229
verdammte Morgan weiß es, und ſie weiß es ſeit langer Zeit; und ich wollte nie es ſagen, nie: und hab' es vor meinem Weibe geheim gehalten.“
„Und Sie haben ihn geſehen, und haben ihn nicht umgebracht, Sie Feigling!“ rief Amory's Weib. „Komm fort, Frank, Dein Vater iſt ein Feigling, ich bin ent⸗ ehrt, aber ich bin deine alte Mutter und Du wirſt — Du wirſt mich lieben, nicht wahr?“
Blanche, 6plorée, trat zu ihrer Mutter;z aber Lady Clavering ſchrak vor ihr mit einer Art Entſetzen zurück. „Rühr' mich nicht an!“ rief ſie; „Du haſt kein Herz; Du haſt nie eines gehabt. Ich ſehe jetzt Alles, ich ſehe, warum jener Feigling ſeinen Sitz im Parlament an Arthur abgeben wollte; ja, jener Feigling, und warum Du mir drohteſt, Du wollteſt es dahin bringen, daß ich Dir die Hälfte von Frank's Vermögen gebe; und als Arthur ſich erbot, Dich ohne einen Shilling zu heirathen, weil er meinen Jungen nicht berauben wollte, verließeſt Du ihn und nahmſt den armen Harry. Haben Sie Nichts mit ihr zu thun, Harry, Sie ſind gut, ja das ſind Sie. Heirathen Sie nicht die — die Sträflingstochter dort. Komm fort, Frank, mein Liebling; komm zu Deiner ar⸗ men, alten Mutter. Wir wollen uns verbergen, aber wir ſfind ehrlich, ja wir ſind ehrlich.“
Während all' dieſer Zeit hatte ein ſeltſames Ge⸗ fühl von Frohlocken Blanche's Gemüth erfaßt. Dieſer Monat mit dem armen Harry war ein ermüdender Monat für Sie geweſen. All' ſeine Glücksgüter und ſein Glanz reichten kaum hin, den Gedanken an ihn er⸗ träglich zu machen. Sie war ſeiner einfachen Wege überdrüſſig und krank vom Liebkoſen und Kajoltren.“
„Halten Sie, Mama, halten Sie Madame,“ rief ſie mit einer Gebärde, die immerhin kunſtgerecht, obgleich etwas theatraliſch war, „ich habe kein Herz? ich? Ich be⸗ wahre das Geheimniß von meiner Mutter Schande, ich verzichte auf meine Rechte zu Gunſten meines Stief⸗


