23
ſprechen könne, dem Mädchen, welches ihr nicht ge⸗ folgt war.
„Hat mein Fräulein mich gerufen?“ frug dieß ein⸗ tretend.
„Ja, Gretchen; tritt hier zu mir und ſage mir, ſind ſchon Alle da?“
„Die Herren und Edelfrauen ſind alle da, Herrin;z ſie warten nur auf Euch und Donna Tereſia hat genug zu thun, ihre Ungeduld zufrieden zu ſtellen.“
„Ich weiß, es iſt nicht ſchön von mir, die Pflichten einer guten Wirthin ſo mit Willen zu verſäumen, aber ich konnte doch nicht anders, ich hatte mir das einmal ſo vorgenommen, und ich will meinen Beſchluß auch aus⸗ führen, wenigſtens wenn da aber fiel ſie plötzlich ſich ſelbſt in die Rede und frug: „Weißt Du denn ſicher, Gretchen, daß Meiſter Arnold Reiniersz noch nicht hier iſt?“
„Dieſer nicht, aber die Herren von Nichtevecht und der Junker von der Aém ſind da,“ erwiederte das Mäd⸗ chen, ſie ſchalkhaft anblickend.
„Wenn Meiſter Arnold noch kommen ſollte, führe ihn dann hierher,“ fuhr Ottilie fort, ohne auf Gretchens Bemerkung zu achten. „Ich glaube, daß ich Dir dieß
ſchon geſagt habe.“
„O ja, Herrin, bereits mehremale und Enriquez hat den Befehl auch erhalten,“ ſprach das Mädchen. „Aber der utrechter Herr iſt wahrlich ein ſchoner Gaſt, denn ſo ſpät zu kommen . .. .“
„Wenn er kommt!“ ſeufzte Ottilie. „Es wäre recht hart, wenn er nicht käme. Dann müßte ich dieſen Schritt allein thun, der recht mühſam iſt und viel ſchwerer, als ich anfangs meinte. Wäre nur mein Vormund hier, aber ich habe Niemand um mich, der mich unterſtützen könnte, wenn die Edeln und dann Pater Lucian, der unausſtehliche Pater Lucian, bei dem ich nicht auf ein


