18
niß und ohne Führer umherirrte; und es war ſpät ſchon am Abend und einem dienſtfertigen Wegweiſer zu begegnen, wäre ein großer Zufall geweſen.
Doch fand Arnold einen ſolchen und zwar in einem Manne, den er ſich ſchon oͤfter geſehen zu haben erinnerte. Der hatte ihn beim Lichte ſeiner Hornlaterne erkannt und das war nicht zu verwundern, denn wie hätte Lau⸗ renz Cornelisz die Züge Arnolds vergeſſen können, Ar⸗ nolds, der ſich wie ein Geſpenſt zwiſchen ihn und den er⸗
wünſchten Entſchluß der Frau Reiniersz geworfen, den
Bruder ſeiner Aafken, über den er ſeitdem ſo viele Kla⸗ gen gehört, ſo manche Thräne hatte weinen ſehn. Denn der junge Amſterdamer war nicht zurückgekehrt, bis er das ſüße Jawort von den Lippen ſeiner Aafken empfan⸗ gen und ſeitdem als ein Mitglied der Familie betrachtet worden und ſo hatte die Wittwe auch nicht gezögert, ihm die ſchmerzlichen Scenen anzuvertrauen, welche Arnolds fanatiſcher Eifer für ihn ſelbſt und alle die Seinen her⸗ beigeführt. Dagegen hatte Laurenz ihr auch etwas an⸗ vertraut, namentlich ſeinen heimlichen Uebertritt zu der
neuen Lehre, welche ihm in Antwerpen durch einen Bru⸗
der der Auguſtiner verkündet worden war. In einer Ver⸗ ſammlung der neuen Brüder, welche in Lieb und Leid ſo feſt zuſammen hielten, hatte er Hugo kennen gelernt und in ihm einen Freund gefunden. Dieß war gewiß ein Be⸗ kenntniß, welches Frau Reiniersz betrüben mußte: Ihr jüngſter Sohn und ihr künftiger Schwiegerſohn beide der⸗ ſelben Abweichung vom Wege ſchuldig, welche ſie bereits einer Schwiegertochter beraubte! Aber die gute Frau dachte dann ſo: Es find doch alle brave Leute und es ſind beſonders gute Menſchen, welche die neue Lehre ſu⸗ chen; und ſeitdem der Schöffe Laurens Jansz“) von
Haarlem die Druckerkunſt erfunden hat, find ſo viele Ver⸗
—
*) Lanrens Koſter, Jans zoon, Guttenberg im hollän⸗ diſchen Kleid, wie ſchon früher bemerkt.


