Druckschrift 
Kleine Novellen : vier Bändchen / von A.G.L. Toussaint
Entstehung
Einzelbild herunterladen

N

262

biete Euch die Stadt! Maria, gib mir meine beſte Perücke und laß Sir und Brockhuiſſen zurück holen. Auch Walter Jansz,*) der bei Tiſche bedienen half, ſoll kom⸗ men.“

Der Prediger ſchloß das Buch und zog ſich zurück. Maria wußte, daß ſie gehorchen mußte, aber ſie ſprach, indem ſie ſich entfernte:

„Hendrik, ich glaubte doch, ganz Recht zu thun, in⸗ dem ich für Deine Seele Sorge trug. Bedenke das doch!“ „Würde es nicht zu ſpät ſein, wenn ich das erſt jetzt thäte, beſte Frau?“ frug Hooft mit hoher Ruhe. „Ich habe chriſtlich gelebt, wenn auch nicht nach den Lehren der reformirten Synode, und ich hoffe zu ſterben, wie es dem Weiſen und einem Bürgermeiſter von Amſterdam ge⸗ ziemt. Dazu bedarf ich aber des Mannes und ſeines Geweinels nicht.“

Nachdem Sir und Brockuiſſen gekommen waren, ſprach er eine Weile mit ihnen über die Intereſſen der Stadt und warnte ſie noch eben ſo ſehr vor dem Einfluß als vor zu offenem Mißtrauen gegen Eng⸗ and.

Während er noch ſprach, entdeckte ſein Auge mit

der Schärfe, welche Sterbenden oft eigen iſt, in der dun⸗ kelſten Ecke des Saales einen Mann, der an die Mauer gelehnt, ſie lauernd behorchte. Er wies mit zitterndem Finger auf ihn und ſprach mit dem Lächeln tiefſter Ver⸗ achtung:

„Siehe da, wahrlich das iſt Valkenier. Man muß es ihm doch nachſagen, daß er ſeine Beute treulich be⸗ wacht, und die Weiſe, in welcher er das thut, iſt ſeiner würdig. Wo iſt aber Walther?“

Der Genannte nahte mit leiſem Schritt und tiefge⸗ ſenktem Haupt.

„Walther, ich gebe Dir hiemit das Amt eines Lei⸗

—

„) Janszvon, der Sohn von Jan.

— ——