8
Als der Major dieſen Brief durchleſen hatte, nahm ſeine Miene einen ſolchen Ausdruck von Wuth und Ent⸗ ſetzen an, daß der Chirurg Glowry in ſeiner Taſche nach ſeinem Lanzet, das er immer in ſeinem Karten⸗ etui führte, griff. und glaubte, ſein hochgeehrter Freund würde einen Anfall bekommen. Die Mittheilung war in der That ganz geeignet, Pendennis in Aufregung zu bringen. Das Haupt der Pendennis ſollte eine zehn Jahre ältere Schauſpielerin heirathen — der eigenſin⸗ nige Junge ſollte ſich häuptlings ins Ehebett ſtürzen. „Die Mutter hat den jungen Schuft verzogen,“ brummte der Major in ſich hinein, „mit ihrer verdammten Sen⸗ timentalität und ihrem romantiſchen Kauderwelſch. Mein Neffe eine Theaterkönigin heirathen! guter Gott, das Volk wird mit Fingern auf mich deuten, ſo daß ich nicht mehr aufzuſchauen wage. Und mit unausſprechlichem Bangen dachte er, daß er das Diner bei Lord Steyne in Richmond im Stiche laſſen, auf ſeine Ruhe verzich⸗ ten und ſeine Nacht in einer abſcheulichen dichtverſchloſſe⸗
nen Briefpoſtkutſche zubringen müſſe, ſtatt, wie er ſich
verſprochen hatte, in einer der angenehmſten und aus⸗
gewählteſten Geſellſchaften ſich zu vergnügen. Und
nicht nur auf dieſe, ſondern auch auf alle andern Ein⸗ ladungen fürdie nächſte Zukunft mußte er reſigniren. Wer weiß, wie lange dieſe Angelegenheit ihn hinhielt. Er begab ſich von ſeinem Frühſtücktiſche hinweg in das Schreibkabinet, und ließ von dort Abſagebriefe an den Marquis, den Earl, den Biſchof und alle ſeine Gaſt⸗ freunde abgehen und ſeinen Bedienten Plätze in der Brief⸗ poſtkutſche für den Abend nehmen, indem er natürlich die Summe, die er für die Sitze ausgab, auf Rechnung der Wittwe und des jungen Taugenichtſes ſchrieb, deſſen Vormund er war.
—


