dungsproceſſe gewinnen, ſo ragt es hier maſſenweiſe faſt in gedie⸗ genem Zuſtande aus der jungfräulichen Erde hervor.“
„Ja, ich habe wirklich Wunderdinge davon erzählen hören,“ ſagte Werner,„und bin äußerſt geſpannt, die Minerallände⸗ reien an Ort und Stelle kennen zu lernen. Auch habe ich ſo meine Vermuthungen, daß in dieſer Trappformation außer dem
Kupfer noch andere Metalle vorkommen müſſen.“
„Sie meinen doch nicht Silber?“ unterbrach hier haſtig der Amerikaner,„könnten Sie Silbererz in ordentlichen Stufen finden, dann wäre Ihr Glück für immer gemacht!“
„Ei nun,“ ſagte Werner,„die alten Handſchriften aus der wo der Vater Marquette und die andern Jeſuiten dieſe laſſen keinen Zweifel obwalten, daß das felſige
Zeit, Gegenden bereiſten,
Plateau, in welchem der Obere See gewiſſermaßen mit ſeinem Becken eingeſprengt iſt, an vielen Stellen ſilberhaltigen Quarz
aufweiſen muß. Ich ſelbſt habe zu Quebek und Montrealgin den Kloſterbibliotheken vergilbte Manuſcripte gefunden, in welchen die alten Reiſenden, freilich mit ihrer gewöhnlichen Uebertreibung, erzählen, daß auf den Inſeln des Sees früher ein Volksſtamm gelebt habe, deſſen Geräthſchaften ohne Ausnahme mit dem ſchwerſten Silber geſchmückt geweſen wären.“
Mr. Jones war bei dieſen Worten Werner's ganz Auge Ohr und hätte die Unterhaltung noch gern fortgeſetzt, wenn der Dampfer in Sicht der berü hmten Felscapelle gekommen wäre, welche hier durch die ſchaffende oder zerſtörende Hand der Natur mitten in die Felſenwände eingeſprengt iſt. Dieſes wunderbare Schauſpiel zog den größten Theil Paſſagiere auf die Galerie hinaus, um den prachtvollen Anblick ſich nicht ent
und nicht
gehen zu laſſen, den dieſe ohne Mitwirkung von Menſchenhänden geſchaffene Baſilica mit ihren bunten, gleichſam gemalten Pfeilern und romaniſchen Schwibbogen dem ſtaunenden Auge darbietet. Dumpf ſchlug die Brandung an die über dreihundert Fuß hohe marmorirte Mauer der Küſte, und eine grüne Woge nach der andern wälzte ſich mit ſchaumbedecktem Kamme durch das hohe Portal der Felſenkirche, wo die zwiſchen den ſtarren Säulen zu
ſammengepreßten Gewäſſer, durcheinander wirbelnd, ein Geräuſch hervorbrachten, mit dem Echo der weiten Wölbung vermiſcht dem Donner des Niagara nicht nachſtand. 5 bis dahin aus
das
Der Capitain, der Gefälligkeit für ſeine Paſſagiere, um ihnen die mehr als romantiſche Scenerie zu zeigen, längs der Küſte gefahren war, ließ nun den Dampfer mehr der Mitte des Sees zu ſteuern, und bald glaubten die Reiſenden, daß ſie ſich auf offenem Meere befänden, denn die Küſte ſchwand aus Sicht, und der große Dampfer von mehr als zweitauſend Tonnen Gehalt begann zu ſchlingern und zu rollen, daß die Meiſten es vorzogen, ihre Mahlzeiten im Stiche zu laſſen und ihre Betten aufzuſuchen. Werner hatte eine kräftige Natur und überwand die tückiſchen Angriffe der Seekrankheit leicht dadurch, daß er ſich fort während auf Deck hielt, wo er dem Spiel der Wellen und Wol ken zuſchaute und die reine Luft einathmete, die dieſem Klima eigen iſt. Mr. Jones und alle anderen Herren, mit welchen er an Bord Bekanntſchaft gemacht, waren gegen Abend unſichtbar ge worden, und