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Feder-Proben : eine Sammlung kleiner Erzählungen und Novellen / von J.W. Lembert
Entstehung
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Aber plötzlich verlor Julie ihre heitere Laune, ſie ward zerſtreut und niedergeſchlagen, tiefe Seufzer entquollen unwillkührlich ihrer Bruſt; ſogar Thrä⸗ nen füllten manchmahl ihr Auge. Wenn Ednard es bemerkte, ſuchte ſie ſich zwar zu faſſen und hei⸗ ter zu ſcheinen, oder ſchob, wenn ſie nicht anders konnte, ihr ſonderbares Betragen auf ein Uebelbe⸗ finden, welches ihr eine nahe Krankheit prophe⸗ zeihte, und wirklich fand ſie Eduard, als er ſie nach einigen Tagen wieder beſuchte, krank im Bet⸗ te. Der Arzt, den Eduard über ihren Zuſtand be⸗ fragte, zuckte bedenklich die Achſeln. Von nun an wich Eduard nicht mehr von ihrem Bette, auſſer wenn ſeine Amtsgeſchäfte ihn abriefen. Eines Abends, als er aus dem geheimen Kabinette mit haſtigen Schritten durch die Straſſen zu der Ge⸗ liebten eilte, kam ihm Juliens Mädchen weinend entgegen und verkündigte ihm ſchluchzend, ihre Herrſchaft ſey vor einer Viertelſtunde — verſchieden.

Von der ſchrecklichen Bothſchaft betäubt, taumelte Eduard an einen Pfeiler! Als er ſeiner Sinne wieder mächtig ward, raffte er ſich auf und ſtürzte in Julien's Wohnung. Da lag ſie, die Geliebte, ſtarr mit geſchloſſenen Augen — eine Leiche! Verzweifelnd warf er ſich über die Entſeelte hin, als wollte er ihr mit ſeinen Küſſen neues Le⸗ ben einhauchen, vergebens, ſie blieb todt. Er hat⸗