—
en wir an, ein Bild von ihr zu entwerfen — d. h. nicht von ihr, denn ſie war ein altes, dickes, unfoͤrmi⸗ ges Weib in gelben Gewaͤndern und mit Perlenſchnuͤren und Halsketten von Zechinen und andern Schmuckſachen, die ihr uͤber den Nacken und die umfaͤngliche Bruſt herabhingen, uͤber und uͤber bedeckt — wir zeichneten nicht dieſes dicke, alte Weib, die ſich bei genauer Dar⸗ ſtellung ihrer Proportionen vor ſich ſelbſt entſetzt haben wuͤrde, ſondern ein ideales Weſen, nichts als Grazie und Schönheit, in ihre Gewaͤnder gehuͤllt; ich habe das tächelnde Antlitz — ganz wie eine Lady im Modejour⸗ nal — noch immer in meinem Skizzenbuche. Dieſes Portrait wurde der alten Dame gezeigt: dieſe wies es der ſchwarzen Köchin und dieſe trug es grinſend zu der kleinen Mariam — das Reſultat aber war, daß
das liebe Kind zum Vorſchein kam und ſich fugte.
und ſo iſt ſie im Bilde mit nach Europa gekom⸗ men. Die Familie der Mariam ſchien in guten umſtänden und ſehr gluͤcklich zu ſein. Wie man aus dem Lachen und Scherzen, aus den glaͤnzenden An⸗ zugen der Frauen, aus der Nettigkeit des mit Arabes⸗ kenmalerei huͤbſch decorirten Hauſes, den niedlichen Matten und bunten Teppichen abnehmen konnte, bildeten ſie eine in der Beyrutwelt recht wohl ſituirte Familie und lebten in ebenſo erquicklicher Weiſe, wie die Euro⸗ päer. Ich ſah auch ein Buch dort liegen, und an der Wand des größten Zimmers hing ein Kupferſtich von


