45⁵
Valentina winkte durch die geöffnete Thüre dem Ma⸗ jordomo, doch zugleich — erröthete ſie und erblich; ein leichter Schrei der Ueberraſchung entglitt ihren Lippen.
Das war zu eutſchuldigen, — Gauthier de Vergy trat S Er ſchien vergnügt und näherte ſich in freudi⸗ ger Eile.
„Endlich kommt Ihr doch!“ rief die Sennora und führte ihn zu dem Kardinal.
Der Jüngling neigte ſich mit größerer Ehrfurcht vor dem kranken Greiſe, als einſt vor dem mächtigen gefürch⸗ teten Regenten.
„Ich komme abermals mit Briefen unſeres gnädigſten Königs,“ ſprach er heiter. „Aber der Himmel weiß, wie gern ich ſie jetzt meinem durchlauchtigſten Herrn übergebe. Man ſagte mir, ſie ſeien guten Inhalts.“
„Aber wie könnt Ihr ſie von daher bringen?“ frug Valentina. Des Kardinals Hand zitterte, als er die Pa⸗ piere nahm. „Baron Amerstorff hat mich dahin geſchickt, denn er meinte, daß, wo ſo viele Feinde ſeiner Eminenz zuſammen⸗ träfen, ein Freund zu Statten kommen mochte. Ueberdieß war der Infant Fernando ruhig und zufrieden; ich hatte ihn mit ſeinem Schickſal ausgeſöhnt und konnte mich in Ruhe entfernen. Und es war gut. Mein königlicher Herr war mir ſo gnädig, wie ehedem, ich konnte mancher Ver⸗ leumdung entgegentreten, und meine dringenden Bitten haben endlich — Dank dem Himmel! — den König zu einem Entſchluſſe gebracht: Er kommt hierher ſeine Emi⸗ nenz zu beſuchen.“
„Lest mir dieß!“ rief Eimenes, deſſen Stirn und Wangen ſieberhaft glühten und deſſen Blicke unſicher das Papier überliefen, ohne daß er die Buchſtaben und Worte unterſcheiden konnte.
Und der Jüngling begann zu leſen. Der greiſe Re⸗ gent horchte mit einer Spannung, welche an Verwilderung grenzte. Er hielt Valentina's Hände krampfhaft in den ſeinen feſt; die Donna ſtand regungslos da.


