er ſich einen gewandten und bemittelten Compagnon verſchaffen könnte, um mit deſſen Hülfe und Geld den größtmöglichen Ertrag aus dem Bergwerk zu erzielen und dann bald als reicher Mann nach Deutſchland heimzukehren. 3
Als Werner ſich eines Tages, nicht lange nach der Abreiſe Tawanka's, in ſolchen luculliſchen Träumen wiegte, trat plötzlich Mr. Jones in ſein Bureau ein und drückte ſeine große Freude darüber aus, daß er ſchon in Ontonagon, wo er am vorigen Tage angekommen ſei, ſo viel Rühmens von der Thätigkeit des deutſchen Bergmanns gehört habe.„Ich konnte,“ ſagte er,„der Verſuchung, Sie hier zu beſuchen, gar nicht widerſtehen, da mich meine Reiſeroute in Ihre unmittelbare Nähe führte. Im Auf⸗ trage einer New⸗Yorker Compagnie bereiſe ich nämlich dieſes Jahr die Mineralgegenden am See zum zweiten Male wieder, um wo möglich einen Minendiſtrict zu kaufen, der den Wünſchen der Herren entſpricht. Ich habe deshalb den kurzen Weg nach den Toltec⸗ diggings nicht geſcheut, um mir Ihren Rath zu holen, da ich im Voraus annehmen muß, daß die Erfahrung, welche Sie jetzt in Folge Ihrer Stellung gewonnen haben werden, Ihrem Urtheile großen Werth verleihen wird.“
(Fortſetzung folgt.
„Fahren's nit nach Amras?“ rief mich ein Lohnkutſcher unter der Thür meines Innsbrucker Hotels an und ſchnalzte heraus⸗ fordernd mit der Peitſche.
„Nach Amras? iſt dort an die dicke Wirthin, welche Gaſſe hinausblickte.
„Nu, was eigentlich zu ſehen wär,“ erwiderte ſie,„haben die Oeſterreicher aus dem Landl nach Wien geſchleppt und zurück⸗ geben haben's die Sammlung nimmer, obſchon's dazumal der Kaiſer Franz verſprochen hat. Aber„ Amras hat die Philippina Welſer gelebt, das Bürgermädel von Augsburg, das nachher im Bad abgeſtochen haben, weil ſie ein bischen lutteriſch geweſen ſein ſoll und ihr Mann ein kaiſerlicher Erzherzog war.“
Von Licht und Glanz umwoben ſchwebte das Bild der ſchö⸗
ſehen?“ Hände in
was zu die
wendete ich mich der Schürze auf die
Ein todtes Schloß.
Skizze aus Tirol
Von L. M.
nen Augsburgerin vor meiner Seele, all die Träume jugendlicher Romantik erwachten wieder, ich rief:„Nach Amras!“ Der Wagen ſollte mich nach Tiſch erwarten. Vorläufig ging ich in das Muſeum, wo mir ein Freund das Wichtigſte zu zeigen verſprochen hatte. Die Hallen deſſelben bargen manchen intereſſan⸗ ten Kunſt⸗ und Naturſchatz; mich feſſelte vorzüglich das Portrait Philippina’'s, holde, anmuthsvolle Züge, klar und faſt mädchen⸗ haft unſchuldig, aus dem blauen Auge leuchtete ein keuſcher Stolz, der ahnen ließ, daß ſich die Tochter des Augsburger Bürgers auch dem Sohne des Kaiſers nur als Gattin verloben und nicht zu frechem Spiel hingeben konnte. Ihr gegenüber hing das Bild Ferdinand's, der dem Zorne des Vaters zu trotzen wagte und ſie heimlich heimführte, wie nach ihm Erzherzog Johann mit dem Mädchen des Poſtmeiſters von Auſſee gethan. Ferdinand's Geſicht
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