Teil eines Werkes 
4. bis. 7. Bändchen (1847)
Entstehung
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Streitenden und Kämpfenden folgte, dann ſtieß Hugo einen lauten, bangen Schrei aus:

„Ich bin getroffen, Bruder!“ — und mit ſchwächerer Stimme fügte er hinzu: „Das iſt mein Tod!“

„Dann fluche ich dem Brudermörder!“ ſtoͤhnte die Frau Reiniersz mit letzter Kraft und — das war ihr letzter Seufzer, dann ſank ſie als Leiche in die Arme Ottiliens, die noch getrachtet hatte, die ſchrecklichen Worte auf ihrer Lippe zurück zu halten. Ein geller, durchdrin⸗ gender Schrei Arnolds ſagte, daß der Fluch nicht für ſein Ohr verloren gegangen war — eine Thür ſchlug mit Heftigkeit zu.

Man wußte nicht, wer geblieben, wer entſflohen war.

Und die arme Wittwe hatte wohl recht, als ſie rief: Womit habe ich ſolch ein Todesbett verdient! Nein, die ſorgſame Hausfrau, die treue Mutter ihrer Kinder, die ſo wacker und redlich jede ihrer Pflichten erfüllte, die ſo ſehr nach Ordnung und Frieden geſtrebt; die ſtille friedliche Bürgersfrau, die nie etwas gethan, was auffallen oder auch nur ſonderbar ſcheinen konnte, die ſtets vor dem Gedanken an Widerſpruch zurückgebebt, die alle ſittigen, häuslichen Tugenden beſaß und nicht eine einzige grobe Untugend kannte, die noch in der vollen Blüthe ihrer Geſundheit an ihrem Todtenhemd mit derſelben Sorgioſigkeit geſponnen hatte, mit der ſie das Rädchen für die Ausſteuer ihres Sohnes ſchnurren ließ — o dieſe Fromme hatte es nicht verdient und konnte nicht ahnen, daß an ihrem Sterbe⸗ bette eine ſolche Trauerſcene ſtattfinden würde, eine Scene voll Zwietracht und Unordnung, voll Leidenſchaftlichkeit und voll Thränen, nicht des Schmerzes und der Trauer, ſondern des Zornes und der Wuth; eine Scene voll glü⸗ henden Fanatismus und Bitterkeit, bei der Brüder gegen Brüder die Waffe erheben, die Zwillingsſchweſter den Zwillingsbruder mit rohem Triumph zur Verzweiflung bringen, der Geliebte die Liebende rauh von ſich wegſtoßen,