15
Meinung. Das engliſche Volk, das es ſtets gerne ſieht, daß ſeine Prinzen ihren Familien anhangen, war erfreut bei dem Gedanken, daß die Prinzeſſin der ihrigen treu ſei; und bis auf den letzten Tag, und bis zur letzten Stunde ihrer Regierung hatte König Jakob, der Dritte, alle Hoffnung, den engliſchen Thron wieder zu beſteigen, wäre nicht zwiſchen dieſen und ihn das Verhängniß getreten, das er von ſeinen Vorfahren zu⸗ gleich mit ihren Anſprüchen auf die engliſche Krone ge⸗ erbt hatte Allein er verſtand es weder, eine günſtige Gelegenheit abzuwarten, noch wußte er dieſelbe zu nützen, wenn ſie ſich ihm darbot; er war abenteuerlich, wenn er hätte vorſichtig ſein ſollen, und vorſichtig, wenn er hätte Alles wagen ſollen. Man denkt an ſeine traurige Geſchichte mit einer Art Wuth über ſeine Un⸗ fähigkeit. Hat das Fatum es wohl mehr mit den Kö⸗ nigen, als mit den gewöhnlichen Menſchenkindern zu thun? Man möchte es glanben, wenn man die Ge⸗ ſchichte dieſes königlichen Geſchlechtes betrachtet, für welches ſo viel Treue, ſo viele Tapferkeit, ſo viel Blut mit verzweifelter Beharrlichkeit und doch ohne allen Nutzen verſchwendet wurde.
Nachdem der König alſo todt war, wurde die Prinzeſſin Anna (— die Tochter der häßlichen Anna Hyde, wie die alte verwittwete Vicomteſſe zu Chelſea ſie zu nennen pflegte —) in der ganzen Stadt, von Weſtminſter bis Ludgate Hill, unter dem wilden Jubel⸗ geſchrei des Volkes durch trompetende Herolde ausge⸗ rufen.
In der darauf folgenden Woche wurde my Lord Marlborough zum Ritter des Hoſenbandordens, ſowie zum Oberbefehlshaber ſämmtlicher Streitkräfte Ihrer Majeſtät, ſowohl im In⸗ als Auslande, befördert.
Dieſe Ernennung vermehrte nur noch die Wuth der alten Vicomteſſe oder, wie ſie glaubte, ihre Treue gegen ihren rechtmäßigen Souverain.


