325
bequemer Art, Major Dobbin,“ ſagte Rebekka. „Sie ſchleudern gegen mich eine ſchwere Anklage, ohne dieſelbe gehörig zu formuliren, und laſſen mich ſo unter der Wucht derſelben. Was iſt es? Wirft man mir Un⸗ treue gegen meinen Mann vor 2 Ich verachte dieſe Anklage, und fordere Jedermann auf, Beweiſe gegen mich zu liefern; — ich wiederhole es, liefern Sie mir Beweiſe. Meine Ehre iſt ſo makellos, wie die des bitterſten Feindes, der mich je verläſtert. Wollen Sie ſagen, ich ſei arm, ver⸗ laſſen, im Unglücke, und klagen Sie mich deßhalb an ? Ja, dieſer Fehler bin ich ſchuldig, und täglich werde ich dafür beſtraft. Laß, mich gehen, Emmy. Ich darf mir ja nur einbilden, ich habe Dich nicht gefunden, und bin heute nicht ſchlimmer daran, als geſtern. Ich brauche mir bloß einzubilden, die Nacht ſei nun vorüber, und die arme Wandererin wieder auf ihrem Wege. Erinnerſt Du Dich nicht mehr des Liedes, das wir in guten, alten Zeiten, woran ich ſo gern denke, mit einander zu ſingen pflegten? Seit jener Zeit habe ich ſtets umherirren müſſen — eine arme Verſtoßene, verachtet, weil ich im Unglücke bin, und inſultirt, weil ich allein ſtehe. Laß' mich gehen: mein Aufenthalt bei Dir paßt nicht in den Kram dieſes Herrn.“
„Sie haben Recht, Madame,“ ſprach der Major, „Wenn ich in dieſem Hauſe einige Autorität beſitze —“
„Autorität? Keine!“ platzte Amalie heraus. „Re⸗ bekka, Du bleibſt bei mir. Ich werde Dich nicht verlaſ⸗ ſen, weil Du verfolgt worden biſt; auch werde ich Dich nicht inſultiren, weil — weil es Major Dobbin alſo zu thun beliebt. Komm' mit mir, Liebe!“
Und die beiden Frauenzimmer gingen auf ihre Thüre zu.
William öffnete dieſelbe.
Als ſie aber im Begriffe waren, hinauszugehen, er⸗ griff der Major Amaliens Hand und ſagte:


