26
zeigte; auch geſtattete ſie ihm mit gewohnter Huld, ſie aus Anlaß dieſer intereſſanten Einkleidung zu küſſen. „Roth,“ ſagte ſie, ihr altes Haupt in die Höhe
werfend, „iſt ſtets die Leibfarbe der Esmonds geweſen.“
Und ſo trug Ihre Ladyſchaft dieſe Farbe auf ihren Wangen beharrlich bis an ihren Tod. Sie ſagte, daß ſie ihn gekleidet ſehen wolle, wie es dem Sohn ſeines Vaters zieme, und bezahlte frendig ſeinen Kaſtorhut, der fünf Pfund koſtete, ſeine ſchwarze Lockenperrücke, ſeine Hemden aus feiner holländiſcher Leinwand, ſeine Degen, ſowie ſeine mit Silber beſchlagenen Piſtolen.
Seit dem Tage, da er geboren worden, war der
arme Harry noch nie als ein ſo feiner Gentleman da⸗ eſtanden ſeine freigebige Stiefmutter füllte auch ſeine
örſe mit Guineen; einige davon halfen ihm Capitän Steele, ſowie einige andere auserleſene Geiſter, bei einem Gaſtmahle ausgeben, das Dick im Gaſthauſe zum Hoſenbandorden“, dem Thore des Palaſtes, in Pall Mall, gerade gegenüber, beſtellte. Der gute Dick würde daſſelbe gerne ſelbſt bezahlt haben; unglücklicher Weiſe aber hatte er kein Geld, als man 'die Rechnung verlangte, und ſeinerſeits wollte der Gaſtwirth ihm nicht weiter creditiren.
Hatte die alte Vicomteſſe Esmond früher ein Un⸗ recht zugefügt, ſo ſchien ſie jetzt wirklich geneigt, es durch die Freundlichkeit ihres Benehmens wieder gut zu ma⸗ chen. Sie umarmte ihn beim Abſchied ein Mal um das andere, vergoß reichliche Thränen, einpfahl ihm an, ihr mit jedem Packetboot einen Brief zu ſchicken, und gab ihm — eine Reliquie von unſchätzbarem Werthe, die er um den Hals tragen ſollte: — es war dieſelbe eine Medaille, die, ich weiß nicht mehr, von welchem Pabſte, geweiht, und von Seiner geheiligten Majeſtät, dem ſeligen König James, getragen worden war.
Und ſo kam denn Esmond bei ſeinem Regimente beſſer equipirt an, als die meiſten andern jungen Of⸗


