6
„Wir trafen uns, von höh'rer Macht gefuͤhrt, — O Bruder! meinem Blick ſo lang' verloren; Doch meiner Lieb' und Trauer nicht verloren, und meinen Wuͤnſchen nicht; vergieb den Schein Des Unrechts ſelbſt, daß deine Kron' ich trug, Und jeden Schmuck der Fuͤrſten deines Volks. Nach dir war ich ſein Fuͤhrer: doch iſt's billig, Dir das Bewahrte treu zuruͤckzugeben.“ —
Lang' ſtand verſtummt der bleiche Artingal. „Wie?“ rief er dann, „mir, der ich arm an Würden, Der Macht beraubt, und ſchwach und huͤlflos bin,
Mir itzt die Herrſchaft? Spar' den bittern Hohn! Regierte Recht am Hofe fremder Fuͤrſten,
Längſt waͤr' ich auf des Krieges dunkelm Fittig Zuruͤckgekehrt, mein Reich von dir zu fordern; Ich berg' es nicht, noch fuͤrcht' ich deinen Zorn.“
„Nicht tabl ich dich,“ ſprach ruhig Elliodor, „Doch iſt mein Blick mit meinem Wort im Einklang; So ſollteſt du dem Bruder nicht mißtrauen, und ſo von aller Sorge dich befrei'n.
Ja, Diana ſelbſt, die fleckenloſe Göttinn,
Die mich hieher gefuͤhrt in freud'ger Stunde, Sie treffe mich mit ihrer ſtrengſten Rache, Wenn Falſchheit itt aus meiner Rede ſpricht.“


