Teil eines Werkes 
14. bis 19. Bändchen (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

334

Da ſie ſo ſelbſtzufrieden war, ließ ſie es ſich möglichſt angelegen ſein, auch den Andern zu Gefallen zu leben, und es iſt uns ja bekannt, daß ſie in dieſer Kunſt eine ſeltene Virtuoſität beſaß, und ungemein viel Glück hatte.

Was Jos betrifft, ſo hatte ſie ſchon bei der kleinen Unterredung im Dachſtübchen des Gaſthauſes zum Ele⸗ phanten Mittel gefunden, ſeine Zuneigung großen Theils wieder zu gewinnen. Im Laufe einer Woche hatte der Civiliſt ſich in ihren allerunterthänigſten Sclaven und fa⸗ natiſchen Bewunderer verwandelt. Nach dem Diner ſchlief er nun nicht mehr, wie es ihm in der weit weniger leb⸗ haften Geſellſchaft Amaliens in der Regel paſſirte. Er fuhr mit ihr in ſeinem offenen Wagen aus. Er veran⸗ ſtaltete kleine Geſellſchaften in ſeinem Hauſe, und erſann, um ihr recht viele Ehre zu erweiſen, Feſtivitäten.

Tapeworm, der Legationsſecretär, der ihr ſo üble Dinge nachgeſagt, erſchien ebenfalls, und ſpeiste bei Jos,

und kam dann jeden Tag, um Becky ſeine Ehrerbietung

3 erweiſen. Um die arme Emmy, die zu keiner Zeit ſehr geſprächig geweſen, und nach Dobbin's Abreiſe ſchwer⸗ müthiger und ſchweigſamer, als je, war, kümmerte ſich gar Niemand mehr, wenn das uns bekannte Genie erſter Klaſſe ſich zeigte.

Der franzöſiſche Miniſter war von Becky nicht weni⸗ ger bezaubert, als ſein engliſcher Nebenbuhler.

Die deutſchen Damen, die, was die Sittlichkeit, und

insbeſondere bei Engländern und Engländerinnen, betrifft,

nie ſehr difftril ſind, waren ganz entzückt von dem Ver⸗ ſtande und dem Witze der bezaubernden Freundin der Mrs. Osborne; und obgleich ſie nicht das Verlangen aus⸗ geſprochen hatte, bei Hofe zu erſcheinen, ſo hoörten doch die allerhöchſten und durchlauchtigſten Perſonen von ihrem bezaubernden Weſen, und konnten es kaum erwarten, bis ſie ihre Bekanntſchaft machten.

Als es bekannt wurde, daß ſie von Adel ſei; daß ſie

—

—