Jahrgang 
8 (1868)
Seite
114
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Roſalie, flüſterte er,iſt das ein oder umgiebt mich die Seligkeit des Himmels?

Nein, Alfred, entgegnete ſie, leben!

Bei dem Klang ihrer Stimme war ihm d zurückgekehrt; er ſprang auf, ſtürzte leidenſch zaftlich ihre Kniee. Ich lebe nur, rief er,weil ich bei Dir bin, Roſalie, und will auch nur leben, um Eins ſein zu dürfen mit Dir!

Sie trat von ihm zurück und bedeckte ihre Augen mit der Hand.

Gott im Himmel, ſagte ſie bebend,was iſt das?! Kenne ich, kennſt Du mein Herz noch? und dann wieder ließ ſie die Hände von ihrem Geſicht ſinken, blickte auf Alfred und brach faſt wie mit eian Schrei in die Worte aus:Nein, das iſt kein Haß mehr ich fühl's, ich liebe ihn!

In der nächſten Secunde hielt er ſie in ſeinen Armen, be⸗ deckte ſie mit ſeinen flammenden Küſſen und ſtammelte vor Se lig⸗ keit trunken ihren Namen. Einen Augenblick lang überließ auch ſie ſich dem vollen Ausbruch der Leidenſchaft, dann aber riß ſie ſich aus ſeinen Armen.

Und nun in dieſer Stunde, Alfred, Dir ſagen, daß Gott ein Wunder gethan hat an meinem Herzen, denn dies Herz höre es wohl, Alfred! dies Herz hat Dich gehaßt bis in den Tod!

8 Roſa lie! rief er erbleichend.

Von jener Stunde an, fuhr ſie fort, verließeſt, habe ich nur den einen Gedanken, das eine Gebet der Rache gehabt, und nicht feſter war ich überzeugt von Gottes Barmherzigkeit, als davon, daß ein Tag kommen würde, der mir dieſe Rache brächte. Nicht ich brauchte ſie zu vollziehen! Das Schickſal ſelbſt that es und in jedem Schritt, der Dich dem Ver⸗ derben näher brachte, erkannte ich ſeine Fügung. Als ich Dich zusnſt an der Spielbank wied derſah, als ich auf eine Karte mit Dir ſetzte, wußte ich, daß ſie gewinnen würde, denn, Alfred, ich ſpielte um den Einſatz meines Lebens! Und ſo wollte ich nicht, ich mußte e Dir hierher folgen als Dein Verhängniß, das ſich ſtumm und ſicher vollz zog. Heute endlich, heute war der Tag ge⸗ kommen, wo ich Dich erſchndett ern, Dich vor mir im Staube ſehen wollte, wie einen Wurm, den ich; zertreten durfte!

Ein B Zeben flog durch ſeine Glieder und ſchüttede ſie wie im Fieber.

Und nun, Roſalie, und nun? fragte er athemlos.

Als ich Dich niederſtürzen ſah, fuhr ſie fort,Deinen Tod vor Augen hatte, da war mir, als ginge ein plötzlicher Riß durch mein Herz und durch mein ganzes Leben und nun, Alfred, nun iſt mir, als wäre ſelbſt geſtorben und feierte meine Auferſtehung!

Ihre Augen, welche eben noch in wildem Feuer geglüht hatten, nahmen pl lötzlich den Ausdruck einer wunderbaren Weich⸗ heit an und wie in einer Verklärung ſtand ſie vor Alfred, der hingeriſſen auf das ſchöne Weib blickte. 1

Ja, eine Auferſtehung feiern wir Beide, rief er,eine Auferſtehung von Zweifel, Irrthum und Sünde! Die Liebe iſt unſere Erlöſung geworden ſie wird unſer Leben ſein!

Er war wieder vor ihr niedergeſunken, und während ſie ſich zu ihm niederbeugte und ihn umfaßt hielt, ruhte ſein Kodf an dem Herzen aus, das vor einer Stunde noch von tödlichem Haß gegen ihn erfüllt war. Was kommen, was werden ſollte daran dachten Beide nicht in dieſen Augenblicken, ſo wenig wie an das, was geweſen war. Die Vergangenheit war verſunken und die Zukunft hatte keine Macht über ſie; für ſie war nichts da, als die Gegenwart, die flammende, berauſchende, beſeligende Gegenwart!

Als er ſie ſpät am Abend verließ, um nach der Stadt zurück⸗ zukehren, trat ſie wieder wie am Nachmittage auf den Balcon hinaus, und wieder ſah er ihre Grüße und dankte ihr mit ſtrah⸗ lenden Augen; und als er ſchon weit eutfernt war, ſah er noch durch die Dunkelheit das weiße Tuch, womit ſie ihm das letzte Lebewohl zuwinkte.Bis morgen nur! jubelte es in ſeinem Herzen undbis morgen! ſagte auch ſie ſich, als er ihren Blicken entſchwunden war. Es war ein Zauber über Roſalie gekommen, der ihr ganzes Weſen verwandelt hatte.

Sie zählte am folgenden Tage die Stunden, welche ſie noch von dem Wiederſehen trennten, doch wieder in ſeliger Erwartung.

