— Was fehlt dieſem armen Mädchen? fragte zugleich eine ſanfte Stimme.
In ſolchen Momenten ſtellt jede phyſiſche oder morali⸗ ſche Aufregung vorübergehend wieder das Gleichgewicht der Sinne wieder her. Die Ueberraſchung gab mir die Fähig⸗
keit zu ſehen. Ich bemerkte um mich zwei junge Miſſes,
welche einem Gentleman den Arm gaben, der ein wenig älter war als ſie. — Die lieblichen Geſichter dieſer beiden reizenden Mädchen ſtehen mir noch vor den Augen. Wie viel Güte lag in ihren Blicken! wie viel zartes Mitleid in ihrem Lächeln! wie gut, wie ſchön waren ſie!
— Das arme Mädchen ſtirbt vor Hunger, ſagte der Gentleman, nachdem er mich aufmerkſam betrachtet.
— Vor Hunger! wiederholten die beiden Kinder.
Die ältere faßte mich ſogleich um die Taille; ich ſah Thränen in den ſchönen Augen der jüngeren.
— O Stephen! rief die letztere; wir müſſen ſie zu Ihrer Mutter bringen.
— Gleich auf der Stelle, fügte die ältere hinzu, und zog mich ſchon fort.
Der, den ſie Stephen nannten, hielt mich zurück, und fuhr fort, mich mit kaltem Blicke zu prüfen. Es war Güte in ſeinen Zügen, aber eine vorſichtige, bedachtſame Güte, die mit ſeiner Jugend im Widerſpruch ſtand.
— Das geht nicht, Clary, ſagte er endlich; — beſte⸗ hen Sie nicht darauf, Anna, das geht nicht!. wir können


