phezeit, man würde den unzeitigen Bußprediger als unwill⸗ kommenen Freudeſtörer weggejagt haben, denn an dem Tage wurde in dem Hauſe ein großes Feſi gefeiert. Dieß bewieſen flar die breiten Banner von Lauerneſſe, welche ſtatt der gewöhnlichen kleinen Fähnchen von den Thürmen wehten, das verkündete laut und fernhin vas feſtliche Geläute, welches die Frommen zur Kapelle rief, um da der Hoch⸗ meſſe heizuwohnen; das bewieß offenbar die geſenkte Zug⸗ brücke, das ſicherſte Zeichen des Friedens und der Gaſt⸗ freiheit. Der Vorhof war mit feinem weißem Sande beſtreut und die dunkeln Rauchwolken, welche aus mehr als einem Kamine des hintern Flügels aufſtiegen, ſagten den Kommenden, daß in der Küche etwas Beſſeres zube⸗ bereitet werde, als die gebratenen Fiſche eines Faſttages. Es war auch ein wichtiges Feſt, deſſen Feier bevorſtand: es war der Geburtstag der Herrin und der Tag, an dem ſie ihre Mündigkeit erreichte. Da mußten natürlich all ihre Verwandten und Freunde hinzuſtroͤmen, da durfte die Gaſtfreiheit keine Einſchränkung erleiden. Als der Vicar in ſchon vorgerückter Morgenſtunde mit ſeinem Schützling durch das offene Schloßthor einritt und die frohen Schaaren der Diener überſchaute, die in feſtlichen Kleidern und emſigem Eifer hin und her liefen, ſprach er zu dieſem:
„Ihr habt kein Glück, mein Sohn. Wir treffen das Edelfräulein ſchon nicht mehr allein und ich werde kaum einen Augenblick finden, um mit ihr über Euch zu ſpre⸗ chen, wenigſtens nicht heute Morgen.“
Ein Gdelknabe, in den Farben des Hauſes, roth und grün mit Silberborden, nahte ihnen. Es lag ein ſicht⸗ barer Kampf zwiſchen froher Vertraulichkeit und tiefer
Ehrerbietung in der Weiſe, wie er den Vicar grüßte.
„Ihr auch hier, ehrwürdiger Herr! Wie wird das Evelfräulein ſich freuen! Das iſt gewiß eine Ueberraſchung, welche Seine Hochw „
„Voreiliger!“ ſprach der Geiſtliche, indem er lä⸗
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