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Feder-Proben : eine Sammlung kleiner Erzählungen und Novellen / von J.W. Lembert
Entstehung
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die kluge Mutter empfing ihm ganz allein und gab ihm deutlich zu verſtehen, daß ſie eine Wiederhoh⸗ lung ſeines Beſuches überflüſſig finde. Es blieb alfo dem Armen nichts übrig, als die Allee fleißig auf und ab zu reiten, um das holde Kind wenig⸗ ſtens am Fenſter zu ſehen; auch däuchte es ihm, einige Mahle ſie hinter den Gardinen des Fenſters nach ihm hinſchielend, erblickt zu haben, und — er hatte recht geſehen.

Der Druck ſeiner Hand, der feurige Kuß und mehr noch das ſprechende Auge hatten in Maria's Buſen eine Flamme entzundet, welche ihre Her⸗ zensruhe bedrohte. Es kam ihr vor, als wäre ſie plötzlich aus einem langen Traume erwacht, und die dunkeln Gefuͤhle, welche dann und wann ih⸗ ren Buſen mit unbegreiflicher Sehnſucht füllten, wurden ihr nun mit einem Mahle klar. — Mit Schrecken dachte ſie jetzt an ihr gegebenes Jawort, denn ſie war nun überzeugt, Pedro nie geliebt zu haben, und je mehr ſie ihn mit dem ſchonen Unbekannten verglich, um ſo mehr verlor er bey ihr, und um ſo höher ſtieg ihre Angſt vor dem entſcheidenden Tage. Der Beſuch des Fremden bey ihrer Mutter blieb ihr nicht verborgen, eben ſo wenig unbemerkt ſein öfteres Vorbeyreiten und ſein ſehnſüchtiger Blick nach ihrem Fenſter — Al⸗ les trug dazu bey, ihre Angſt zu vermehren.