die Geſellſchaft im Schenkzimmer, wo einige profeſſio⸗ nelle Spieler, wie dieſe leider auf allen Dampfbooten der Union zu ſinden ſind, ihr wüſtes Handwerk trieben und zechten, zog ihn nicht an. So blieb ihm denn nach dem eingenommenen Thee Nichts weiter übrig, als gedankenvoll auf der Galerie zu ſitzen und den tief indigoblauen Himmel anzuſtaunen, auf dem die wohlbekannten Sternbilder in einer unendlichen Klarheit glänzten, wie er ſie in ſeiner Heimath nie geſchaut hatte. Vor ſeinem geiſtigen Auge ſchwebten die politiſchen Kämpfe, welche ihn aus dem Vaterland vertrieben hatten, die Geſichter ſeiner Lieben, als ſie Abſchied von dem Flüchtling nahmen, und die Anſtrengungen ſeines unterdrückten Volkes, wie es um nationale Selbſtſtändigkeit rang. Alles das tauchte in ſeiner Erinnerung auf. Der atlan tiſche Ocean war ihm wie ein weißes Blatt im Buche ſeines debens erſchienen; es Pandelte ſich jetzt für ihn darum, eine neue
enz zu erkämpfen, um ſpäterhin eine Vereinigung mit den einen möglich zu machen. Freilich hatte er vor vielen andern das voraus, daß ſeine in Amerika ſo geſuchten
Fr
Eingewanderken
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146 nur dieſen mächtigen Süßwaſſer⸗See an, der faſt ein eben Fachkenntniſſe ihm ſchon eine ſichere Stellung verſchafft hatten, in ſo großes Becken zeigt, wie das baltiſche Meer. Hier iſt Alles der er wenigſtens frei von Nahrungsſorgen zu ſein glaubte; in⸗ großartiger, als drüben. Wenn Sie in Deutſchland das Bischen deſſen ließ ſein deutſches Gemüth nicht zu, daß er ſich unter dieſen Kupfer mühſam durch Pochwerke und künſtliche chemiſche Schei⸗ ſcharfmarkirten anglo⸗ ſächſiſchen Charakteren wohl fühlte. So
fürchtete er, ſtets als ein Fremdling iſolirt und namentlich in dieſem Theile des Landes, wo die gebild ldiken Deutſchen eine Seltenheit war.
Seinen Gedanken überlaſſen, ſaß denn Werner ſpät in die Nacht hinein, bis die Sterne hinter grauem Gewölk verſchwanden und ein ſteifer Nordweſtwind einſetzte, der den bis dahin ziemlich ruhigen See in Aufruhr brachte. Der Dampfer befand ſich nach Mitternacht auf der Höhe der Manitouinſel, nicht weit von Eagle⸗Harbor, in einer Gegend, wo durch die eigenthümliche Bil dung der Halbinſel, welche hier von der Südküſte faſt achtzig Meilen weit in das Waſſerbecken hineinragt, entgegengeſetzte Luft⸗ ſtrömungen eintreten und oft, ſelbſt mitten im Sommer, heftige Stürme verurſachen. Schon die Indianer fürchteten dieſe Stelle des Sees und nannten dieſe Inſel deshalb Geiſterinſel, weil ſie glaubten, daß die heftigen Windſtöße, welche hier dem unvorſich tigen Schiffer ſo gefährlich werden, durch die Tücke böſer Dänio⸗ nen verurſacht würden.
Als Werner, von dieſem plötzlichen Aufruhr der Elemente überraſcht, vorn auf die Galerie getreten war und ſich bei dem Stampfen des Schiffes an einem der Pfeiler hielt, welche das Hurricanedeck unterſtützen, huſchte eine Geſtalt aus der noch er leuchteten Kajüte hervor und ergriff ihn am Arme. Erſtaunt ſah ſich der Deutſche um und erkannte bei dem Lichtſchein, welcher durch die geöffnete Thüre des Salons fiel, ſeinen neuen Reiſege fährten, Mr. Jones.
