bändern vor dem Spiegel ſtehend, kämmte ſich Sipjägin auf engliſche Weiſe mit zwei Bürſten; — alentine
ichailowna aber hatte die Füße auf die niedrige, türkiſche Couchette heraufgezogen und begann ihm verſchiedene Mit⸗ theilungen über das Hausweſen, die Papierfabrik, die — o weh! — nicht ſo gut ging wie ſie ſollte, über den Koch, der gewechſelt werden mußte, über die Kirche, von welcher die Stuccatur abgefallen war, über Marianne und Kallo⸗ meyzew, — zu machen .
Zwiſchen den beiden Eheleuten herrſchte ungeheucheltes Vertrauen und Einverſtändniß ſie lebten in Wahrheit in „Liebe und Eintracht“, wie man in alten Zeiten zu ſagen pflegte; und als Sipjägin nach heendigter Toilette Valen⸗ tine Michailowna ritterlich um ihre Hand zum Kuſſe bat,
ſie ihm ihre beiden Hände hinreichte und mit zärtlichem
rals⸗Guckäugelein leuchtete.
Genau um fünf Uhr ging Neſhdanow zum Mittags⸗ eſſen hinunter, welches nicht durch eine Glocke, ſondern durch den gedehnten Schall eines chineſiſchen „Gong“ an⸗ gekündigt wurde. Die ganze Geſellſchaft hatte ſich bereits im Speiſezimmer verſammelt. Sipjägin bewillkommnete ihn auf's Neue von der Höhe ſeiner Halsbinde herab und wies ihm die Stelle bei Tiſch zwiſchen Anna Sacharowna und Kolja an⸗ Anna Sacharowna war ein überreifes altes Fräulein, die Schweſter des verſtorbenen, alten Sipjägin; es wehte von ihr ein Kamphergeruch, wie von einem verlegenen Kleide und ſie hatte ein unruhiges, niedergeſchlagenes Ausſehen. .
Sie ſpielte im Hauſe die Rolle von Kolja's Aufſeher oder Gouverneur; ihr runzeliges Geſicht drückte Unzu⸗ friedenheit aus, als Neſhdanow zwiſchen ſie und ihren Zögling geſetzt wurde. Kolja warf Seitenblicke auf ſeinen neuen Nachbar hin. Der kluge Knabe fand hald heraus, daß ſein Lehrer ſich unbehaglich und verlegen fühlte: er hob kaum die Au en auf und aß faſt Nichts. Das gefiel Kolja; er hatte bis dahin gefürchtet, ſein Lehrer würde ſtreng und böſe ſein; auch Valentine Michailowna ſah zu⸗ weilen auf Neſhdanow hin.
„Er ſieht wie ein Student aus — dachte ſie — und hat keine Lebensart; aber er hat ein intereſſantes Geſicht und eine originelle Haarfarbe, wie bei jenem Apoſteh den
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