Traum, es iſt Wahrheit, daß Sie

das volle Bewußt⸗

ſein; zu ihren Füßen und um

faßte

ſprach ſie,will ich

wo Du mich einſt

und verbrachte ſie Da hörte ſie plötzlich auf dem

die Minuten,

Corridor Schritte hatte ihre Sehnſ gelockt, oder war es ſeine eigene Ungeduld, Stunde vorangeeilt war? Wie es auch kam jubelnd, daß er da war, und ſprang auf, eilen.

n doch früher her⸗ der feſtgeſetzten

ſie empfand um ihm entgegen zu

8 demſelben Augenblick öffnete ſich die Thür, und erbleich end e ſie zurück. Der Eintretende war nicht Alfred. Hermann, ſtammelte ſie,was führt Sie zu mir?

Er blickte ſie ſchmerz lich an:Sie wiſſen es, Roſalie!

Hermann, Sie ſind der Verkünder meines Schickſals! So ſagen Sie mir: iſt Alfred todt? Ich kenne jetzt kein anderes Unglück!

Nein, Roſalie, er iſt nich ude ich habe ihn verlaſſen 35 lend und glücklich, in dem ſogestrünkeen Bewußtſein, Sie lieben, von Ihnen geliebt zu werden!

Der alte Muth kam ihr zurück, und ſie richtete ſich hoch auf: Was er ſprach, iſt Wahrheit! Das Band, welches einſt zerriß, 1 neu gefnüpft worden, und keine Macht der Welt kann es wie⸗ der zerreißen!

Sie ſprechen im Taumel der Leidenſchaft, Roſalie!

Sie blickte ihn ſtolz an:Dieſe Leidenſe zaft. iſt mein geworden und nur mit meinem Leben wird ſe enden!

Auch Alfred ſpricht ſo; aber es giebt noch etwas Höheres als die Leidenſchaft.

Und was nennen Sie ſo?

Die Liebe, Roſalie!

Die Liebe? So glauben Sie noch nicht

Er ließ ſie nicht ausreden und ergriff ihre beiden Ja, ich weiß, ſagte er,daß Sie Alfred lieben; aber ich frage Sie: en ſoll aus Ihrer und ſeiner Liebe werden, Roſalie?!

Fragen Sie, was aus der Sonne werden widd, wenn ſcheint? entgedmele ſie..

Nein, denn ich weiß daß ſie untergehen muß!

Hermann, Ihr Herz kennt keine Liebe! ſchrie ſie auf.

Eine Secunde lang ruhten ſeine Augen mit einem unſäglich traurigen Ausdruck auf ihr; dann aber ſagte er:

Sie ſind eine verheirathete Frau, Roſalie.-

Hermann, um Gottes Barmherzigkeit willen mahnen Sie mich nicht an das Elend meines Lebens! Wiſſen Sie, daß dieſe Ehe eine undhlüutſelice war, vom erſten Anbeginn bis auf die heu⸗ tige Stunde?

Dennoch ſo groß Ihr Unglück ſein mag Ihre Re⸗ ligion verbitte Ihnen die Scheidung, ſprach er.

Sie verhüllte ihr Geſicht mit den Händen und es drang 5 tiefes S töhnen aus ihrer Bruſt.

Was führte Sie mit dem Manne, deſſen Namen Sie* gen, zuſammen? fragte er nach einer Pauſe.

Zufall, meine eigene Verlaſſenheit, vielleicht auch mein trübes Schickſal! entgegnete ſieWir lernten uns in den Bade kennen, woßd ich mit der Dame gereiſt war, zu der Sie mich ſandten, als als ich von Loſſau ging. Weil die Welt meine Schönheit pries, bewunderte auch er mich und warb um meine Hand. Ich ſagte ihm, daß mein Herz ihm nicht gehöre, ihm nie gehören könne, aber er blieb bei ſeiner Werbung, und weil ic immer und immer das eine Ziel im Auge hatte und glaubte, es in der neuen Lebensſtellung ſicherer erreichen zu können, nahm ich ſeine Anträge an. Eine Zeit lang feſſelte ihn noch der Reiz des Beſitzes, dann aber, als er ſah, daß es bei meinen ausgeſprochenen Worten blieb, wurde auch er kälter, ſuchte Erſatz für ſeine Ent⸗ täuſchungen auf Wegen, d ihn auch um meine Achtung brachten, und es kam ſo weit, daß ich der Stunde fluchte, wo ich ſein Weib Worden war. Endlich trennten wir unſer Schickſal von einander, undich führe jetzt nur noch ſeinen Namen.

8d att te ihr mit teſer Bewegung zugehört.

Roſakte, ſagte rinnig, es riſt noch Rettung möglich für Sie wie für Ihren Gatten! Vergeb zung vermag den tiefſten Riß zu heilen, die entfernteſten Herzen zu Wreinigen.

Haben Sie denn vergeſſen, daß für mich nur ein Riß zu

heilen war, nur eine Vergebung möglich it? Frage ſie faſt kalt.

taumelt

Leben

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ſie

Und, dieſe Vereinigung verbietet Ihnen die Shnn, ſalicks

ſagte er plötzlich mit ſtarker Stimme. ead ſelbſt ve

Haupt der Familie Loſſau, der z en hat, tilgbarer Flecken an dem reinen Wamen haftet. nicht die Hand ausſtrecken nach einer Frau, Welb iſt!

Ein dſe 1 die eines Anf

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