310
wir uns auf dem Dache ergehen, und konnten von da Smithfield und die Gärten der Blnecvat Boys' School') und die Chartreur **) ſehen, wo, wie Harry Esmond ſich erinnerte, Dick, der Gelehrte, ſowie ſein Freund Tom Tuſher in die Schule gegangen waren. wäre nie und nimmermehr im Stande ge⸗ nen Antheil an der entſetzlichen, ellenlangen tüng zu zahlen, die der Hanswirth jede Woche ſeinen Gäſten brachte, denn er hatte nur drei Goldſtücke in der Taſche an dem verhängnißvollen Abende vor dem Duell, als die Gentlemen mit einander ſpielten, und zwar immer um fünf Goldſtücke. Während er aber noch im Gatehouſe ſaß, kam eines Tags, nachdem Lady Caſtlewvod ihn dort beſucht (— es war noch vor der Verurtheilung —), ein Mann in pomeranzbraunem, mit blauen Treſſen verziertem Rocke (— es war dieß von jeher die Livree der Esmonds —), und brachte für Mr. Esmond ein verſiegeltes Packet, das zwanzig Guineen enthielt, ſammt einigen Zeilen, die beſagten, daß man ihm bereits für einen Advokaten geſorgt hätte, und daß man ihm, ſobald er es brauchte, noch mehr Geld ſchicken würde.
Es war ein wunderſamer Brief von der alten, verwittweten Vicomteſſe Caſtlewvod, die ſich ſelbſt eine Gelehrte zu nennen pflegte. Der Brief war aber auch darnach. Es war derſelbe in dem ſeltſamen barbari⸗ ſchen Franzöſiſch geſchrieben, deſſen ſie ſich mit vielen andern feinen Damen jener Zeit — ich führe hier nur Ihro Gnaden, die Herzogin von Portsmouth, als Bei⸗ ſpiel an — bediente. In der damaligen Welt war in der That die Orthographie kein Artikel von allgemei⸗ nem Gebrauche; und my Lord Marlborough's Briefe
*) Blaurock⸗Schule: eine Freiſchule, deren Zöglinge, ne⸗ ben gelben Beinkleidern, einen hellblauen Talar tragen.
**) Karthänſer⸗Kloſter


