39
Lippen, die einen Augenblick vorher noch die Tetzels und Eckius ſo mächtig in den Sand geſtreckt hatten; Stau⸗ pitz, der ehrwürdige Vicar, ſaß dann meiſt an ſeiner Seite; meiſtens fand ſich auch Melanchthon ein, der lie⸗ benswürdige Gelehrte, der erhabene Jüngling, der große chriſtliche Philoſoph, dieſer Johannes unter den Jüngern des Reformators. Von ihm darf ich ſprechen, ohne meine hohe Bewunderung zu verhehlen, nicht wahr? von ihm, der Euern Erasmus ſo hoch achtet . . „Aber, mein guter Paul, Erasmus! Das iſt doch ₰ Unchriſt, ein gefährlicher Menſch „. Pater Lucian agt „Ach, Guter, mit Eurem Pater Lucian,“ ſprach Paul lächelnd; „Ihr werdet doch wohl zugeſteh'n, daß der Car⸗ dinal Adrian rechtgläubig iſt, und dieſer ſchätzt Euern großen Rotterdamer ſehr. Ich könnte Euch viel, unend⸗ lich viel von alle dem erzählen, aber es iſt beſſer, daß ich Euch nur von mir ſelbſt ſpreche, immerhin, ſo weit dieß möglich iſt, denn ich lebte faſt ſtets mit dieſen Männern zuſammen. „Um dieſe Zeit ſielen Dinge zu Wittenberg vor, die „ deren Erzählung Euch unangenehm ſein würde, und wahrlich, wer hätte auch ahnen können, daß es ſo weit kommen werde? Der ehrwürdige Doctor ſelbſt hätte nicht gern noch ſo öffentlich gebrochen, ja, er wollte es vielleicht ſelbſt nicht, daß die Sache eine ſolche Wendung nehme.“ „O, war das nicht das Verbrennen der Bulle Sei⸗ ner Heiligkeit und der Dekretalen, was Ihr meint? Das könnt Ihr wenigſtens nicht gut heißen. Das war doch offenbarer Ungehorſam und Verachtung gegen die Kirche.“ * „Mein Guter, er trennt die heilige Kirche von ihrem unheiligen Oberhaupt. Die Kirche Chriſti, für welche er eifert, und deren Vorſchriften er treu folgt, iſt etwas an⸗ deres als Julius I. und ſeine Räthe, die Kardinäle.
Ueber all das werde ich Euch ſpäter unterrichten, ſo Ihr


