231 vollig unbekannter, noch ſehr junger Mann ihm ra⸗ ſchen Schrittes in den Weg, und redete ihn vertrau⸗ lich wie ein Freund mit der Frage an: woher er denn komme, und ob er auch am Nachmittag in R**s Garten zu finden ſey? — Ziemlich uͤbler Laune antwortete Franz: nun ja, er werde dort ſeyn; doch ſehe er eben nicht, welchen Antheil ein vollig Frem⸗ der daran nehmen könne. — „Ach, verzeiht!“ rief Jener, ihn nun ſchaͤrfer anblickend; „ich habe mich in der Perſon geirrt. Doch ſeht ihr auch wahrlich meinem Freunde F. auf das Täuſchendſte aͤhnlich. Nun, wie geſagt, verzeiht mir. Wenn wir noch nicht Bekannte ſind, ſo denke ich, werden wir's ja vielleicht heute. Ich bin Ofſizier in einem der neuen Regimenter „die erſt vor Kurzem hieher verlegt wur⸗ den. Es fehlt mir noch an Bekanntſchaften, und ich werde mich freuen, euch am Nachmittag wieder⸗ zutreffen.“ — Durch dieſen hoflichen Ton ward Franz in die beſte Stimmung verſetzt; daß ein Offi⸗ zier, wol gar ein Edelmann, ihn wie ſeines Gleichen behandelte, ſchmeichelte ihm unglaublich. Er ſuchte nun ſeine erſte, etwas muͤrriſche Antwort, durch eine zweite, deſto freundlichere, zu verguͤten; und ſehr
Druckschrift
Kleine Erzählungen / von Caroline Stille ; mit einem Vorworte von Therese Huber
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


