der die Eingangsthür ſich befand, war noch zur Hälfte leer. In der einen Ecke, der Thür gegenüber, ſtand ein mächtiger Ofen, ein wahres Kunſtgebäude, gleich⸗ falls von weißen Kacheln aufgeführt; er hatte die Form eines antiken Tempels; auf den Kacheln waren in bunten Farben Scenen aus dem Götterleben abgebildet; Vulcan und Venusj ſpielten darin die Hauptrollen. Die Bilder waren nicht aufgemalt, ſondern ſtückweiſe in die einzelnen Kacheln eingebrannt, die dann zu den Bildern zuſammengefügt worden. In der zweiten Ecke, an der Mauerſ der Eingangsthür, ſtand, dem Ofen gegenüber, ein nicht minder kunſtvolles anderes Bau⸗ werk; es war ein ungeheurer Schenktiſch von ebenfalls faſt ſchwarz gewordenem Eichenholz, deſſen zu allerlei Zierrathen und Schnörkeln geſchnitzte hohe Wand wie ein gothiſcher Thurm ſich faſt bis an die Decke des Zimmers erhob. An dieſer Wand ſtanden auf Regalen Humpen, Pokale und Becher von Gold und Silber, von hellem und buntem Glas, in allerlei ba⸗ rocken und geſchmackvollen Formen, das Bankettiren des Mittelalters und aller ſpätern Jahrhunderte re⸗ präſentirend.
Der Ahnenſaal auf Schloß Werdenburg war nur großen und feierlichen Begebenheiten in der Familie gewidmet. Der neue Landesherr empfing in ihm die


