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Feder-Proben : eine Sammlung kleiner Erzählungen und Novellen / von J.W. Lembert
Entstehung
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— 229 — danken ihrer Mutter mitzutheilen, die Befehle der⸗ ſelben heilig zu achten und ihnen unbedingt Folge zu leiſten.

Ein Kind der Unſchuld und Ratur reifte die holde Maria zur reißenden Jungfrau heran. Sorgfältig bewahrte die kluge Mutter ihr engel⸗ reines Gemüth vor jedem gefährlichen Eindruck. So war ſie ſechszehn Jahre alt geworden, ohne eine andere Freude zu kennen, als ihr kleines Gärtchen, in dem ſie ihre Blumen nach vollbrach⸗ tem Tagwerk emſig pflegte. Dieſer kleine Raum umſchloß alle ihre Wünſche; die Zufriedenheit ih⸗ rer Mutter war das einzige Ziel, nach dem die gu⸗ te Tochter ſtrebte, dieſe zu erlangen, ſcheute ſie nicht Arbeit, nicht Entſagung. Durch Maria's Fleiß und Geſchmack hatte ſich der Putzhandel merk⸗ lich verbeſſert und Laura ſah ſich wenigſtens der, ihr oft recht fühlbar gewordenen Nahrungsſorgen überhoben. Die ſich immer lieblicher entfaltende Schönheit Maria's belebte ihre Hoffnung auf ein ſorgenfreyes Alter, beſtimmte ſie aber auch zu⸗ gleich, das reitzende Mädchen mit verdoppelter Aufmerkſamkeit zu bewachen.

Um dieſe Zeit führte der Zufall Mutter und Tochter mit unſerem Don Pedro zuſammen, da⸗ mit die ſiegende Schönheit der letztern, durch ei⸗

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