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„Aber das Leben eine hohe, heilige Aufgabe,“ ſagte Hermann ernſt,„die jetzt ihren Mann an Dir fordert. Denke daran, was Du einem edlen Herzen ſchuldig biſt!“
„Helene!“ rief Alfred ſchmerzlich. kann ich ihr noch angehören?“
„Sie trägt eine große Liebe im Herzen, und, Alfred, die ver⸗ zeiht und überwindet viel. Gelobe mir, daß ihre Liebe nicht ihr Unglück werden ſoll.“*
„Wie kann ſie mir, wie
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Alfred ſah ſeinem Bruder lange in die ernſten Augen, dann
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legte er langſam, aber entſchloſſen ſeine Hand in die Hermann's: „Ich gelobe es Dir!“ ſprach er tonlos.
Als Hermann ſeine Aufgabe erfüllt ſah, als er der Wieder⸗ vereinigung Alfred's mit Helenen gewiß war, kehrte er auf ſein ſtilles Gut zurück. Wirken, ſchaffen und für das Wohl Anderer zu ſorgen, war ihm Bedürfniß und das einzige Heilmittel für ſeine Scele. Die gewohnte Ruhe und Faſſung, ſelbſt eine gewiſſe äußere Heiter⸗ keit fand er wieder, aber in ſeinem Herzen verſtummte nie eine Stimme, welche ihm zuflüſterte:„Sie war das Licht Deines Lebens!“
welchem der beiden Gedichte gebührt der Preis?*
Entſagung und Troſt.
Geträumt hab' ich in meiner jungen Zeit
Von Trommelwirbeln, von Trompetenſchall,
Von Schwerterklirren und von Büchſenknall,
Von Heldenthum und von Unſterblichkeit;
Und fieberkrank erhob ich meine Hand,
Um Kränze von dem Baum des Ruhms zu pflücken, Nach Thaten brannte ich, um in den Sand
Der Zeit für ewig meine Spur zu drücken.
Nach fremden Zonen trieb es mich zu geh'n, Die Berge dünkten mir zu Haus zu flach,
Zu eng die Thäler und der Rhein ein Bach; Ich wollte Alpen, Meer und Welten ſeh'n, Trotz bieten wollt' ich Stürmen und Orkan, Der Tropen Pracht mit eignen Augen ſchauen, Gen Weſten zich'n in's neue Canaan
Und am Ohio Mais und Weizen bauen.
Und überall, wohin ich ging und kam,
Fand ich ein Weh; ſo einſam lag kein Land, Daß nicht den Weg zu ihm die Sorge fand, Und wo kein Baum gedieh, gedieh noch Gram. Und magſt Du zieh'n nach Süd und Nord, Gen Oſt und Weſt, nach allen Winden,
So wirſt Du ſtets daſſelbe Loſungswort,
Die Arbeit und des Lebens Mühſal finden.
Daſſelbe Kämpfen um Dein täglich Brod, Das ſich nicht lohnt ſo ſchwer verdient zu ſein, Erwartet Dich am Hudſon wie am Rhein, Ihr Bürgerrecht hat überall die Noth.
Und häufſt Du auch durch langer Jahre Fleiß Reichthümer auf,— wo iſt für ganze Haufen Von Gold ein Arzt, der Dir ein Mittel weiß, Nur einen Ingendtag zurückzukaufen?
Zwar darf's Dich reizen, auf dem rauhen Pfad Des Ruhms zu wandeln, der Vergeſſenheit Ein Denkmal und ein ewig Lob dem Neid
Ab zu ertrotzen durch berühmte That;
Doch Deinem Ehrgeiz, Deiner Ruhmbegier Wird bald aus Ueberdruß der Flügel ſinken, Wenn Du die Thoren anblickſt, die mit Dir Sich bücken, um Unſterblichkeit zu trinken.
Und war Dir ſonſt ein Königreich zu klein, So reicht gar bald ein Acker Landes hin,
Ein ſchützend Dach, ein Scheit in dem Kamin, Ein Weib und Kind, um glücklicher zu ſein Als ein Tyrann, deß Launen über Draht Bis an die Grenzen eines Erdtheils eilen, Dem doch zuletzt kein dienender Senat Beſchließen kann, ihn von dem Tod zu heilen.
