Teil eines Werkes 
4. bis. 7. Bändchen (1847)
Entstehung
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quez vernahm die Jungfrau mit innigem Mitleiden das ſchwere, aber nur zu wohl verdiente Schickſal ſeiner Mutter. Bertmann hatte ihm erzählt, daß eine bejahrte Frau mit all den tragbaren Schätzen des Hauſes beladen, am Mor⸗ gen der Zerſtörung durch einen geheimen Gang habe ent⸗ flichen wollen, daß aber die wüſten Soldaten ſie ertappt hätten; trotz ihrer Rohheit würden ſie der wehrloſen alten Frau gewiß geſchont haben, ſo aber hätten ſie das Ganze als einen Raub an der ihnen gehörenden Beute betrachtet Alte dafür mit dem grauſamſten Foltertod be⸗ raft.

Die Schickſale der utrechtiſchen Glaubensgenoſſen blieben den deutſchen Evangeliſchen nicht lange ein Ge⸗ heimniß und als ſie nach Wittenberg kam, ſah ſie ſich ge⸗ liebt und geehrt. Ihre kräftige Natur, die ſich unter ſo vielen Stürmen bewährt hatte, ließ Ottilien bei größerer Ruhe wieder volle Geſundheit finden und ihre kräftige Seele, die ſich am Stabe des Glaubens hielt, fand den Muth neu zu leben und Gott freudig für dieß Leben zu danken, welches eine Schwächere und weniger Fromme verwünſcht hätte, um in dumpfer Trauer hinzuſiechen. Sie lebte lange und erlebte gleich ihrem großen Vorbilve, Luther, noch den Sieg der Idee, für welche ſie Alles ge⸗ opfert hatte. Wohl ſchaute ſie ſpäter oft mit trübem Auge und ſchwerem Herzen auf ihr Vaterland, wo, wäh⸗ rend Deutſchland aller möglichen Freiheit genoß, die Ver⸗ folgung immer ſtärker wüthete und ſtets mehr Blut für die heilige Sache der Religionsfreiheit floß. Da aber trat eines Tages im Hauſe von Bugenhagen eine ernſte Ge⸗ ſtalt auf ſie zu, welche ihr in dem Tone feſten Glaubens zuredete, der ſelbſt der Verzweiflung wieder Vertrauen und Hoffnung einflößen muß.

„Fürchtet aber nichts; ſie kommen nicht zu Ende mit dem, was ſie angefangen haben, mögen ſie thun, was ſie wollen! denn dem geſchriebenen Wort geht es wie ihm, von dem es zeugt; verkannt, verachtet, gebunden, gemar⸗