2¹
dieſe von ihrem Gatten ſchon ſeit langer Zeit verlaſſene Gertrude noch lebe, und im Jahre 1685 zu Brüſſel als förmliche Nonne in einem Kloſter geweſen ſei, — in demſelben Jahre 1685, wo Thomas Esmond die Toch⸗ ter ſeines Oheims, Iſabelle, die ſich jetzt verwittwete Vicomteſſe von Caſtlewood nenne, geheirathet habe. Darauf ließ er ihm zwölf Stunden Bedenkzeit (— ſo ſagte der arme, ſterbende Lord —) und verſchwand mit ſeinen Papieren in derſelben myſteriöſen Weiſe, in der er gekommen war.
Esmond wußte wohl, wie er gekommen, und wieder verſchwunden war: — der Pater hatte ſeinen Weg durch das bekannte Fenſter genommen: — allein es war jetzt unnütz, dieſes dem armen Lord zu erklären, und es konnte Esmond höchſtens daran gelegen ſein, von den Lippen, welche die kalte Hand des Todes bald erſtarren machen ſollte, noch einige Worte entgegen⸗ zunehmen.
Aber ehe noch die zwölf Stunden vorüber wa⸗ ren, war Pater Holt ſelbſt ein Gefangener. Als in Sir John Fenwick's Verſchwörung verwickelt, ward er zuerſt zu Hexton eingeſperrt, und ſpäter nach dem To⸗ wer in London gebracht⸗
Der arme Lord Viscvunt, der von der Gefangen⸗ nehmung der Andern Nichts wußte, ſchwebte unterdeſ⸗ ſen in ewiger Angſt, und fürchtete, den Pater zurück⸗ kommen zu ſehen. Auch war es (— wie my Lord Caſtlewvod erklärte, wobei er Gott zum Zeugen an⸗
rief und ſeine ſterbenden Augen mit Thränen gefüllt wa⸗
ren — ſchon ſeine Abſicht geweſen, Gut und Titel alsbald an den rechtmäßigen Cigenthümer abzutreten, und ſich mit ſeiner Familie nach Walcote, wo er ein Haus hatte, zurückzuziehen. „Und wollte Gott, ich hätte es gethan,“ ſetzte der arme Lord hinzu, — dann wäre ich jetzt nicht hier, tödtlich verwundet, ein armer, unglücklicher, von Gewiſſensbiſſen geplagter Mann!“