D
Drückt Dich auch oft und beugt Dich Deine Laſt, Und wird es Dir um's Herz verzagt und bang, So tröſte Dich: Das Leben iſt nicht lang
Und kurz der Pfad, den Du zu wandeln haſt; Dann kommt der Tod, er klopft an Deinem Thor, Wie er gethan am Thore Deiner Väter;
Er kommt Dir wie ein alter Hausfreund vor, Beſuchen wird er Deine Kinder ſpäter.
Er ſpricht zu Dir:„Mein Freund, Du haſt geträumt, Geſtritten und geſorgt,— es iſt jetzt Zeit, Um auszuruh'n, Dein Ruhbett iſt bereit, Ein einſam Haus hab' ich Dir eingeräumt!“ Du horchſt und hauchſt den Athem in den Wind. Ob Gras Dein Grab bedeckt, ob Marmorplatten, Es ſteht darauf geſchrieben: Eitel ſind Die Dinge— und das Leben blos ein Schatten. Konrad Krez in Steboygan, Staat Wisconſin in Nordamerika.
Ein Menſchenherz. In ein verlaſſ'nes Zimmer trat ich jüngſt, Das ſchon ſeit Jahren keines Menſchen Fuß. Berührt, auch meiner nicht. Dumpf war die Luft, Wie Grabeshauch; durch blinde Scheiben fiel Das Licht des Tages matt und bleich herein, Mißfarb'ge Ringe malend an die Wand, Dran der Tapete Zierrath längſt erblaßt, Und dichter Staub, der Moder alter Zeit, Wie Aſche lag auf Teppich, Stuhl und Tiſch....
Unheimlich war es in dem öden Raum, Und dennoch traf es mich wie Frühlingshauch, Wie Duft im Mai, wenn junge Roſen blüh'n! Denn einſt in dieſes ſchweigſame Gemach Aus dem Gewühl des Lebens flüchtet' ich, Um hier im Arm der Liebe auszuruh'n. O, welche Küſſe wurden hier getauſcht, —lh ſüßes Flüſtern klang durch dieſe Stille, Wie Jied der Nachtigallen, das, leisathmend, /In's heil'ge Schweigen ſich der Nacht verliert! Ja wohl, das ſind dieſelben Kiſſen noch, Auf denen einſt die Liebſte ſich gewiegt, Wenn ſie mit weichen Armen mich umſchlang, er Spiegel das, verwittert und umflort, der einſt ihr Bildniß mir zurückgeſtrahlt In ihrer Lockenfülle goldner Pracht, Und hier, o Gott, hier iſt ja noch die Uhr, Auf ſchwankem Bronzeſockel aufgeſtellt, Die einſt mir meines Glückes Stunde wies!...
Und wie ich jetzt der Uhr mich nähern will, Den roſtzernagten Zeiger zu betrachten,
Und wie mein Fuß mit ungewiſſem Schritt Den morſchen Eſtrich rührt, daß Staub aufwirbelnd Zur Decke ſteigt—
Da plötzlich regt ſich's in der todten Uhr, Der Pendel bebt in leiſen Schwingungen, Ein ächzend Dröhnen geht durch das Gehäus, Die Räder ſtöhnen, o ſo müd, ſo müd,
Wie Todesſeufzer einer kranken Bruſt,
Und leiſe, leiſe pickt die Uhr, ein, zwei, Dreimal— und wieder ſteht ſie ſtill
Und ich gedachte an ein Menſchenherz,
Das, wenn der Leuz des Lebens abgeblüht,
In dumpfer Stille jahrelang verharrt,
Unſtörbar, gleich der abgelaufnen Uhr;
Doch naht Erinn'rung alter Zeiten ſich
Mit ſchwankem Fuß und deckt die Gräber auf Vergang'ner Wonnen, dann noch einmal wehl es In grimmem Schmerz, ein, zwei, dreirul, und ſteht Dann ſtill auf ewig......
Robert Prutz in Stettin.
Wir entnehmen dieſe Gedichte dem von Chriſtian Schad und Ignaz Hub jüngſt herausgegebentt„Album für Ferdinand Freiligrath zc.“, können aber die Bemerkung nicht unterdrücken, daß uns keine der anderen darin veröffentlichten Joeſien mit den hien mitgetheilte
auf gleicher Höhe zu ſtehen ſcheint.
S
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