„Machen Sie geſchwind
einſam zu ſtehen, Erſcheinung eines
daß Sie hereinkommen!“ rief ihm
dieſer mit einer Stimme zu, welche das Heulen des Windes über⸗ tönte,„Sie kennen die Stürme auf dieſen Seeen noch nicht. Sehen Sie nicht, die Galerie kann jeden Augenblick üben Born
gehen! ſie iſt ja nur angebaut, abzureißen. Kommen Sie hübſch herein; de iſt feſt genug, da ſind Sie ſicher.“ Beſtürzt ſchaute Werner durch die Nacht in getöſe und
jede ſtarke Welle vermag ſie r Rumpf des Dampfers
und
das wilde Wogen bemerkte zu ſeinem nicht geringen Erſtaunen, daß man ihn ganz allein auf der zerbrechlichen Galerie gelaſſen hatte, ohne ihn auf die Gefahr aufmerkſam zu machen. Vielleicht hatten die Schiffsleute bei dem ausbrechenden Wetter zu viel zu thun ge⸗ habt, um an ihn zu denken, oder ſie huldigten dem amerikaniſchen Grundſatze, daß Jedermann für ſich ſelbſt ſorgen müſſe. Ein paar Dankesworte ſtammelnd, folgte er Mr. Jones in die Kajüte, wo man vor dem Anprall der Wellen ſicher war.
Eine Viertelſtunde ſpäter erreichte der Sturm ſeine größte Höhe, und die Officiere des Dampfers hatten alle mögliche Mühe, dieſen dem Winde gerade in die Zähne zu ſteuern, obgleich das lange Fahrzeug dem Helme vortrefflich gehorchte. Trotz der cor⸗ recten Führung ſtifteten die ſcharfen, kurzen Wellen des Sees, die denen der Oſtſee gleichen, an den Außenwerken des Dampfers vielen Schaden, wenn ſie auch dem eigentlichen Rumpf Nichts anhaben konnten. Sie zertrümmerten die Radkaſten und brachen auch denjenigen Theil der Starbordgalerie ab, wo Werner noch⸗ vor kurzer Zeit geſtanden hatte. Dieſer mußte deshalb auch die freundſchaftliche Fürſorge Mr. Jones' dankbar anerkennen, als er bei Tagesanbruch die Verwüſtungen betrachtete, welche der Sturm während der Nacht angerichtet hatte.
Schnell, wie das Wetter aufgezogen war, es nach, und als die Sonne aufging, hatte die Saratoga nur noch mit der heftigen Strömung zu kämpfen, welche ihr bei Ke⸗ weena Point entgegenrollte. Die Paſſagiere krochen aus ihren Cabinen hervor, wenn ſie nicht ſeekrank waren, und die Stewards ſetzten ein ſubſtantielles Frühſtück auf, bei deſſen Genuß d die Leiden der Nacht bald vergeſſen wurden. Gegen Mittag kam auch die deutſche Muſikbande wieder zum Vorſchein, die während der Nacht im Zwiſchendeck eben kein comfortables Quartier bezogen hatte und ziemlich übernächtig ausſah; aber als die braven Leute die friſche Seeluft wieder in vollen Zügen einſogen und die hellen Sonnen⸗ ſtrahlen über das grüne, bewegte Waſſer hinſpielen ſahen, faßten ſie wieder Muth und blieſen„Heil Columbia“ mit einer ſolchen Präciſion und ſolchem Feuer, daß ſelbſt die Seekranken in ihren Kojen mit einſtimmten. So ging der Reſt des Tages ganz an⸗ genehm hin, und gegen Abend kam Cagle Harbor in Sicht, die
ebenſo ſchnell ließ
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