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Der treue Knappe am Kreuz oder: Der blutige Gang zur St. Johannniskapelle : Rittergeschichte aus der grauen Vorzeit / von F. Thalheim
Entstehung
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„Herr!“ ſprach der unerſchrockene Diener Se⸗ geſts, „Herr, wo im ganzen deutſchen Reiche iſt es Sitte, daß man einen Friedensboten und Abgeſandten auf ſolche Weiſe behandelt? Wos that ich Euch, das Euch zu ſolcher That reizen könnte? Sehet mein graues Haupt! viele Winter ſind ſchon darüber hingeſtreift und Marbod folgt willig dem Rufe der Got⸗ ter und furchtet den Tod nicht; aber um Eu⸗ rer Tochter wegen beſchwoͤre ich Euch, übt Gnade an jenen Ungluͤcklichen, die dort oben im Felſenſchloß ſchmachten und vor Hunger an ihrem eigenen Fleiſche nagen, gedenkt Eu⸗ rer Tochter, die mit abgeharmten und thra⸗ nenfeuchten Wangen erſchöpft und kraftlos durch die ſtillen Hallen der Burg wankt. Toͤdtet mich! tödtet mich! aber erbarmt Euch der Hungernden!“ Aber das Flehen Marbods rhrte den rachſuͤchtigen Rudelsburger nicht und mit kreiſchender Stimme ſchrie er: „Narr! mein erz iſt feſt wie Stein und mein Wille un⸗ abänderlich. Warum mahnſt Du mich an