Teil eines Werkes 
3. Theil (1844) Die große Familie / von von Sir Francis Trolopp ; uebersetzt von Dr. Ludwig Eichler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

hatte keine Aehnlichkeit mit der Idee, welche ſich die eraltirte Einbildungskraft unſerer Ladys davon machte; man ſah nur ein

einziges Bildniß einer Frau, anſtatt der vierundzwanzig anderen, mit denen die geſchäftigen Gerüchte es ausgeſtattet hatten; es wäre 6 auch zu dieſen vierundzwanzig kein Platz geweſen, denn das Zim⸗ 8 mer hatte keine ſo große Ausdehnung und zwei große Spiegel,

welche zwiſchen einem Vorhange von dunklem Sammet an⸗ gebracht waren, nahmen beinahe die ganze Breite deſſelben ein.

Das Frauenbildniß war zwiſchen zwei Fenſtern aufge⸗ hängt, deren dichte Vorhänge bis auf die Erde niederhingen. Dem Portrait gegenüber ſtand ein Bett und hinter den Vor⸗ hängen dieſes Bettes hörte man das laute Athmen eines menſchlichen Weſens, das im Fieber liegt.

Auf dem Tiſche brannte, mit einem Lichtſchirme bedeckt,

eine Lampe, und ihr verſchleierter Schimmer kämpfte gegen

die erſten Strahlen des Tages, die bereits den herabgelaſſenen Vorhängen der Fenſter Durchſichtigkeit gaben.

ji Rio Santo ſaß am Fuße des Bettes in einem Fau⸗

Es war ein ſchönes und ſanftes Frauenbild, das ihm

gegenüber hing und unbeſtimmt von den feindlichen Lichtern der ſterbenden Lampe und des beginnenden Tages beſtrahlt wurde. Ein Ausdruck von rührender Güte, der in ihrer 4

Phyſiognomie vorherrſchte, ſchloß weder Adel aus, noch ſelbſt jenen flüchtigen und beneidenswerthen Reiz, welchen Kenner mit dem Worte: piquant gualificiren. Sie ſchien ſehr jung,