Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
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Im täglichen Leben war der Vicar van Herte, oder Pater Balduin von Utrecht, wie man ihn gewöhnlich nannte, nicht das, was er eigentlich zu ſein wünſchte und wirklich hätte ſein müſſen. Er wäre ſo gerne der Bruder der Andern geweſen und trotzdem war er doch immer der Höhere; etwas Zerſtreutes, in ſich Gekehrtes, eine Ver⸗ achtung von Kleinigkeiten, die bei Andern viel galten, gab ihm einen Anſtrich von Düſterkeit und Ernſt, der manches ſchüchterne Herz ihm fern bleiben und ſelbſt vor ihm zurückſchrecken ließ; er wußte das und ſo oft er es vermuthete, trachtete er es zu vermeiden, indem er den ganzen Schatz von Liebe und höherer Bildung hingab, der ſein eigen war. Sein Aeußeres mußte die Ehrerbie⸗ tung für ihn vermehren. Obſchon er noch in mittleren Jahren war, glänzten doch ſchon weiße Haare in dem ſchwarzen Kranze, der ſeine glatte Scheitel umgab; ſeine Züge waren ruhig und friedlich, obwohl auch ſtolz und gebietend, beſonders durch den einigermaßen freien Blick des Auges, deſſen dunkles Blau man faſt für Schwarz hätte halten können. Er war groß, ſchlank und mager, ſeine Haltung, bei aller Einfalt, welche aus ſeinen Be⸗ wegungen ſprach, doch feſt und ernſt, man rechne zu dem Allem eine Stimme, die weniger wohlklingend, als tief⸗ dringend war, die rührte und hinriß, und etwas phan⸗ taſtiſch Sonderbares in der Kleidung, welche die Mitte hielt zwiſchen dem Prieſtergewande und dem weltlichen Kleide des Gelehrten. Der weite Tuchüberrock von dun⸗ kelbrauner Farbe hätte mit den loshängenden Aermeln faſt einer Soutane geglichen, wäre er nicht mit einem ſchmalen Rande von Wolfspelz beſetzt geweſen und hätte nicht ein Streifen gräulich weißer Seide, der hinten in brei⸗ ten Schleifen herabhing, ihn ſtatt des gewöhnlichen Seiles umgürtet. Auch war dieß Gewand kürzer als die Mönchs⸗ kutte und ließ einen großen Theil der Beinkleider ſehen, die gleichfalls von ſchwarzem Tuche waren, gerade wie das Barett, unter dem er noch das Kalottchen trug, eine