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Sie hatte ein rundes Geſicht, eine große Adlernaſe — graue, ebenfalls große, klare Augen — feingezogene Augen⸗ brauen und ſchmale Lippen. Sie beſchnitt braunes, ſtarkes Haar und hatte ein finſteres Ausſehen. Aber aus ihrem ganzen Weſen wehte Einem etwas Kräftiges, Kühnes, Ungeſtümes und Leidenſchaftliches entgegen. Ihre Hände und Füße waren ſehr klein; ihr feſt und biegſam geſtalteter
örper erinnerte an die Florentiner Statuetten aus dem XVI. Jahrhundert; ihre Bewegungen waren leicht und anmuthig.
Die Stellung der Sſinetzky im Sipjägin'ſchen Hauſe war eine ziemlich ſchwierige. Ihr Vater, ein ſehr unter⸗ nehmender und kluger Mann, von halb polniſcher Herkunft, hatte ſich zum Range eines Generals aufgedient — ſtürzte aber plötzlich, einer großen Veruntreuung an einer Staats⸗ kaſſe überführt, von ſeiner Höhe herab; er wurde gerichtet, verurtheilt, ſeines Adels und Ranges beraubt und nach Sibirien verſchickt. Später wurde er begnadigt er kehrte zurück; allein er konnte nicht mehr aufkommen und ſtarb im äußerſten Elende. Seine Frau, die leibliche Schweſter Sipjägins und Mutter Mariannens (ſie hatte außer ihr keine Kinder mehr), — konnte den Schlag nicht überleben und ſtarb bald nach ihrem Manne. Der Onkel Sipjägin nahm Marianne in ſeinem Hauſe auf.
In Abhängkeit zu leben war ihr unerträglich. Sie rang mit allen Kräften einer unfügſamen Seele nach Freiheit — und zwiſchen ihrer Tante und ihr beſtand ein ſteter, wenn auch verborgener Kampf. Die Sipjägin hielt ſie für eine Nihiliſtin, eine Gottloſe; Marianne ihrerſeits haßte ſie als ihre unfreiwillige Unterdrückerin. Ihren Onkel ſcheute ſie, wie auch alle andern Menſchen. — Sie ſcheute ſich namentlich vor ihm, ſie fürchtete ihn nicht; ſie hatte keinen furchtſamen Charakter.
„Antipathie,“ — wiederholte Kallomeyzew, — ja, das iſt ein ſeltſames Ding. Es iſt zum Beiſpiel Allen bekannt, daß ich ein tief⸗religiöſer Menſch ein Recht⸗ gläubiger im vollſten Sinne des Wortes bin. Aber den Pfaffenzopf, den Haarbüſchel, kann ich nicht gleichgültig ſehen: da beginnt es in mir zu kochen, zu kochen!“
Hierbei ſtellte Kallomeyzew ſogar vor, indem er zwei⸗ mal die geballte Hand erhob, wie es in ſeiner Bruſt zu kochen anfing.
„Es ſcheinen die Haare Sie überhaupt zu beunruhigen, Sſemin Petrowitſch,“ — bemerkte Marianne: — „ich bin
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