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er Fehler an ihren Kindern ſah und weil ſie ihre Kinder gegen ihn vertheidigte. Er wußte, daß ſie Riſſe in ihrem Mantel hatte, daß ſie ihre Scham mit Zierrathen be⸗ deckte, und er riß ihr die Zierrathen ab und rief allen zu: Seht wie ſie nackt iſt! Er deckte ihre offenen Wun⸗ den auf und verſpottete ſie wegen der Streiche, die er ihr ſelbſt zugebracht. War das großmüthig? Iſt das chriſt⸗ liche Barmherzigkeit? Er wollte nicht zurückkehren, weil man ihn einmal verſtoßen und doch lehrt die Schrift, die⸗ ſelbe, welche er allein als Richtſchnur anerkennt, daß man vergeben ſolle bis zu ſiebenzigmal ſieben Malen⸗ Er iſt ein Menſch mit Leidenſchaften und Gebrechen, wie jeder Menſch und er hat der Vorſehung die Aufgabe der Läuterung aus der Hand geriſſen und umſchaffen wollen; aber ſeht, die Leidenſchaft warf ſich in's Spiel, die Schwäche that das Ihre und der Umſchaffende wurde zum Vertilger. Dieſer fängt an, ſich in ſeinem Werk zu ge⸗ fallen; er ſetzt aus den Ruinen, die er gemacht, ein Pie⸗ deſtal zuſammen, tritt darauf und ruft der Menge zu: „Seht, ich bin's!“ — Iſt das aber chriſtliche Demuth? Wir wiſſen nicht, wie weit er noch gehen wird, aber es iſt gewiß, daß er ſchon weiter ging, als es ein Sterbli⸗ cher durfte. Und er, der Mann, der ſo auf die Hülfe Gottes pocht, er bebt vor dem Satan, den Gottes Sohn doch überwand. Iſt das chriſtlicher Glaube? Und dieſer Mann, der ſelbſt die nöthigſten chriſtlichen Tugenden nicht beſitzt, der ſollte Recht haben gegen die ganze Welt, ge⸗ gen die gelehrteſten Männer der Kirche, gegen ihr Ober⸗ haupt, gegen den ganzen deutſchen Reichstag?“
Der Vicar hielt einen Augenblick inne und ſah Ot⸗ tilien durchdringend und fragend an.
Die Jungfrau ſchaute viel zu klar über dieß Alles hin, als daß ſie nicht gleich erkannt hätte, wie viel Trugreden es umſchloß und daß wenig deutliche Beweiſe, aber viel Spitzſindigkeiten darin lagen, aber ſie war nicht geübt in derlei Streitreden, nicht vorbereitet auf einen


