43
Außer den Unterhaltungen und Beſchäftigungen, die Mr. Pen vergnügten, gab es eine, welche das Haupt⸗ ſtück und das Hauptvergnügen der Jugend ausmachte, wenn uns die Dichter recht berichten, die Pen immer ſtudirte; und dieſes Jünglings Herz brannte ſo gewal⸗ tig, und ſeine Einbildungskraft war ſo feurig, daß ſich nicht erwarten ließ, er werde nicht mehr lang der von uns angedeuteten Leidenſchaft entgehen, und die, wie ſie richtig vermuthen, meine Ladies, die Liebe iſt. Pen ſeufzte darnach im Stillen und öffnete wie der liebe⸗ kranke Fant im Ovid, ſein Herz und ſprach: „Aura, veni!“ Welcher edelmüthige Jüngling hat nicht ſeiner Zeit ſolch einer luftigen Fee den Hof gemacht?
Ja, Pen fing an, die Nothwendigkeit einer erſten Liebe zu fühlen — einer verzehrenden Leidenſchaft, eines Gegenſtandes, auf den er alle ſeine unbeſtimmten, ſtür⸗ miſchen Phantaſien, unter denen er in ſüßem Schmerze litt, konzentriren konnte — einer jungen Lady, an die er in Wirklichkeit ſeine Verſe richten, die er als Idol aufſtellen und anbeten konnte, ſtatt jener unmateriellen Janthen und Zuleiken, an die er die Erſtlinge ſeiner aufſprudelnden Muſe richtete. Er las ſeine Lieblings⸗ Dichter immer und immer wieder durch, apoſtrophirte die Alma Venus, die Wonne der Götter und der Menſchen, überſetzte Anakreon's Oden und las die ſei⸗ nem Schmerze entſprechenden Stellen von Waller, Dryden, Prior und dergleichen durch. Smirke und er wur⸗ den bei ihren Beſuchen nie müde, von Liebe zu ſprechen. Der treuloſe Hofmeiſter unterhielt ihn mit ſentimentalen Konverſationen ſtatt der Vorleſungen über Algebra und Griechiſch; denn Smirke war auch verliebt, wer konnte das verhindern, da er in täglichem Verkehr mit einer ſolchen Dame war? Smirke war bis zum Wahnſinn verliebt — (ſo fern eine ſo milde Flamme, wie Mr. Smirke's, Wahnſinn genannt werden kann —) in Mrs. Pendennis.
Die ehrliche Lady, welche in einem der untern Ge⸗


