Teil eines Werkes 
[1] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

23

ihrer Ankunft, ſich von der Haushälterin das Haus zeigen ließ. Der Knabe war in dem Zimmer, das unter dem Namen des Bücherzimmers oder der gelben Gallerie bekannt war, wo die Porträts der Familie zu hangen pflegten, unter andern auch das von Sir Antonio Van Dyck gemalte ſchöne Porträt George's, zweiten Viscounts; ſowie das von Mr. Dobſon gemalte Porträt von my Lord, dem dritten, ſo eben ver⸗ ſtorbenen Viscount, — ein Porträt, das ſeine Gemah⸗ lin und Wittwe nicht für paſſend erachtete, mitzuneh⸗ men, als ſie ihr eigenes, von Sir Peter Lely gemaltes Porträt, auf welchem Ihre Ladyſchaft als eine Jägerin von Dianens Hof dargeſtellt war, holen ließ und nach Chelſea, bei London, brachte, wo ſie dasſelbe in ihrem Hauſe aufhängte.

Die neue und ſchöne Lady von Caſtlewvod fand den traurigen, einſamen kleinen Bewohner dieſer Gal⸗ lerie mit ſeinem großen Buche beſchäftigt, das er weg⸗ legte, als er ſah, daß eine fremde Perſon in ſeiner Nähe war. Und da der Junge wußte, wer dieſe Perſon ſein müſſe, ſo ſtand er auf, und machte einen ſchüchter⸗ nen Bückling vor der Herrin ſeines Hauſes.

Sie ſtreckte die Hand aus, — und wann ſtreckte ſich in der That dieſe Hand nicht aus, um einen Act der Güte zu verrichten, oder um Kummer und Unglück zu ſchützen?

„Und dieß iſt unſer Vetter,“ ſprach ſie; „und wie heißen Sie, Vetter?“ ſ W

„Mein Name iſt Henry Esmond,“ ſprach der Junge, mit einer Art von Entzücken und Verwunder⸗ ung zu ihr aufblickend, denn ſie war als eine Pea certd plötzlich vor ihm erſchienen, und kam ihm als der be⸗ zauberndſte Gegenſtand vor, auf den ſich bis dahin ſeine Augen geheftet. Ihr goldenes Haar ſchien im Golde der Sonne; ihre Geſichtsfarbe hatte etwas blendend Blühendes; ihre Lippen lächelten, und ihre